Trumps Energie-Inszenierung und das Ende einer Zweckfreundschaft
Donald Trump hat wieder einmal einen moralischen Skandal ausgerufen, diesmal die Vergabe des Friedensnobelpreises. „Schändlich“, sagt er, und man könnte meinen, er spreche über seine eigene außenpolitische Bilanz. Doch wie so oft geht es nicht um Inhalte, sondern um Inszenierung. Trump braucht Empörung wie andere Sauerstoff.
Während er sich öffentlich über internationale Institutionen empört, lässt er im Hintergrund die Erzählung laufen, er sei der einzige Mann, der „Deals“ machen könne. Dass die USA weiterhin bestimmte russische Ölprodukte importieren, ist dabei kein geopolitischer Geniestreich, sondern ein banaler Nebeneffekt globaler Märkte. Raffinerien brauchen bestimmte Sorten – und Russland liefert sie. Punkt. Trotzdem verkauft Trump diese technische Notwendigkeit als Beweis seiner angeblichen weltpolitischen Handlungsfähigkeit.
Der Versuch, daraus eine Art Wahlkampfmunition zu basteln, wirkt wie ein schlecht geölter Motor, laut, aber ohne Vortrieb. Energiepreise sind komplex, global vernetzt und von Faktoren abhängig, die weit außerhalb der Reichweite eines Präsidenten liegen. Wer glaubt, man könne mit ein paar Tankerladungen Diesel die politische Stimmung drehen, hat die Mechanik moderner Volkswirtschaften nicht verstanden – oder hofft, dass die eigene Anhängerschaft es nicht versteht.
Interessanter ist die Frage, wie es um Trumps Verhältnis zu Russland steht. Über Jahre hinweg war er für den Kreml ein nützliches Werkzeug. Ein Präsident, der westliche Bündnisse schwächt, die NATO irritiert und die internationale Ordnung destabilisiert. Doch Werkzeuge werden ersetzt, wenn sie stumpf werden. Russland hat längst andere Kanäle, andere Parteien, andere politische Akteure, die verlässlicher und weniger erratisch sind.
Trump ist für Moskau nicht „durch“, aber er ist auch nicht mehr exklusiv. Er ist ein Baustein unter vielen – austauschbar, kalkulierbar, und vor allem: nicht mehr entscheidend. Der Kreml setzt auf Nutzen, nicht auf Nostalgie.
Trumps jüngste Ausfälle gegen den Friedensnobelpreis und seine selbstverliebte Energie-Rhetorik sind daher weniger Ausdruck geopolitischer Stärke als Ausdruck eines politischen Reflexes: Wenn die Realität nicht liefert, liefert er sich selbst. Laut, empört, und immer mit dem Anspruch, die Welt sei ungerecht zu ihm.
Am Ende bleibt Trump, der internationale Themen wie Requisiten benutzt, um seine innenpolitische Bühne zu beleuchten. Und ein Russland, das längst begriffen hat, dass man für strategische Vorteile keine Freundschaft braucht – nur Gelegenheiten.
