Titelbild: Ali Laridschani (2025)
Ali Laridschani, mit vollem Namen Ali Ardeschir Laridschani, wurde in Nadschaf im Irak geboren und entstammte einer einflussreichen schiitischen Theologenfamilie, die vor dem Regime des Schahs aus dem Iran geflohen war. Sein Vater war ein angesehener Großayatollah, und diese religiöse Herkunft prägte seinen gesamten Werdegang. Nach der Rückkehr der Familie in den Iran studierte er Philosophie und engagierte sich früh in der islamischen Bewegung, die schließlich zur Islamischen Revolution von 1979 führte.
In den 1980er Jahren diente Laridschani während des verheerenden Iran-Irak-Kriegs in der Revolutionsgarde und brachte es dort bis zum Rang eines Brigadegenerals.
Diese militärische Phase verband ihn eng mit den Machtstrukturen der jungen Islamischen Republik. Nach dem Krieg stieg er in zivile und politische Positionen auf. Er wurde zunächst Kulturminister, leitete anschließend über ein Jahrzehnt den staatlichen Rundfunk IRIB und prägte damit maßgeblich die Medienlandschaft des Landes im Sinne der ideologischen Linie des Regimes. Zwischen 2005 und 2007 fungierte er als Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats und war in dieser Rolle auch der Chef-Unterhändler im Atomstreit mit dem Westen, wo er als vergleichsweise pragmatischer und verhandlungsbereiter Akteur wahrgenommen wurde.
Nach einer Machtverschiebung bei den Parlamentswahlen 2008 übernahm er den Vorsitz des iranischen Parlaments (Madschles) und behielt dieses einflussreiche Amt bis 2020. In dieser Zeit galt er als einer der wichtigsten Gefolgsleute des Obersten Führers Ali Chamenei, ohne jedoch je vollständig dem ultraharten Flügel des Systems anzugehören – er bewegte sich stets in einer Grauzone zwischen Loyalität zum Revolutionskurs und pragmatischen, teils moderat wirkenden Positionen. Nach 2020 blieb Laridschani Mitglied im Schlichtungsrat und kehrte 2025 in das Amt des Sekretärs des Obersten Nationalen Sicherheitsrats zurück, eine der mächtigsten Positionen im iranischen Sicherheitsapparat.
In den dramatischen Ereignissen des Jahres 2026, als US-amerikanische und israelische Angriffe zahlreiche Führungsfiguren des Regimes ausschalteten, einschließlich Chamenei, avancierte er plötzlich zu einer der zentralen, teils sogar inoffiziell führenden Persönlichkeiten im Machtvakuum. Er trat öffentlich als Stimme des Widerstands auf, drohte den USA mit Konsequenzen und schien zeitweise die Geschicke des Landes mitzubestimmen. Am 17. März 2026 meldete das israelische Militär jedoch, Laridschani sei bei einem gezielten Luftangriff in Teheran getötet worden – zusammen mit weiteren hochrangigen Sicherheitsvertretern. Aus Teheran gab es zunächst keine offizielle Bestätigung, doch die Nachricht unterstrich die extreme Instabilität der iranischen Führung in dieser Phase des eskalierenden Konflikts.
Laridschani verkörperte über Jahrzehnte hinweg den Typus des loyalen, aber strategisch denkenden Insiders des Systems. Religiös verwurzelt, militärisch geprägt, medial einflussreich und politisch anpassungsfähig – ein Mann, der das Regime in vielen seiner Höhen und Tiefen begleitete und am Ende in dessen chaotischem Zusammenbruch eine letzte, tragische Rolle spielte.
