Titelbild: Navi Pillay, Antonio Cruz Wikipedia 3.0
Wir ehren heute Navanethem „Navi“ Pillay, die heute am 9. Oktober 2026 völlig verdient mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, für ein Leben, das untrennbar mit dem Kampf gegen Unrecht verwoben ist.
Sie wird 1941 in Durban in eine tamilisch-indische Familie hineingeboren, mitten in die Apartheid, in einen Staat, in dem fast jeder Aspekt des Lebens durch Rassendiskriminierung bestimmt ist und in dem für eine junge, nicht-weiße Frau Jura zu studieren bereits ein Akt des Widerstands ist.
1967 wird sie die erste Frau, die in der Provinz Natal eine eigene Anwaltspraxis eröffnet, in einer Anwaltskammer weißer Männer, in einem Rechtssystem, das geschaffen wurde, um Unrecht zu legalisieren, und sie gibt den Entrechteten eine Stimme vor Gericht. Die Jahre der Apartheid werden zu den Lehrjahren ihres Mutes, als Anwältin der Anti-Apartheid-Bewegung verteidigt sie Aktivisten des ANC und Nelson Mandela und seine Mitstreiter, sie schaut nicht weg, als der Staat foltert, illegal verhört und Menschen in Isolationshaft zermürbt, und in einem ihrer bedeutendsten Verfahren verklagt sie die Verwaltung des berüchtigten Gefängnisses auf Robben Island und erkämpft für politische Gefangene, darunter Mandela selbst, das Recht auf Zugang zu Anwälten und auf Licht in der totalen Isolation, und deckt so staatlich angeordnete Folter und unmenschliche Haftbedingungen auf.Diese Erfahrung, dass Recht nicht neutral ist, sondern erkämpft werden muss, trägt sie nach dem Ende der Apartheid in die Welt, und das Nobelkomitee würdigt sie heute genau dafür, für ihre Bemühungen um die Förderung des Friedens und des Völkerrechts, weil sie maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord strafrechtlich verfolgt werden, und Vorsitzender Jørgen Watne Frydnes sagte, sie habe mit außergewöhnlichem Mut und Integrität den Weg zu einer umfassenderen globalen Rechtsordnung gewiesen, und der gemeinsame Faden laufe von ihrer frühen Arbeit zur Verteidigung Mandelas bis zu ihrem Dienst als Richterin in einigen der wichtigsten internationalen Gerichtsverfahren unserer Zeit. Sie war Richterin am High Court von Südafrika als erste nicht-weiße Frau, Richterin und später Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda, wo sie Rechtsgeschichte schrieb und die Anerkennung von Vergewaltigung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und als Akt des Völkermordes etablierte, sie war Richterin am Internationalen Strafgerichtshof, von 2008 bis 2014 Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, bis zuletzt Vorsitzende der Unabhängigen Internationalen Untersuchungskommission der UNO zu den besetzten palästinensischen Gebieten und heute Ad-hoc-Richterin am Internationalen Gerichtshof im Verfahren, in dem Myanmar des Völkermordes an den Rohingya beschuldigt wird.
Mit 85 Jahren ist sie nicht die Preisträgerin eines einzelnen Moments, sondern eines Lebensprinzips, dass das Recht, nationales wie internationales, das einzige System ist, das wir aufgebaut haben, um Konflikte gewaltfrei zu lösen, und in einer Zeit, in der das System des Völkerrechts unter enormem Druck steht und seine Institutionen angegriffen werden und eine Hinwendung zu Machtpolitik auf Kosten des Rechts stattfindet, ist ihre Auszeichnung ein bewusstes Gegenzeichen, weil sie nie für die Mächtigen gesprochen hat, sondern für die auf Robben Island, für die Frauen in Ruanda, für die Opfer in Gaza und für die Rohingya, und weil sie bewiesen hat, dass juristische Mittel helfen können, Akte von Krieg und Gewalt zu verhindern.
