Die Stem van die Apartheid

Die Stem van die Apartheid (2/1999) – Schatten der Nacht- der Mord an Dr Robert Van Schalkwyk Smit

The Sarel Cilliers memorial in the grounds of the NG Moederkerk, Kroonstad. Cilliers is depicted standing on a gun carriage making the Blood River vow. Rapaz – Own work

Obwohl es Herbst ist, ist es noch warm. Unaufhörlich rollt der Verkehr über die Sarel Cilliers Brücke in Richtung Kronstaad

Der Vrystaat riecht nach würzigen Sträuchern, nicht wie gestern auf dem Armeetransporter nach Diesel, vorbei an Straußenvögeln und Zebras, zusammen mit stumpf dreinblickenden Soldaten der SADF, die auf der Ladefläche saßen und an die Front gekarrt wurden. Kanonenfutter für einen Stellvertreterkrieg der Großmächte. 

Ossewabrandwag

Mir ist in den letzten Stunden klar geworden, als ich die Zeitungsausschnitte las, Südafrika wird von einer Sekte regiert.Ossewabrandwag mein Volk, mein Gott.

Der Adler sieht aus wie der NSDAP.

Interessanterweise wurde diese Organisation im Februar 1939 gegründet und wollte aufseiten Deutschlands in den Krieg eintreten. Aus diesem Umfeld des Afrikanerdoom rekrutiert sich der Afrikaner Broederbond,  daraus die Nationale Partei Südafrikas (NP). Sie stellt den Premierminister, in diesem Fall den starrsinnigen und überaus gefährlichen P W Botha, genannt das Große Krokodil, noch wenig schmeichelhafter in Afrikaans: Die Groot Krokodil Er wurde in Paul Roux, etwas mehr als 100 km von hier entfernt, geboren. Er ist ein Betonkopf-Rassist und-Kapitalist. Botha wird zu Lebzeiten Mandela nicht aus dem Gefängnis entlassen. Hier haben die Nazis in anderem Deckmantel überlebt. Schaurig zu denken, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte. 

In der Mappe, die ich von dem Redakteur erhalten habe, befinden sich auch Zeitungsausschnitte eines Verbrechens, das, wie einer der Journalisten des Star in Johannesburg schrieb, eines der abscheulichsten der letzten Jahrzehnte war. Das mag etwas heißen, wenn Menschen zu Tode gefoltert werden dürfen.  Einfach in einem hellblauen Ford Granada oder einem gelben Geländewagen auf der Ladepritsche verschwinden. Oder einfach zu Hause abgeschlachtet werden, in Polizeistationen zu Tode gequält werden. 

Der Mord an Dr. Robert Van Schalkwyk Smit – die Spur führt nach Deutschland

Eines der großen Rätsel ist der Tod von Dr. Robert Van Schalkwyk Smit und seiner Frau Jeanne-Cora. Noch immer gärt der Fall in der kollektiven Volksseele der Buren. Da dieses Regime in Pretoria nur von innen zu knacken ist, wurde Smit für die Partei zum absoluten Risiko. Aber dieses Risiko hatte eine lange Vorgeschichte.

Was war geschehen? 

Smit war einer der erfolgreichsten Südafrikaner, der zwar auch aus der politischen Sekte derer stammte, die dieses Land mit aller Härte regieren, jedoch, auch die Korruption aufdecken wollte. Es ging in diesem Zusammenhang natürlich um „Muldergate“ und auch um andere Schweinereien, die sich die NP für die internen Gegner einfallen ließ. 

Es gibt zahllose Gerüchte. Das Gerücht, das wohl am nächsten an der Wahrheit, ist das von den beiden deutschen Mördern, die im Auftrag von wem auch immer, gezielt an den Tatort gelenkt worden, die hässliche Tat begingen und dann wieder verschwanden. 

Die Spur der Schrift an der Wand „RAU TEM“ (Randse Afrikaanse Universiteit – Tegnies En Moord)”führt in die Kreise, die von BOSS übrigblieben. Wer weiß, wer den Auftrag gegeben hat. Wahrscheinlich befinden sich in deren Mitte auch Exil-Rhodesier, die gerade vor drei Jahren mit dem „Lancasterhouse Agreement„, ihre Heimat verloren haben.  

„RAU TEM“ soll eine Gruppe des Boss (Bureau for State Security) sein (Buro vir Staatsveiligheid (BSV)) und über die mittlerweile in der Muldergate-Affäre aufgelösten Terrortruppe gibt es nichts Gutes zu berichten. 

