Titelbild: Polizei Berlin
Am 18. Februar 2019 verschwand die damals 15-jährige Rebecca Reusch spurlos aus dem Haus ihrer Schwester und ihres Schwagers in Berlin-Britz, nachdem sie dort übernachtet hatte. Genau sieben Jahre später, im Februar 2026, bleibt der Fall eines der rätselhaftesten und emotional belastendsten Vermisstenschicksale in Deutschland – trotz mehr als 3500 eingegangener Hinweise, intensiver Ermittlungen einer Mordkommission und wiederholter großer Suchaktionen gibt es bis heute weder eine Leiche noch einen eindeutigen Beweis, was genau mit dem Mädchen geschehen ist.
Die offizielle Linie der Berliner Polizei und der Generalstaatsanwaltschaft ist seit Jahren klar: Die Ermittler gehen von einem Tötungsdelikt aus und halten es für sehr wahrscheinlich, dass Rebecca das Haus der Schwester nicht mehr lebend verlassen hat. Im Zentrum der Verdachts konzentriert sich alles auf den Schwager Florian R., der als Letzter mit ihr allein war und nach Ansicht der Behörden massive Widersprüche in seinen Aussagen aufweist – etwa zur Nutzung seines Handys, zum genauen Ablauf des Morgens und zu seinem Weg zur Arbeit. Die Staatsanwaltschaft stuft ihn seit Langem als Hauptverdächtigen ein, konnte jedoch trotz intensiver Überwachung, Handyortungen, Durchsuchungen und forensischer Untersuchungen nie den entscheidenden Beweis erbringen, der eine Anklage ermöglichen würde.
Er selbst bestreitet jede Tat vehement und wird von Teilen der Familie Reusch weiterhin als unschuldig angesehen.
Im Herbst 2025 und in den Monaten danach flammten die Ermittlungen noch einmal stark auf: Mit über hundert Beamten, Baggern, Leichenspürhunden und Drohnen durchsuchte die Polizei mehrere Grundstücke in Brandenburg, darunter ein Anwesen in Tauche-Lindenberg, das der Großmutter des Schwagers gehört. Die Aktion galt explizit der Suche nach sterblichen Überresten oder Tatspuren, nicht nach einer lebenden Person. Es wurden verschiedene Spuren gesichert – darunter offenbar auch Fingerabdrücke und Hinweise auf ein bestimmtes Fahrzeug, einen pinkfarbenen Renault Twingo –, doch bis Februar 2026 wurde kein entscheidender Durchbruch öffentlich bekannt. Experten wie der Kriminalbiologe Mark Benecke halten es trotz der langen Zeit für grundsätzlich möglich, dass bei Auffinden von Knochenresten oder anderen Überresten noch Todesursache, Todeszeitpunkt und sogar Hinweise auf eine Tatwaffe nachweisbar wären – etwa durch Insektenbefall, Knochenscharten oder DNA-Spuren.
Neben der dominanten offiziellen Theorie, dass der Schwager Rebecca im familiären Umfeld getötet hat (möglicherweise aus einem eskalierten Streit, einem sexuellen Übergriff oder einer anderen innerfamiliären Dynamik heraus) und die Leiche anschließend versteckt hat, kursieren in der Öffentlichkeit, in True-Crime-Communities und teilweise auch in der Familie noch immer alternative Erklärungen.
Manche hoffen bis heute, dass Rebecca freiwillig weggegangen sei, etwa wegen privater Probleme, Mobbing oder dem Wunsch nach einem Neuanfang – eine These, die durch das Fehlen jeglicher Lebenszeichen, Kontobewegungen oder digitaler Spuren nach dem 18. Februar 2019 jedoch extrem unwahrscheinlich wirkt. Andere Spekulationen drehen sich um eine Entführung durch einen unbekannten Dritten, einen Online-Prädator oder sogar Menschenhandel, wobei Rebecca lebend aus dem Haus gelangt sein müsste; auch hier fehlt jeder belastbare Anhaltspunkt, und die Polizei schließt solche Szenarien weitgehend aus, da keinerlei Zeugen oder Spuren auf eine fremde Person hindeuten.
Wiederholt tauchen in Foren und Medien Theorien auf, dass Rebecca vielleicht doch noch irgendwo gefangen gehalten wird – eine Vorstellung, an der sich vor allem ihre Familie emotional festhält –, doch nach sieben Jahren ohne ein einziges Lebenszeichen, ohne Lösegeldforderung und ohne glaubwürdige Sichtungen erscheint auch das Szenario als sehr fernliegend.
Profiler wie Axel Petermann betonen, dass spurlose Verschwinden junger Menschen in vertrautem Umfeld fast immer auf ein Verbrechen im nahen sozialen Kreis hindeuten und dass die anfängliche Fixierung auf einen Verdächtigen zwar Risiken birgt, hier aber durch viele Indizien gestützt wird.
Der Fall Rebecca Reusch ist nach sieben Jahren ein schmerzhaft offenes Drama.
Die Indizien sprechen stark für ein Tötungsdelikt durch den Schwager, die Beweislage reicht jedoch nicht für eine Verurteilung, und die Hoffnung auf neue Spuren – sei es durch weitere Grundstückssuchen, forensische Neubewertungen alter Asservate oder einen plötzlichen Hinweis – ist zwar klein, aber nie ganz erloschen. Für die Familie, die Freunde und die vielen Menschen, die den Fall über die Jahre verfolgt haben, ist es bis heute ein quälendes Warten auf Antworten, die vielleicht niemals kommen werden.
