Italien

Die Universität zu Bologna

Titelbild: Palazzo dell’Archiginnasio

Der Innenhof gehört zum Palazzo dell’Archiginnasio in Bologna – dem historischen Herzen der ältesten Universität der westlichen Welt, der Alma Mater Studiorum, die bereits 1088 gegründet wurde.

Über Jahrhunderte hinweg waren die Vorlesungen der Universität verstreut in verschiedenen Kirchen, Häusern und gemieteten Räumen untergebracht, was mit der wachsenden Zahl an Studenten und Lehrenden aus ganz Europa immer unpraktischer wurde. Deshalb beschloss man in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, endlich ein zentrales, repräsentatives Gebäude zu schaffen.

 

Papst Pius IV. beauftragte den Kardinallegaten Carlo Borromeo und seinen Stellvertreter Pier Donato Cesi, das Projekt voranzutreiben. Der Bologneser Architekt Antonio Morandi, genannt „Terribilia“, entwarf den monumentalen Palast, der in nur etwa zwei Jahren, zwischen 1562 und 1563, errichtet wurde – eine für damalige Verhältnisse sensationell kurze Bauzeit.

Das Gebäude sollte bewusst nicht nur funktional, sondern auch prestigevoll sein: Es bekam einen langen, 139 Meter messenden Portikus mit 30 Bögen zur Straße hin, heute Teil des berühmten Portico del Pavaglione,  und im Zentrum entstand genau dieser doppelstöckige, von Loggien umlaufene Innenhof, der zum eigentlichen pulsierenden Mittelpunkt des akademischen Lebens wurde. Die Arkaden im Erdgeschoss und die offene Loggia im ersten Stock boten geschützte Räume für Diskussionen, Pausen zwischen den Vorlesungen und informelle Treffen.

Die Wände und Gewölbe des Hofes wurden nach und nach fast vollständig mit Hunderten von Wappen überzogen – teils gemalt, teils in Stuck oder Relief gearbeitet. Diese Stemmata stammen von Professoren (den „lettori“) und Studenten der beiden großen Fakultäten: den Legisti (Rechtswissenschaft, also Zivil- und Kanonisches Recht) und den Artisti (alles andere, vor allem Medizin, Philosophie, Artes liberales). Jedes Wappen erzählt eine kleine Geschichte von Herkunft, Rang und Stolz seiner Besitzer – eine farbenprächtige, über Jahrhunderte gewachsene akademische Ahnengalerie, die den Hof zu einem der am reichsten dekorierten Innenhöfe Italiens macht.


Der Hof war aber nicht nur repräsentativ, sondern Schauplatz ganz realer akademischer und städtischer Ereignisse. Besonders spektakulär war die alljährliche Zubereitung der Teriaca (Theriak), eines legendären Universalgegenmittels gegen Vergiftungen und Krankheiten. Unter Aufsicht der Medizinprofessoren wurde das komplexe Rezept – Dutzende von Zutaten, darunter Schlangengift, Kräuter, Mineralien – direkt im Hof öffentlich zubereitet und verkauft. Tausende Zuschauer drängten sich dann in den Arkaden, um dem feierlichen, fast rituellen Spektakel beizuwohnen.

Im 17. Jahrhundert kam im Obergeschoss noch das berühmte Anatomische Theater hinzu (1637 fertiggestellt), in dem unter anderem der berühmte Arzt und Anatom Marcello Malpighi lehrte.

Bis 1803 blieb der Palazzo der zentrale Sitz der Universität. Dann, unter napoleonischer Herrschaft, wurde die Universität in andere Gebäude verlegt. Der Archiginnasio diente kurzzeitig sogar als Volksschule, bevor er 1838 zur städtischen Bibliothek (Biblioteca Comunale dell’Archiginnasio) umgewidmet wurde – eine Funktion, die er bis heute erfüllt. Der prächtige Saal am Ende eines Flügels, die Sala dello Stabat Mater, erinnert noch an ein legendäres Konzert: 1842 dirigierte Gaetano Donizetti dort die Uraufführung von Rossinis Stabat Mater.

Der kugelförmige Stein, der auf deinem Foto mitten im Hof liegt, ist übrigens kein Zufall: Er diente früher wahrscheinlich als symbolischer oder praktischer Marker – vielleicht für Zeremonien, Messungen oder einfach als markanter Blickfang in der Mitte des perfekt symmetrischen Raums.

Heute ist der Hof frei zugänglich, und so mischen sich Touristen, Studenten und Einheimische unter den Arkaden, genau wie vor 450 Jahren. Die Farben der Fresken, das warme Ocker der Arkaden und das ständige leise Murmeln der Menschen machen diesen Ort zu einem lebendigen Stück Universitätsgeschichte, das man atmen, spüren und fast greifen kann.

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