Cold Case

Der Cold Case Seckin Caglar, Köln-Poll, 1991

Titelbild: Seckin Caglar, Polizei Köln 

Der Fall der 16-jährigen Seckin Caglar aus Köln-Poll zählt zu den grausamsten und hartnäckigsten ungelösten Mordfällen in der Geschichte der Kölner Kriminalpolizei und hat die Familie des Opfers sowie die Ermittler über mehr als drei Jahrzehnte hinweg nicht losgelassen.

Seckin, ein fröhliches, hilfsbereites und fleißiges Mädchen türkischer Herkunft, hatte gerade erst vor etwa einem Monat ihre Ausbildung in einem Co-op-Markt an der Siegburger Straße in Poll begonnen, in der Nähe des heutigen Marktplatzes, als ihr junges Leben am 16. Oktober 1991, einem Mittwochabend, ein brutales Ende fand. An jenem Tag verließ sie nach Feierabend gegen 18:40 Uhr ihre Arbeitsstätte und stieg in die KVB-Linie 7 an der Haltestelle Poll-Salmstraße ein, um nur zwei Minuten später an der nächsten Station, Poll-Autobahn, auszusteigen – einem Ort, an dem sie normalerweise von einem Familienmitglied abgeholt wurde. Denkbar ist, dass der Täter ihr vom Supermarkt aus folgte. 

Ihr Vater war an diesem Abend jedoch nur wenige Minuten verspätet, und als er ankam, war Seckin bereits spurlos verschwunden, was die Familie in tiefe Besorgnis stürzte und sie dazu veranlasste, sie sofort als vermisst zu melden.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Oktober suchten Polizei, Verwandte und Freunde fieberhaft nach ihr, doch ohne Erfolg; erst am nächsten Morgen entdeckte ihr Onkel ihre Leiche nur wenige Meter von der Haltestelle entfernt, hinter einem Busch versteckt, auf einem Weg, den sie häufig nutzte. Seckin war nackt, war sexuell missbraucht und erdrosselt worden – ein spontaner Akt der Gewalt, wie die Ermittler annehmen, da nichts auf eine geplante Tat hindeutet, und der Täter hinterließ DNA-Spuren am Tatort, die jedoch zunächst keine Hinweise auf seine Identität lieferten. Der Fundort in der rechtsrheinischen Gegend von Köln-Poll, einem ruhigen Wohnviertel, schockierte die Nachbarschaft, und der Mord wurde schnell zu einem der brutalsten unaufgeklärten Verbrechen der Stadt, das die Bewohner noch Jahre später beschäftigte. Die anfänglichen Ermittlungen der Kölner Polizei, geleitet von erfahrenen Kommissaren, umfassten umfangreiche Befragungen von Anwohnern, Kleingartenbesitzern und Arbeitern einer nahen Baustelle, sowie die Erstellung einer Datenbank mit potenziellen Verdächtigen, doch trotz intensiver Suche und Dutzender überprüfter Personen gab es keine Übereinstimmungen mit der Täter-DNA, und der Fall geriet allmählich in Vergessenheit, wurde zu einem klassischen Cold Case, der die Familie in ständiger Ungewissheit zurückließ.

 

 

Seckins Bruder Basri Caglar, der in Interviews immer wieder die Hoffnung der Familie betonte, beschrieb den Gedanken, dass der Mörder noch frei herumlaufe, als beängstigend und forderte Zeugen auf, die vielleicht aus Angst geschwiegen hatten, nun endlich zu sprechen. Über die Jahre hinweg blieb der Fall ungelöst, doch Fortschritte in der Kriminaltechnik weckten neue Hoffnungen: Im Jahr 2023 rollte die Ermittlungsgruppe Cold Cases der Kölner Polizei den Fall neu auf, unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Markus Weber und Oberstaatsanwalt Bastian Blaut, und startete eine großangelegte DNA-Reihenuntersuchung, bei der 355 Männer im Alter von 14 bis 75 Jahren zum Zeitpunkt der Tat, die eine Verbindung zum Poll-Viertel hatten – sei es als Bewohner, Gärtner oder Bauarbeiter –, zu einem freiwilligen Speicheltest eingeladen wurden. Von diesen gaben etwa 320 Proben ab, und die Analyse, die auch familiäre Verwandtschaften berücksichtigte, sollte innerhalb weniger Wochen Ergebnisse liefern, doch trotz der hohen Erwartungen – inspiriert von ähnlichen Fällen, in denen Täter nach Jahrzehnten überführt wurden – ergab der Massentest bis 2025 keinen Treffer, was die Ermittler zwar enttäuschte, aber nicht aufhalten ließ.

Parallel dazu wurde eine öffentliche Kampagne gestartet, mit Plakaten und Flyern in Bussen und Bahnen der KVB, sowie einer Belohnung von 5.000 Euro für Hinweise, die zur Identifizierung des Täters führen, was zu neuen Tipps aus der Bevölkerung führte, die nun geprüft werden. Die Polizei betonte, dass selbst kleine, übersehene Details entscheidend sein könnten, und lud Nicht-Teilnehmer am DNA-Test zu intensiveren Überprüfungen ein, um keine Möglichkeit auszulassen.

In jüngster Zeit, im Februar 2026, soll der Fall erstmals in der bundesweiten Fernsehsendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ präsentiert werden, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit neu zu wecken und vielleicht Zeugen zu erreichen, die vor 35 Jahren geschwiegen haben, in der Hoffnung, dass moderne Methoden und frische Hinweise endlich zur Aufklärung führen.

Die Familie, die den Verlust nie verwunden hat, klammert sich an diese Entwicklungen, während die Ermittler versichern, dass die Akte offen bleiben und die Jagd nach dem Mörder unvermindert weitergeht, solange keine endgültige Lösung gefunden ist.

Hinweise bitte die Telefonnummer +49 221 229-1394 oder an poststelle.koeln@polizei.nrw.de

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