Titelbild: Pixabay BeispielbildIn der Reisezeit, wenn Millionen von Urlaubern mit vollbeladenen Autos unterwegs sind, verwandeln sich viele Parkplätze – besonders an Flughäfen, Raststätten, Einkaufszentren in der Nähe von Autobahnen oder in beliebten Touristengebieten – leider zu wahren Hotspots für Betrüger und Diebe.
Die Kombination aus hektischer Stimmung, überfüllten Plätzen, abgelenkten Reisenden und teils schlecht beleuchteten oder abgelegenen Bereichen macht es Kriminellen leicht, systematisch vorzugehen. Viele Urlauber sind müde von der langen Anfahrt, beladen mit Koffern und Wertgegenständen im Auto und konzentrieren sich vor allem darauf, den Flug oder die Fähre nicht zu verpassen – genau diese Ablenkung nutzen die Täter geschickt aus.
Einer der perfidesten und immer wiederkehrenden Tricks ist der sogenannte Reifenstecher oder Pannentrick. Dabei schleichen sich Diebe auf Parkplätzen an geparkte Fahrzeuge heran und stechen gezielt in einen Reifen oder lassen Luft ab, oft während die Besitzer gerade einkaufen, einchecken oder eine kurze Pause machen. Sobald das Auto wieder losfährt, fällt den Fahrern auf, dass etwas nicht stimmt – meist an einer einsamen Stelle auf der Weiterfahrt oder direkt auf dem Parkplatz.
Plötzlich tauchen „hilfsbereite“ Personen auf, die genau in diesem Moment vorbeikommen und anbieten, beim Reifenwechsel zu helfen. Während man abgelenkt ist und mit dem Rad oder dem Werkzeug beschäftigt, plündern Komplizen das Auto, das man vielleicht nur kurz unverschlossen gelassen hat oder dessen Kofferraum man geöffnet hat. Besonders in südeuropäischen Urlaubsregionen wie Spanien, Italien oder auf Mallorca wird dieser Trick immer wieder gemeldet, und die Täter arbeiten oft in kleinen Gruppen, die sich unauffällig unter die Urlauber mischen.
Ähnlich funktioniert der klassische Ablenkungstrick auf Rastplätzen oder Flughafen-Parkplätzen. Manche Betrüger signalisieren mit Lichthupe oder Gesten, dass am Auto etwas nicht stimmt – ein vermeintlicher Defekt am Hinterrad oder eine offene Tür. Sobald der Fahrer anhält und aussteigt, um nachzusehen, greifen andere aus der Gruppe blitzschnell ins Fahrzeuginnere und entwenden Handtaschen, Tablets, Kameras oder sogar den Koffer aus dem geöffneten Kofferraum. In der Hochsaison, wenn die Parkplätze voll sind und viele Familien mit Kindern unterwegs sind, fällt so ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit kaum auf. Die Täter sind oft gut gekleidet und wirken seriös, was das Misstrauen zusätzlich senkt.
Darüber hinaus gibt es in vielen Ländern das Phänomen falscher Parkwächter oder privater Überwacher. Besonders an Flughäfen oder großen Einkaufszentren in der Nähe von Urlaubsrouten tauchen Personen auf, die scheinbar offizielle Uniformen oder Schilder tragen und überhöhte Parkgebühren kassieren wollen – oft bar und ohne Quittung. Manche stellen sogar falsche Automaten oder Schilder auf, die eine Zahlung per App oder SMS suggerieren, die dann in betrügerische Kanäle fließt. In Deutschland und Österreich hat sich in den letzten Jahren zusätzlich ein Geschäftsmodell etabliert, bei dem private Firmen Supermarkt- oder Raststätten-Parkplätze überwachen und bei minimalen Verstößen (vergessene Parkscheibe, wenige Minuten Überziehung) hohe Vertragsstrafen per Post fordern – manchmal mehrere Hundert Euro. In der Reisezeit, wenn viele nur kurz halten, um Proviant zu kaufen, explodieren solche Fälle.
Ein weiteres großes Problem sind überteuerte oder dubiose Parkhaus-Angebote direkt an Flughäfen oder Bahnhöfen. In der Hochsaison locken dubiose Anbieter mit günstigen Online-Preisen, nur um vor Ort plötzlich Zusatzkosten zu verlangen oder das Auto auf ungesicherten Außenplätzen abzustellen, wo Diebstähle häufiger vorkommen. Manche „Parkservice“-Anbieter verschwinden einfach mit dem Fahrzeug oder liefern es beschädigt zurück. Gleichzeitig bleiben die offiziellen Parkplätze teuer, was viele Urlauber in die Arme der Betrüger treibt.
Die Täter passen sich der Saison an: Im Sommer, wenn die Autobahnen verstopft sind und Familienurlauber unterwegs sind, steigt die Zahl der Vorfälle deutlich. Kinder auf dem Rücksitz, Gepäckberge und die Vorfreude auf den Urlaub machen viele weniger wachsam. Hinzu kommen schlecht ausgeleuchtete Parkplätze in der Dämmerung oder nachts, wenn Flüge spät ankommen. In manchen Regionen arbeiten die Banden international und wechseln gezielt die Orte, je nachdem, wo gerade Ferien sind.
Was man tun kann, um sich zu schützen, ist vor allem Achtsamkeit und Vorbereitung. Vor dem Verlassen des Autos immer alles Wertvolle mitnehmen oder im Kofferraum gut verstauen und verriegeln. Parkplätze möglichst in beleuchteten, kamerabeaufsichtigten Bereichen wählen und das Auto vollständig umrunden, bevor man losfährt. Nie auf dubiose Helfer eingehen, sondern bei einer vermeintlichen Panne lieber den ADAC oder eine offizielle Werkstatt rufen. Parkgebühren immer über offizielle Apps oder Automaten bezahlen und Quittungen aufbewahren. Und vor allem: In der Hektik der Reisezeit ein paar Minuten mehr einplanen, um ruhiger und wachsamer zu bleiben.
Die meisten Urlaube verlaufen glatt, doch diese Betrügereien können den Start oder das Ende des Traumsurlaubs gründlich verderben. Mit etwas Vorsicht lässt sich das Risiko jedoch stark minimieren – und man kann die Reisezeit unbeschwert genießen.
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