Cold Case

Wer ermordete Renate Pollaczek?

 

Titelbild Symbolfoto Nancy Wong, Berliner Mauer,1986, Wikipedia Lizenz

 

Der Mordfall Renate Pollaczek ereignete sich in der Nacht zum 11. April 1986 in Berlin-Charlottenburg und zählt bis heute zu den bekanntesten ungelösten Sexual- und Raubmorden der Stadt.

Die damals 44-jährige Renate Pollaczek arbeitete als Bedienung in der „Schultheiß-Baude“, einer durchgehend geöffneten Kneipe/Gaststätte in der Nähe des Schultheiß-Areals, die vor allem bei Nachtschwärmern, Schichtarbeitern und Stammgästen beliebt war.

In jener Aprilnacht hatte das Lokal regulär bis in die frühen Morgenstunden geöffnet. Gegen etwa 5 Uhr morgens verließ der letzte Gast die Gaststätte und bemerkte dabei einen ihm unbekannten Mann am Eingangsbereich. Danach betrat niemand mehr offiziell das Lokal – zumindest nicht als regulärer Besucher. Kurze Zeit später muss der Täter zugeschlagen haben. Renate Pollaczek wurde in den Räumlichkeiten der Kneipe zunächst Opfer einer Vergewaltigung. Anschließend wurde sie mit einem Küchentuch stranguliert und getötet. Der Täter raubte zudem die Tageseinnahmen in Höhe von etwa mehreren hundert D-Mark.

Am Morgen des 11. April 1986 entdeckte der Betreiber oder ein Mitarbeiter die Leiche der Frau in der Gaststätte.

Die alarmierte Polizei stellte rasch fest, dass es sich um ein Gewaltverbrechen mit sexuellem und räuberischem Motiv handelte. Am Tatort fanden die Ermittler wichtige Spuren, darunter eine Zigarettenkippe der Marke Camel, die der Täter vermutlich geraucht hatte, sowie biologische Materialien, die auf den Vergewaltiger hinwiesen. Trotz intensiver Ermittlungen in den folgenden Monaten und Jahren, einschließlich der Befragung zahlreicher Stammgäste, Zeugenaufrufen und der Überprüfung von Personen aus dem Umfeld der Kneipe, konnte der Täter damals nicht identifiziert werden. Der Fall geriet allmählich in Vergessenheit und wurde zu einem klassischen Cold Case.

 

Erst Jahrzehnte später, insbesondere ab etwa 2023/2024, rollten die Berliner Cold-Case-Einheiten den Fall dank moderner forensischer Möglichkeiten neu auf. Eine entscheidende Rolle spielte die gesicherte DNA des Täters, die aus den Spuren von 1986 stammte und mit heutigen Methoden analysiert werden konnte.

Hinzu kam die Camel-Zigarettenkippe als potenzieller DNA-Träger. Die Ermittler starteten eine umfangreiche DNA-Reihenuntersuchung, bei der gezielt Männer aus bestimmten Jahrgängen und Regionen um Speichelproben gebeten wurden – die Aktion erstreckte sich sogar bis nach Thailand, weil frühere Zeugenaussagen oder Verbindungen in diese Richtung wiesen.

Der Fall wird zudem im März 2026 in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ erneut öffentlich präsentiert, um mögliche Zeugen oder Erinnerungen zu mobilisieren.


Bis März 2026 blieb der Mord an Renate Pollaczek trotz dieser Bemühungen und der vorhandenen DNA-Spuren offiziell ungeklärt. Der Täter, der in der Frühe des 11. April 1986 in der Schultheiß-Baude zuschlug, konnte noch immer nicht eindeutig überführt werden, obwohl die Chancen durch die Kombination aus alter Spurensicherung und neuer Gentechnik deutlich gestiegen sind. Der Fall gilt als eindrucksvolles Beispiel dafür, wie lange zurückliegende Verbrechen durch technologischen Fortschritt plötzlich wieder lösbar werden können – oder eben doch nicht, wenn der entscheidende Treffer in der DNA-Datenbank oder bei den freiwilligen Proben ausbleibt.

 




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