Justiz

Achtung! Banden unterschlagen Fahrzeuge und verkaufen diese dann an Privatpersonen

Titelbild: Beispielbild Pixabay 

In Deutschland und Teilen Europas hat sich in den letzten Jahren eine besonders perfide Form organisierter Kriminalität etabliert, bei der professionelle Tätergruppen systematisch hochwertige Fahrzeuge unterschlagen und diese anschließend gezielt an ahnungslose Privatkäufer weiterverkaufen. Im Gegensatz zum klassischen Autodiebstahl, bei dem die Wagen meist sofort ins Ausland gebracht, zerlegt oder exportiert werden, setzen diese Banden auf eine arbeitsteilige, langfristig angelegte Betrugsmasche, die oft monatelang unentdeckt bleibt und riesige Schäden verursacht.



Die Vorgehensweise beginnt meist damit, dass die Täter gezielt Mietwagen, Leasingfahrzeuge oder Finanzierungsobjekte ins Visier nehmen. Häufig mieten oder leasen sie die Autos mit gefälschten oder gestohlenen Identitäten – etwa gefälschten Personalausweisen, gefälschten Meldebescheinigungen und manipulierten Bonitätsauskünften – bei großen Autovermietungen oder Leasinggesellschaften. Sobald das Fahrzeug in ihrem Besitz ist, brechen sie den Kontakt zur Vermieter- oder Leasingfirma ab. Das Auto gilt dann als unterschlagen eine Form der Veruntreuung nach § 246 StGB), nicht als klassisch gestohlen, was für die Täter entscheidende Vorteile bringt.



Parallel dazu bereiten andere Mitglieder der Bande die Verkaufsphase vor. Sie beschaffen oder fälschen passende Fahrzeugpapiere, die täuschend echt wirken: Original-Fahrzeugscheine (Zulassungsbescheinigung Teil I und II), manchmal sogar mit manipulierter Fahrzeug-Identifikationsnummer (FIN), die mit einem anderen, legal existierenden Wagen übereinstimmt. In manchen Fällen nutzen sie die echten Papiere des unterschlagenen Fahrzeugs weiter, nachdem sie die Kennzeichen gewechselt oder kleine optische Anpassungen vorgenommen haben. Die Autos werden dann über gängige Plattformen wie Kleinanzeigen, Mobile.de, Facebook Marketplace oder sogar über scheinbar seriöse Gebrauchtwagenhändler angeboten – meist zu einem Preis, der deutlich unter dem Marktwert liegt, aber immer noch realistisch genug wirkt, um keine sofortigen Alarmglocken schrillen zu lassen.



Die Käufer – in der Regel Privatpersonen auf der Suche nach einem Schnäppchen – erhalten bei der Übergabe meist ein komplettes Set an Papieren, die auf den ersten Blick in Ordnung scheinen. Oft wird das Fahrzeug auch frisch gewaschen, aufbereitet und mit aktueller HU präsentiert. Viele Käufer lassen das Auto nicht gründlich genug prüfen, keine FIN-Abfrage bei der Polizei, kein Abgleich mit dem zentralen Fahndungsregister, keine detaillierte Werkstattuntersuchung, weil alles „offiziell“ aussieht. Nach dem Kauf meldet der Käufer das Fahrzeug um, zahlt die Kfz-Steuer, schließt eine Versicherung ab – und fährt ahnungslos mit einem unterschlagenen Wagen.

Monate oder sogar Jahre später schlägt die Falle zu.  Die ursprüngliche Leasinggesellschaft oder Vermieterin entdeckt den Totalverlust, erstattet Anzeige, das Fahrzeug wird zur Fahndung ausgeschrieben. Früher oder später wird es bei einer Verkehrskontrolle, bei der Hauptuntersuchung oder durch eine FIN-Abfrage erkannt. Die Polizei beschlagnahmt den Wagen – und gibt ihn an den rechtmäßigen Eigentümer, Leasinggeber oder Vermieter zurück. Der gutgläubige Käufer bleibt auf dem Schaden sitzen: Er verliert das Auto komplett, hat oft noch Raten für einen Kredit laufen, den er für den Kauf aufgenommen hat, und kann den gezahlten Kaufpreis in den meisten Fällen nicht zurückholen, weil die Täter längst untergetaucht sind.

Diese Masche läuft arbeitsteilig und international vernetzt: Eine Gruppe mietet oder least die Fahrzeuge, oft mit osteuropäischen oder westeuropäischen Komplizen, eine andere kümmert sich um die Papierfälschung und Identitätsbetrug, wieder andere übernehmen den Verkauf in Deutschland oder den Export in Drittstaaten. Besonders betroffen sind hochpreisige Modelle (BMW, Mercedes, Audi, VW, Porsche, teilweise auch Wohnmobile), weil hier der Gewinn am höchsten ist. Der Gesamtschaden geht pro Jahr in die zig Millionen Euro; die Aufklärungsquote bleibt trotz intensiver Ermittlungen des BKA und Landeskriminalämter niedrig, weil die Täter schnell verschwinden und die Ketten oft ins Ausland führen.

Für Privatkäufer bedeutet das bittere Realität.

Selbst bei scheinbar seriösem Verkauf mit „echten“ Papieren kann man Opfer einer hochprofessionellen Bande werden – und am Ende ohne Auto und ohne Geld dastehen.

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