Todesstrafe

Nach 70 Jahren Todesurteil aufgehoben -Tommy Lee Walker

Titelbild: beispielbild,:Teil eines elektrischen Stuhls im Florida State Prison Florida Department of Corrections/Doug Smith.

In Dallas County, Texas, wurde kürzlich ein historisches und bewegendes Urteil gesprochen, das ein schweres Justizunrecht nach fast 70 Jahren korrigiert. Der Afroamerikaner Tommy Lee Walker, oft auch als Tom Lee Walker bezeichnet, der 1954 wegen Vergewaltigung und Mordes an der weißen Frau Venice Lorraine Parker verurteilt und 1956 im Alter von 21 Jahren auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet worden war, ist posthum als unschuldig freigesprochen worden. Am 21. Januar 2026 stimmte das Dallas County Commissioners Court einstimmig einer Resolution zu, die seine Verurteilung und Hinrichtung offiziell als grobes Fehlurteil und „fundamentales Unrecht“ einstuft.

 

Der Fall geht zurück ins Jahr 1953, als die 29-jährige Venice Parker unter einer Brücke nahe dem Love Field Airport in Dallas brutal vergewaltigt und ermordet wurde. Trotz fehlender forensischer Beweise, keiner physischen Spuren und eines soliden Alibis – Walker war in jener Nacht im Krankenhaus bei der Geburt seines Sohnes – wurde er vier Monate später verhaftet. Die Ermittlungen fanden unter dem damaligen rassistischen Klima der Segregation statt; der leitende Polizeibeamte Will Fritz stand in Verbindung mit dem Ku-Klux-Klan, und die Verurteilung erfolgte durch eine ausschließlich weiße Jury. Die Staatsanwaltschaft unter Henry Wade stützte sich hauptsächlich auf ein angebliches Geständnis, das Walker nach stundenlangen Verhören mit Drohungen, Täuschung und Isolation unterschrieb – er widerrief es sofort und beteuerte bis zuletzt seine Unschuld.

 

Nach einer umfassenden Überprüfung durch die Conviction Integrity Unit der Bezirksstaatsanwaltschaft Dallas, das Innocence Project und das Civil Rights and Restorative Justice Project der Northeastern University wurde klar, dass massive Verfahrensfehler vorlagen: Zwangsgeständnis, unterdrückte entlastende Beweise, rassistische Voreingenommenheit und Verletzung grundlegender Rechte. Die heutige Bezirksstaatsanwaltschaft unter John Creuzot erklärte eindeutig, dass eine Anklage gegen Walker in der heutigen Zeit niemals erhoben worden wäre und dass der Fall von Anfang bis Ende von rassistischer Ungerechtigkeit durchdrungen war.

 

Die symbolische, aber juristisch bedeutsame Aufhebung des Urteils brachte emotionale Momente mit sich. Die Söhne der beiden Opfer – Edward Lee Smith (Walkers Sohn, damals Neugeborener) und Joseph Parker (Parkers Sohn, damals vier Jahre alt) – trafen sich erstmals und umarmten sich nach der Verkündung. Beide Männer, inzwischen in den 70ern, fanden in der offiziellen Anerkennung des Fehlurteils einen späten Trost und die Möglichkeit, mit der Vergangenheit abzuschließen. Für Walkers Familie bedeutet die Entscheidung, dass sie den Namen ihres Vaters und Großvaters nun ohne den Makel einer falschen Verurteilung weitertragen kann.

 

Dieser Fall reiht sich ein in eine Reihe von Exonerierungen in Dallas County, die auf die Ära von Staatsanwalt Henry Wade zurückgehen, unter dessen Amtszeit zahlreiche Fehlurteile – vor allem gegen Schwarze – zustande kamen. Die späte Gerechtigkeit für Tommy Lee Walker gilt als wichtiger Schritt, um historische Unrechtstaten aufzuarbeiten und das Vertrauen in die Justiz zu stärken, auch wenn sie für den Betroffenen selbst viel zu spät kommt.

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