Flora und Fauna

Perverse Affeneltern: Wenn Makaken Content werden

Titelbild: Nördlicher Schweinsaffen, Mammalwatcher 3.0 Perverse Affeneltern: Wenn Makaken zu Content werden

In Südostasien, vor allem in Vietnam, Indonesien und Thailand, ist ein Markt entstanden, der von Klicks lebt. Seine Ware sind Makakenbabys, seine Bühne sind TikTok, YouTube Shorts und Facebook Reels. Was in den Videos wie liebevolle Familienidylle aussieht, ist in Wahrheit organisierte Tierquälerei. Ein Affe im Bikini schwimmt durch den Pool „in die Grundschule“. Im nächsten Clip sitzt er auf dem Töpfchen, trägt eine Windel, wird abgeduscht, bekommt Menschenessen in den Mund gesteckt. Die Kommentare darunter sind voll von „So süß“ und „Bester Sohn“. Was niemand sieht, passiert abseits der Kamera: zusammengebundene Arme, damit das Tier lernt auf zwei Beinen zu laufen, Schläge wenn es nicht „artig“ ist, stundenlanges Training für einen 15-Sekunden-Clip.

Damit ein wilder Makake so funktioniert, muss er gebrochen werden. Statt Früchten, Blättern und Insekten bekommt er Nudeln, Süßigkeiten und Milch. Der Darm macht das nicht lange mit. Das Fell wird abrasiert, „damit er süßer aussieht“, Haarschnitte werden ihm verpasst wie einem Kleinkind. Windeln gehören zum Alltag, auch wenn sie vollgeschissen sind. Danach geht es sofort wieder unter die Dusche, denn das nächste Video muss gedreht werden. Freiwillig würde kein Makake im Bikini schwimmen oder Hausaufgabenhefte durchblättern. Das ist Zwang, vermarktet als Fürsorge.

Einer der bekanntesten Namen in dieser Szene ist Ngoc Ka aus Vietnam. Sein Affe Kaka wurde ihm nach internationalem Druck und behördlichem Eingriff weggenommen. Die Bilder waren zu weit verbreitet, die Brutalität zu offensichtlich. Aber Ngoc Ka ist kein Einzelfall. Er ist nur das Gesicht eines Systems. In den Kommentarspalten und in geschlossenen Telegram-Gruppen dieser „Affen-Mamas“ und „Affen-Papas“ entstehen Netzwerke. Und diese Netzwerke bleiben nicht bei Affen. In Westafrika sind aus genau solchen Strukturen Scammerbanden hervorgegangen, die inzwischen „Babys zur Adoption“ verkaufen, die es gar nicht gibt. Das Prinzip ist dasselbe: Erzeuge mit süßen Bildern Abhängigkeit, erzähle eine rührende Geschichte, und kassiere. Erst war es der Affe als Babyersatz. Jetzt ist es das erfundene Kind.

Viele der Frauen, die in den Videos auftreten, wirken selbst zerrüttet. Einsamkeit, unerfüllter Kinderwunsch, psychische Probleme. Der Affe wird zum Lückenfüller. Und der Algorithmus zahlt mit. Pro Million Aufrufe gibt es Geld. Also muss das Tier immer menschlicher werden, immer extremer, immer kranker. Es ist Projektion, es ist Sucht, es ist ein Geschäftsmodell.

Für den Makaken endet das fast immer gleich. Ein Affe wird 20 bis 30 Jahre alt. Spätestens mit drei, vier Jahren wird er zu stark, zu aggressiv, zu laut. Er beißt, er schreit, er will in den Wald. Dann ist er unverkäuflich. Viele werden ausgesetzt und verhungern oder werden überfahren. Andere landen in überfüllten Auffangstationen. Einige werden getötet. Keiner von ihnen hat je gefragt, ob er eine Windel tragen will.

Wir schauen zu, wir liken, wir kommentieren. Und damit finanzieren wir das nächste Video, den nächsten geschlagenen Affen. Das ist keine Liebe. Das ist die Vermarktung von Leid mit Kinderwagen und Ringlicht. Makaken gehören in den Wald. Nicht in die Windel. Nicht in den Bikini. Nicht in unser Handy.

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