Interessant ist in diesem Punkt schon, dass zwei Jahre vor dem Mord, bei dem Umzug der südafrikanischen Botschaft in Deutschland, von Köln nach Bonn Auf dem Hostert 3, unter den Augen der GSG 9 (!), die geheimen Atompapiere spurlos verschwanden. Die Bonner Staatsanwaltschaft und der in diesem Zusammenhang auf deutschem Boden agierende südafrikanische Geheimdienst (!) kamen nach intensiven Ermittlungen gemeinsam zu der Erklärung, dass die Papiere weg seien.  

Zudem ist interessant, dass Außenminister Pik Botha und Van Schalkwyk Smit in Washington Nachbarn waren, als beide in gleichermaßen diplomatischer Mission für die Republik tätig waren. 

Es gab wohl eine Atomachse zwischen Bonn, Brasilia und Pretoria. Smit, sonst Primus der NP,  war über die roten Fäden der Korruption bestens informiert. Vielleicht erpresste er Dr Eschel Rhoodie, den Propagandachef der NP. 

Van Schalkwyk Smit war natürlich kein Waisenknabe. Er leitete die größte Versicherung des Landes, die Santam, und war sicherlich als Chef dieser und als der Vertreter des Internationalen Währungsfonds, in zahllose Aktionen des Apartheidregimes in Pretoria verwickelt.

Von Van Schalkwyk Smit soll der Trick stammen, der zu tausendfach auf Mauritius, den Seychellen, in Taiwan und in Hongkong durch südafrikanische Briefkastenfirmen ausgeführt wird. Die Waren, die dem Embargo unterliegen, werden einfach in die jeweiligen Länder ausgeführt und von da aus nach Südafrika exportiert. So soll auch die Sanktion des Bundesausfuhramtes in Eschborn bei Frankfurt  umgangen werden. Dazu gibt es Dutzende von Wohnungen in aller Welt, über die fast alles verkauft und eingekauft wird. 

Was sich an diesem Abend in Springs im Transvaal abspielte, kann nur gemutmaßt werden. Die Polizei, wenn sie dann ermittelt, ermittelt immer zugunsten der Regierung Botha und deren Lakaien des Regimes.

Angeblich sollen sich die Täter Stunden in dem Bungalow in Springs aufgehalten haben und dort regelrecht die Opfer gefoltert haben. Oder gar einmal zurückgekommen sein, weil sie etwas vergessen hatten, mitzunehmen.  Wahrscheinlich ging es um Unterlagen aus den Atomdeals. Die Ermittlungen sind derart verwässert, dass kein Mensch mehr weiß, was Pretoria in dem Fall vorgab, was das Ergebnis sein soll oder war.  Dr Van Schalkwyk Smit kam später nach Hause. Zu diesem Zeitpunkt muss seine Frau schon von zahllosen Messerstichen und gezielten Kopfschüssen, nach einer Folter, hingerichtet worden sein. Smit starb kurz darauf, ob die Täter etwas suchten oder nur einen gezielten Mordauftrag hatten, blieb in den Ermittlungen der südafrikanischen Polizei gänzlich offen. Die Angaben des leitenden Kommissars, einem bulligen Buren, rangieren zwischen Smit wurde durch die halbe untere Etage gezerrt und Smit war schon tot, als er im Flur die Tür aufschließen wollte. 

In einem durchgesickerten Bericht hieß es, dass die Wohnung, hauptsächlich die Küche, durchsucht worden war. Dort hinterließen die Täter auch die Aufschrift „RAU TEM“.   Dass dort Unterlagen über Korruption der südafrikanischen Regierung lagerten, ist unwahrscheinlich. Es soll, wie Dr Eschel Rhoodie im letzten Jahr in England sagte, zahllose Bankkonten in der Schweiz gegeben haben, er war auf der Flucht über Ecuador nach Großbritannien und von da aus nach Frankreich, wo er dann festsetzt wurde. 

Wusste Smit vor seinem Tod zu berichten, was sich dann Monate später als die „Muldergate Affäre“ in 1977 in Pretoria entblößte?

Millionen von südafrikanischem Rand, derzeitiger Wert pro Rand ungefähr zwischen 2,50 DM und 3,00 DM, Kaufkaufwert in etwa das Doppelte von Deutschland, waren veruntreut worden, um Einfluss auf die Presse zu nehmen, die Nachrichten so zu frisieren, wie es für eine Diktatur erwünscht war, die sich noch lange an der Regierung halten wollte. Dazu auserkoren war der Citizen oder Die Burger. Eine Idee, die der Chef von BOSS hatte, Hendrik van den Bergh. Eine der widerwärtigsten Gestalten und einer der Garanten der südafrikanischen Diktatur. 

