Titelbild: Screenshot TikTok/ Heike Tierschutz
„Bitte wir brauchen Futter“: Wie Heike Krill mit Hundenot Spenden sammelt
ALANYA. Fast täglich erscheinen neue Videos in den sozialen Netzwerken. Zu sehen sind magere Hunde an türkischen Straßenrändern, Welpen die in Kartons ausgesetzt wurden, ein verletztes Tier auf dem OP-Tisch. Dazu steht immer wieder derselbe Satz: _“Bitte wir brauchen Futter“_ 🙏. Direkt darunter ist eine PayPal-Adresse eingeblendet: `Heikekrill@t-online.de`.
Die Frau hinter den Videos nennt sich Heike Krill und betreibt auf TikTok und Instagram ein Profil mit dem Namen _“Heike Tierschutz“_. Dort folgen ihr mehr als 46.000 Menschen. In der Profil-Beschreibung steht _“Jenny’s Oase für Heimatlose Tiere“_ und ebenfalls die private PayPal-Mail.
Was auf den ersten Blick wie klassischer Tierschutz wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein durchgehendes System aus emotionalen Appellen und Spendenaufforderungen ohne jede Kontrolle.
Die Methode zieht sich durch alle Beiträge. Zuerst wird das Elend gezeigt. Ein abgemagerter Hund läuft allein über eine Landstraße mit dem Text _“Wir leben in den Bergen ohne Futter“_. Ein anderer Post zeigt einen toten Hund am Straßenrand mit einem weinenden Emoji. Welpen werden mit den Worten _“Einfach ausgesetzt“_ präsentiert. Ein besonders aufgerufenes Video zeigt eine Hündin während einer Notoperation mit der Überschrift _“Update: Die Hündin mit dem Gift kämpft“_. Dieses Video wurde mehr als 193.000 Mal aufgerufen.
Alles erinnert sehr stark an die Methoden afrikanischer Scammer, ob die Bilder gestellt sind, oder irgendjemand Hunde schlicht fotografiert, die in misslichen Lagen sind, ergibt sich nicht.
Unmittelbar auf diese Bilder folgt der Appell. _“Bitte wir brauchen dringend Futter“_, _“WIR HABEN KEIN FUTTER FÜR MORGEN“_ oder _“Der kleine Welpe braucht uns. Vielleicht möchte jemand helfen er muss zum Tierarzt“_.
In drei Beiträgen, die auf dem Profil oben angeheftet sind, wird dieses Prinzip besonders deutlich. Einer zeigt Hunde an Mülltonnen mit dem Hinweis auf fehlendes Futter für den nächsten Tag und direkt darunter die PayPal-Adresse. Ein anderer kommt mit dem Satz _“Ein Hund wird bis zum Ende der Nacht auf dich warten und er wird dich bis an sein Lebensende lieben“_ und hat mehr als 100.000 Aufrufe erzielt.
Auffällig ist, dass es keinerlei Hinweise auf eine Vereinsstruktur gibt. Weder ein Impressum noch eine Website oder ein eingetragener Verein werden genannt. Belege für das, was mit dem gespendeten Geld geschieht, fehlen ebenfalls. Weder Futterquittungen noch Tierarztrechnungen werden veröffentlicht. Stattdessen heißt es in den Kommentaren nur _“Dankeschön ohne euch wäre das alles nicht möglich“_. Auch wenn in einem Video steht _“Kastrieren ist so wichtig“_, wird im nächsten Atemzug um Spenden gebeten _“damit wir die Hündin kastrieren lassen können“_. Wer genau die Behandlung durchführt und mit welchem Tierarzt oder Tierheim vor Ort zusammengearbeitet wird, bleibt offen.
Tierschutz-Organisationen warnen seit Jahren vor genau solchen Auftritten. Das größte Problem ist der Vertrauensverlust. Wer einmal Geld an eine private Adresse überwiesen hat und nie erfährt wofür es verwendet wurde, hört oft ganz auf zu spenden. Leidtragende sind am Ende die Tiere in seriösen, kontrollierten Projekten, denen dann die Mittel fehlen.
Gerade in der Türkei, in der Region um Alanya und Mahmutlar aus der die Videos stammen, gibt es ein massives Problem mit Straßenhunden. Die türkischen Behörden sorgen für die Tiere. Der Rest ist ungezügelte Profitgier.
Die Geschichten der Frau seien haarsträubend und eigentlich wissen man nicht, von was die Dame lebt.
Mittlerweile Gerät sie durch die Posts auch in juristische Schwierigkeiten, andere, wahre Tierschützer müssen sie wohl gemeldet haben.
Dort arbeiten etablierte Vereine mit Kastrationsprogrammen und registrierten Futterstellen. Private Einzelauftritte ohne Transparenz können diese Arbeit konterkarieren. Kritiker befürchten zudem, dass durch die tägliche Darstellung von hungernden Hunden und die ständige Zusage von Futter das Aussetzen von Tieren indirekt gefördert wird, weil die Verantwortung scheinbar an einzelne Personen abgegeben wird.
Verbraucherschützer raten deshalb dringend davon ab, an private PayPal-Adressen in sozialen Netzwerken zu spenden.
Seriöse Vereine sind in Deutschland eingetragen, verfügen über ein Impressum und eine eigene Website. Sie veröffentlichen Abrechnungen und stellen auf Wunsch Spendenquittungen aus. Wer wirklich helfen möchte, sollte sich direkt an Organisationen wenden, die nachweislich in der jeweiligen Region arbeiten und ihre Arbeit offenlegen.
Eine Anfrage an Heike Krill blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
Alle in diesem Artikel verwendeten Zitate, Texte und Screenshots stammen aus den öffentlich zugänglichen Profilen von Heike Krill.
