Damals Todesstrafe

Die Hinrichtung von Velma Barfield am 2. November 1984

Titelbild North Carolina Department of Public Safety,Raleigh,NC

Dieses Jahr sollen mehrere weibliche Häftlinge hingerichtet werden, wir erinnern an die erste Frau, die nach Wiederaufnahme der Todesstrafe in dien USA hingerichtet wurde. Velma Barfield.

Am 2. November 1984 wurde Velma Barfield, geboren als Margie Velma Bullard, im Alter von 52 Jahren im Central Prison in Raleigh, North Carolina, als erste Frau in den Vereinigten Staaten seit 22 Jahren und als erste Frau überhaupt durch eine tödliche Injektion hingerichtet.
Sie war damit nicht nur die erste Frau, die nach der Wiederzulassung der Todesstrafe durch den Obersten Gerichtshof im Jahr 1976 auf diese Weise exekutiert wurde, sondern auch ein Fall, der weltweit Aufmerksamkeit erregte, weil er zahlreiche gesellschaftliche, psychologische und moralische Fragen aufwarf.

Velma Barfield wuchs in ärmlichen Verhältnissen in South Carolina auf. Sie heiratete früh, bekam zwei Kinder und schien zunächst ein normales Leben zu führen, bis eine Hysterektomie und eine Verletzung am Rücken zu starken Schmerzen und einer zunehmenden Abhängigkeit von Schmerzmitteln und Beruhigungsmitteln führten. In den 1970er Jahren eskalierte ihre Sucht so sehr, dass sie begann, Schecks zu fälschen und Schulden anzuhäufen. Um diese zu verbergen und aus finanziellen wie auch aus anderen, nie ganz geklärten Motiven, vergiftete sie zwischen 1971 und 1978 mehrere Menschen aus ihrem engsten Umfeld mit Arsen, das sie in Rattengift fand.

Zu ihren Opfern gehörten ihre eigene Mutter Lillian Bullard, zwei ältere Arbeitgeber (Jennie Price und Record Lee), ihr Lebensgefährte Rowland Stuart Taylor sowie ihr erster Ehemann Thomas Burke, dessen Tod zunächst als Unfall durch einen Wohnungsbrand gewertet worden war. Besonders perfide war, dass sie sich in mehreren Fällen um die sterbenden oder bereits toten Opfer kümmerte und sich als fürsorgliche Pflegerin präsentierte, während sie gleichzeitig deren Vermögen plünderte.
Die Kette der Morde flog 1978 auf, als Rowland Stuart Taylor qualvoll an Arsenvergiftung starb. Bei der Obduktion wurde das Gift entdeckt, und Velma Barfield gestand schließlich nicht nur diesen Mord, sondern auch die anderen Tötungen. Sie wurde nur für den Mord an Taylor angeklagt, weil die Staatsanwaltschaft davon ausging, dass eine Verurteilung hier am sichersten war. Im Dezember 1978 sprach eine Jury sie nach nur wenigen Stunden Beratung des vorsätzlichen Mordes ersten Grades schuldig und verurteilte sie zum Tode. Das Urteil wurde in den folgenden Jahren mehrfach in Berufungsverfahren bestätigt.

Während ihrer Haftzeit im Women’s Prison in Raleigh erlebte Velma Barfield eine radikale religiöse Bekehrung. Sie wurde wiedergeborene Christin, arbeitete eng mit Gefängnispfarrern zusammen und entwickelte sich zu einer gefragten Beraterin anderer Insassinnen. Ihre Geschichte wurde vom Evangelisten und Autor Charles Shepherd in dem Buch „A Woman Condemned“ erzählt, und sie selbst gab zahlreiche Interviews, in denen sie ihre Taten bereute und vor Drogenmissbrauch warnte. Berühmtheit erlangte sie auch dadurch, dass sie eine enge spirituelle Beziehung zur bekannten Fernsehpredigerin Ruth Graham, der Frau von Billy Graham, entwickelte, die sich persönlich für ihre Begnadigung einsetzte.Trotz weltweiter Proteste, Petitionen mit Zehntausenden Unterschriften und Appellen von Papst Johannes Paul II., Mutter Teresa und zahlreichen Menschenrechtsorganisationen lehnte der damalige Gouverneur von North Carolina, Jim Hunt, jede Begnadigung ab. Er befand, dass die Schwere der Verbrechen keine Ausnahme rechtfertige, und wollte sich im laufenden Senatswahlkampf nicht den Vorwurf der Weichheit in der Verbrechensbekämpfung machen lassen. In den letzten Tagen vor der Hinrichtung wuchs die internationale Aufmerksamkeit enorm; Fernsehteams aus aller Welt lagerten vor dem Gefängnis.

In der Nacht vom 1. auf den 2. November 1984 wurde Velma Barfield in den Todesraum des Central Prison gebracht. Ihre letzten Stunden verbrachte sie betend und singend mit Geistlichen. Sie aß kein letztes Mahl, sondern nur eine Tüte Cheez Doodles und eine Dose Coca-Cola.
Kurz nach Mitternacht begann die Exekution. Um 2:03 Uhr morgens wurde die tödliche Mischung aus Natriumthiopental, Pancuroniumbromid und Kaliumchlorid injiziert. Velma Barfield starb ruhig, ohne sichtbare Zuckungen.
Ihre letzten Worte sollen gewesen sein: „Jesus liebt euch alle. Ich liebe euch alle.“Ihre Hinrichtung löste heftige Debatten aus. Befürworter der Todesstrafe sahen in ihr einen Beweis dafür, dass das Gesetz auch vor Frauen keinen Halt macht, wenn die Taten besonders grausam sind. Gegner betonten ihre Reue, ihre Drogenkrankheit und die Tatsache, dass sie als misshandelte und psychisch kranke Frau nie eine echte Chance auf Heilung erhalten hatte. Der Fall Velma Barfield bleibt bis heute einer der bekanntesten und kontroversesten in der Geschichte der amerikanischen Todesstrafe.

 

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