Cold Case

Warum mauert der Vatikan in Sachen Emanuela Orlandi weiterhin?

Titelbild Emanuela Orlandi, 1980, Gregorj Coco, Lizenz 2.0

Der Fall Emanuela Orlandi, der seit dem 22. Juni 1983 für weltweites Rätselraten sorgt, hat in den letzten Monaten und bis in die jüngste Zeit wieder erhebliche Bewegung erfahren. Die 15-jährige Tochter eines vatikanischen Angestellten verschwand damals spurlos auf dem Heimweg von ihrer Musikschule in Rom, und trotz unzähliger Theorien – von Verbindungen zur organisierten Kriminalität über politische Erpressung bis hin zu innerkirchlichen Skandalen – blieb das Schicksal des Mädchens über mehr als vier Jahrzehnte ungeklärt.

 

Im Jahr 2023 leitete der Vatikan unter Promotor Justitiae Alessandro Diddi neue offizielle Ermittlungen ein, nachdem der Fall durch Medienberichte und den anhaltenden Druck der Familie Orlandi, insbesondere ihres Bruders Pietro, erneut in den Fokus gerückt war. Diese vatikanische Untersuchung läuft parallel zu den italienischen Verfahren und hat bereits einige bemerkenswerte Entwicklungen gebracht. Ende November 2024 bestätigte Diddi offiziell die Existenz eines lange vermuteten, aber nie öffentlich zugänglichen vatikanischen Dossiers zum Fall Orlandi.

Dieses Dokument weckt neue Hoffnung bei den Angehörigen und Beobachtern, da es möglicherweise entscheidende interne Informationen enthält, die bisher unter Verschluss gehalten wurden.

Im Frühjahr 2025 tauchte zudem ein bislang unbekanntes Memo auf, das zeigt, wie der Vatikan damals explizit Zahlung eines Lösegelds bestritt, obwohl italienische Sicherheitsbehörden genau das vermutet hatten. Dies nährt weiter Spekulationen über mögliche geheime Verhandlungen oder Zahlungen in den 1980er Jahren, die nie bestätigt wurden.

 

Die mit Abstand dramatischste und aktuellste Wendung ereignete sich jedoch erst vor wenigen Tagen im Dezember 2025. Die italienische Staatsanwaltschaft in Rom leitete Ermittlungen gegen eine Frau ein, die als enge Freundin und eine der letzten Personen gilt, die Emanuela Orlandi am Tag ihres Verschwindens lebend gesehen haben soll. Konkret handelt es sich um Laura Casagrande, in manchen Berichten unter ähnlichem Namen genannt, die damals mit Emanuela befreundet war. Den Vorwürfen zufolge soll die Frau den Ermittlern wissentlich falsche oder irreführende Angaben gemacht haben, was nun als Behinderung der Justiz oder Falschaussage geprüft wird.

Die Carabinieri der Ermittlungseinheit Rom koordinieren diese neue Spur, die im Rahmen der seit 2023 wiedereröffneten Untersuchung entstanden ist. Ob diese Befragung und die damit verbundene Untersuchung tatsächlich zu einem Durchbruch führt oder erneut in einer Sackgasse endet, bleibt abzuwarten, doch die Nachricht hat in Italien und international erneut große Wellen geschlagen und lässt viele hoffen, dass nach 42 Jahren endlich Klarheit in einem der bekanntesten ungelösten Rätsel Italiens und des Vatikans möglich werden könnte.

 

Der Fall bleibt damit ein Symbol für die undurchsichtigen Strukturen innerhalb des Vatikans und die Schwierigkeiten, alte Verbrechen mit politisch-religiösem Hintergrund aufzuklären. Die Familie Orlandi, allen voran Pietro, setzt sich weiter unermüdlich für Antworten ein, während die Öffentlichkeit gespannt auf die nächsten Schritte der laufenden Verfahren wartet.

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