Angeblich, so ein Untersuchungsbericht hing Balthazar Johannes „B. J.“ Vorster, geschasster Vorgänger von Botha, in der ganzen Geschichte mit drin. Nun lebt er in Kapstadt. Isoliert und geschmäht von der hiesigen Buren-Prominenz. 

Der Drahtzieher und Strippenzieher für die Regierung in Pretoria war Connie Mulder (Petrus Cornelius Mulder), ein undurchsichtiger Typ, selbst für die braunen Spießgesellen in Pretoria.

Sie schlossen ihn aus dem heiligen Gral der NP kurzerhand aus, als es zu heiß wurde. Die Washington Post berichtete vor einigen Jahren über den schlechten Krimi aus der Feder der Propagandaabteilung. Und doch denken Journalisten hier vor Ort, dass das einzige Oppositionsblatt Südafrikas, die Rand Daily Mail, komplett unterlaufen wurde und die Buren Rache an dem Artikel von Helen Zille zum Tod von (Bantu) Stephen Biko nehmen. 

Die einzig glaubhafte Spur

Mad Mike Hoare und seine Truppe

Niemand hatte rechtes Interesse bis jetzt, vielleicht ändert sich das in den folgenden Jahren noch. Durch eine Aussage gegenüber der Erasmus Kommission trat ein ehemaliger Richter des Transvaal Supreme Courts in Aktion, der einen Piloten von South African Airways kannte, der eine Aussage zu zwei Deutschen machte, die von dem Flughafen Lutton (UK) aus für den 40.000 Pfund Job nach Südafrika gekommen waren, um van Schalkwyk Smit und seine Gattin zu ermorden. Diese beiden Deutschen gehörten dem Kommando 5 von Mad Mike Hoare im Kongo an. Da war das tägliche Morden mit Hinterlassen von Graffiti normal, wie man aus zahlreichen Bildern der Zeit entnehmen kann. 

So verwundert es nicht, dass der unter dem Namen Mad Mike bekannt gewordene Chef der Söldner im Kongo, dessen berühmtester Zugführer der leider „sagenumwobene“ Kongo-Müller war, auch in die Ermordung des Ehepaars van Schalkwyk Smit verwickelt sein soll. Dies jedoch führt zurück zu der Einflussnahme der südafrikanischen Regierung, die sich an den Söldnern aus Übersee die Hände nicht schmutzig machen wollte.

Was der Pilot von South African Airways wirklich weiß, bedeutet nur, dass er ausgesagt hat, dass zwei Deutsche den Auftrag zur Ermordung des Ehepaars angenommen haben. Diese Ermordung muss im Zusammenhang  mit den in der Schweiz und in Deutschland bestehenden Konten aus dem „Muldergate Skandal“ stammen. Zu allem Überfluss sollen Beweise von Dr Eschel Rhoodie an einem sicheren Ort, vermutlich in einem Schweizer Bank Tresor liegen.

Über diesen Umstand berichtete die New York Times, eine der absoluten Gegner der Apartheid, schon im Jahr 1979. Doch leider wurde dieser Spur, die am glaubwürdigsten und am wahrscheinlichsten ist, nicht nachgegangen. Mad Mike, der Ire, hatte im Kongo ähnliche Aktionen während der Katanga Krise ausgeführt. Zahllose seiner Mitstreiter waren Deutsche, die in den 1960er-Jahren besser im Kongo kämpften, als sich in Deutschland der Verfolgung durch die Gerichte in Sachen Verbrechen während der Nazizeit auszusetzen. 

Ein Treppenwitz der Geschichte ist, dass Matt Mike mittlerweile in Südafrika lebt und gar nicht so weit entfernt von den Geschehnissen in Springs, in der Gegend von Johannesburg. Was von Schalkwyk Smit und seine Gattin wissen konnten, haben die Täter sicherlich mitgenommen. Kongo-Müller allerdings, der in einem erbärmlichen Interview seine wahre Seele offenbarte, fuhr schon mal mit dem Totenkopf auf der Kühlerhaube ins nächste Gefecht, wenn er dann mal für einen Mord in Katanga gebraucht wurde.

Es wäre ein einfacher Schritt gewesen, die Söldner von Mad Mike aus Deutschland herauszufinden und diese mit den Einreiseunterlagen in die Burenrepublik zu vergleichen. Die Klärung des abscheulichen Verbrechens jedoch war nicht erwünscht. Der Mord an Schalkwyk Smit und seiner Gattin war erwünscht, um die inneren Feinde abzuschrecken. 

Jetzt, wo sich der Schatten der Nacht über den Vrystaat legt, gehe ich zum Take away und werde eine Boerewors essen und ein Castle Lager trinken. 

Connie Mulder

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