Titelbild:Screenshot TikTok/Monkey lovely
Der Affe, der zur Schule geht – Warum Millionen ein Video liken, das eigentlich ein Tierschutzfall ist
Auf TikTok geht gerade ein Account mit dem Namen „Monkey lovely“ viral. In den Clips zu sehen: Ein junger Makake, kaum größer als ein Kleinkind, der wie ein Schulkind angezogen ist. Kleine Schuhe, eine Hose, ein viel zu großer Rucksack auf dem Rücken. Er läuft auf zwei Beinen über eine Straße, angeblich auf dem Weg zur Schule.
Die Kommentare darunter: „So süß“, „Wie ein kleiner Mensch“, „Er ist so klug“. Die Videos bekommen Hunderttausende Likes. Was die meisten Zuschauer nicht sehen – oder nicht sehen wollen – ist, was dahintersteckt.
Ein Affe läuft nicht freiwillig auf zwei Beinen. Für einen Makaken ist der aufrechte Gang über längere Strecken schmerzhaft und unnatürlich. Das Skelett, die Hüfte, die Wirbelsäule sind dafür nicht gemacht. Dass er es trotzdem tut, ist kein Zeichen von Intelligenz, sondern von Training. Und Training bedeutet bei Wildtieren in solchen Fällen fast immer Zwang, Angst und körperliche Bestrafung.
Wer genau hinsieht, erkennt es. Die geduckte Körperhaltung, der ängstliche Blick, der das Weite sucht, das Zucken, wenn eine menschliche Hand ins Bild kommt. Das sind klassische Angst- und Stresssignale bei Primaten. Dazu die Kleidung: Schuhe, die die empfindlichen Greiffüße einschnüren, ein Rucksack, der das Gleichgewicht stört. Für das Tier ist das keine Verkleidung, sondern Dauerstress.
Primaten-Experten warnen seit Jahren vor genau dieser Art von Content. Makaken sind Wildtiere, hochsoziale, intelligente Tiere, die in komplexen Gruppen leben. Werden sie als Babys von der Mutter getrennt und als menschliche Attrappe aufgezogen, erleiden sie schwere psychische Schäden. Was niedlich aussieht, ist in der Realität schwere Tierquälerei.
Der Fall „Monkey lovely“ ist kein Einzelfall. Auf TikTok, YouTube und Facebook gibt es eine ganze Industrie, die mit verkleideten Affenbabys Geld verdient. Je menschlicher sie wirken, desto mehr Klicks. Die Plattformen selbst gehen nur zögerlich dagegen vor, obwohl das Halten und Vorführen von Wildtieren dieser Art in vielen Ländern gegen das Tierschutzgesetz verstößt.
Deshalb formiert sich gerade Widerstand in den Kommentaren. Immer mehr Nutzer schreiben nicht mehr „wie süß“, sondern: „This is not cute. This is extreme animal cruelty.“ Viele kündigen an, den Account wegen Tierquälerei zu melden und Strafanzeige zu erstatten. Denn ein Like ist schnell gegeben – das Leiden des Tieres bleibt.
