Titelbild: Foto KI verändert, 2026
Demos gegen Rechts nach dem Erdrutsch in Sachsen-Anhalt
Knapp eine Woche nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD trotz Einstufung als gesichert rechtsextremistisch knapp 44 Prozent holte, haben Zehntausende bundesweit ein Gegensignal gesetzt. In Düsseldorf zogen rund 20.000 Menschen unter dem Motto Kein Schritt zurück durch die Innenstadt, in Hamburg waren es nach Veranstalterangaben 25.000 unter dem Titel Zeit zum Handeln. Auch Berlin, München, Leipzig, Magdeburg, Mainz und Saarbrücken meldeten große Kundgebungen, in Berlin sprach die Polizei von 18.000, die Veranstalter von 32.000 Teilnehmern am Sternmarsch zum Roten Rathaus.
Diese Demos sind mehr als Routine. Sie sind der Versuch, einer Gewöhnung entgegenzuwirken. Das starke Ergebnis in Sachsen-Anhalt setzt einen neuen Maßstab und genau deshalb ist der Ruf nach einem AfD-Verbotsverfahren auf diesen Kundgebungen so laut geworden. Für die einen ist das die logische Konsequenz, wenn die Voraussetzungen des Grundgesetzes erfüllt sind, dann muss der Rechtsstaat handeln. Für die anderen ist es ein hohes Risiko, denn ein scheiterndes Verfahren würde die Partei nur weiter stärken und fast die Hälfte der Wähler in einem Bundesland vor den Kopf stoßen.
Darin liegt die eigentliche Spannung dieser Proteste. Auf der einen Seite stehen bunte Fahnen und Schilder mit AfD-Verbot jetzt, auf der anderen Seite bleibt die unbeantwortete Frage, wie man mit den 44 Prozent umgeht, die gerade gewählt haben. Demokratie zu verteidigen bedeutet eben nicht nur, auf die Straße zu gehen, sondern auch danach eine Antwort zu finden, die nicht nur Ausgrenzung ist, sondern auch inhaltliche Auseinandersetzung.
Deshalb sind die gestrigen Demos nur der Auftakt. Sie zeigen, dass ein großer Teil der Gesellschaft die Entwicklung nicht hinnehmen will, sie zeigen aber auch, dass die Debatte um den richtigen Umgang mit der AfD jetzt erst richtig beginnt.
