Damals

Der Menschenjäger von Alaska

Der Menschenjäger Robert Christian Hansen, der auch als Butcher Baker bekannt wurde, kam am 15. Februar 1939 in Estherville im US-Bundesstaat Iowa zur Welt und starb am 21. August 2014 in Anchorage in Alaska.

Er wuchs als ältester Sohn eines dänischen Einwanderers auf, der als Bäcker arbeitete, und einer amerikanischen Mutter in eher bescheidenen Verhältnissen auf. Die Familie zog zeitweise nach Kalifornien, kehrte aber nach Iowa zurück und ließ sich in Pocahontas nieder, wo der Vater eine Bäckerei betrieb und der junge Robert schon früh mithelfen musste. Hansen litt unter starkem Stottern und schwerer Akne, die sein Gesicht dauerhaft vernarbte, was ihn zu einem extrem schüchternen und zurückgezogenen Jugendlichen machte. In der Schule fühlte er sich ausgegrenzt, Mädchen lehnten ihn ab, und er entwickelte ein tiefes Gefühl der Zurückweisung und Frustration, das ihn sein Leben lang begleitete.
Er war ein Einzelgänger, der sich in einsame Aktivitäten wie Jagen, Fischen und Bogenschießen flüchtete, während er in der Bäckerei des Vaters hart arbeiten musste. Nach dem Highschool-Abschluss 1957 trat er den Army Reserves bei, absolvierte eine Grundausbildung und erwarb dort Schießfertigkeiten, die ihm später von Nutzen sein sollten. Er arbeitete weiter in der Bäckerei, heiratete 1960 zum ersten Mal, doch diese Ehe scheiterte schnell. Im selben Jahr beging er sein erstes bekanntes schwereres Verbrechen, als er mit einem Freund die Garage für Schulbusse in Pocahontas anzündete. Er wurde verurteilt, verbüßte etwa 20 Monate einer dreijährigen Haftstrafe und wurde wegen einer sogenannten infantilen Persönlichkeit früh entlassen. Danach heiratete er 1963 erneut, diesmal Darla, mit der er zwei Kinder bekam, ein Mädchen und einen Jungen.



1967 zog die Familie nach Anchorage in Alaska, wo Hansen eine eigene Bäckerei in der Innenstadt eröffnete und sich als fleißiger, unauffälliger Familienvater und Geschäftsmann etablierte. Alaska bot ihm mit seinen weiten, unberührten Wildnisgebieten ein Paradies für die Jagd, die zu seiner großen Leidenschaft wurde. Er erwarb einen Pilotenschein und ein kleines Flugzeug, mit dem er angeblich zu Jagdausflügen aufbrach, und ließ sogar einige seiner Jagdtrophäen in Rekordbüchern eintragen. Oberflächlich betrachtet führte er ein normales Leben: Er backte Brot und Gebäck, kümmerte sich um seine Familie und galt als ruhiger, etwas unscheinbarer Mann. Doch darunter brodelte eine dunkle Seite, die sich schon früher in kleineren Delikten wie Diebstählen und einem bewaffneten Überfall gezeigt hatte. In den 1970er und frühen 1980er Jahren, besonders wenn seine Frau und Kinder verreist waren, begann Hansen, die schäbigeren Viertel von Anchorage aufzusuchen, wo Prostituierte, Tänzerinnen und Ausreißerinnen unterwegs waren. Er sprach Frauen an, oft mit dem Versprechen von Geld für sexuelle Dienste, zwang sie dann aber mit vorgehaltener Waffe in sein Auto und brachte sie in sein Haus in Muldoon. Dort fesselte und vergewaltigte er sie brutal im Keller. Manche Opfer ließ er danach laufen, nachdem er sie gedemütigt und missbraucht hatte – er gab später zu, über dreißig Frauen auf diese Weise vergewaltigt zu haben, ohne sie zu töten. Andere jedoch, mindestens siebzehn, wurden zu seinem tödlichen Spiel auserkoren.



Seine grausamste Methode entwickelte er in den entlegenen Wäldern und Flussgebieten Alaskas. Er flog die ausgewählten Frauen mit seinem Flugzeug in abgelegene, unzugängliche Regionen, oft zwischen dem Seward und dem Susitna River oder in der Nähe von Seen wie dem Eklutna Lake. Dort setzte er sie, manchmal nur leicht bekleidet oder nackt, in der eisigen Wildnis aus, gab ihnen einen kleinen Vorsprung und jagte sie dann wie Wildtiere. Bewaffnet mit einem Ruger Mini-14 Gewehr und Jagdmessern verfolgte er sie stundenlang, genoss die Jagd als ultimative Machtdemonstration und schoss sie schließlich nieder, wenn er sie eingeholt hatte. Die Leichen vergrub er flach in der Tundra oder ließ sie einfach liegen, wo sie von Tieren angefressen wurden. Viele der Opfer waren junge Frauen zwischen 16 und 30 Jahren, darunter Tänzerinnen aus Stripclubs, Prostituierte und Gelegenheitsarbeiterinnen, die in der boomenden Pipeline-Ära Alaskas oft allein und schutzlos unterwegs waren. Bekannte Opfer waren unter anderem die unbekannte „Eklutna Annie“, die 1980 gefunden wurde, Joanna Messina, Sherry Morrow, Paula Goulding und später identifizierte Frauen wie Robin Pelkey, die jahrzehntelang als „Horseshoe Harriet“ galt. Hansen markierte die Stellen der Gräber auf einer aviationskarte mit kleinen Kreuzen, die er wie Jagdtrophäen sammelte. Die Polizei wusste lange Zeit nichts von den meisten Vermisstenfällen, weil viele der Frauen aus marginalisierten Gruppen stammten und ihr Verschwinden nicht sofort gemeldet oder ernst genommen wurde.


Die Verbrechen zogen sich über mehr als ein Jahrzehnt hin, von etwa 1971 oder 1972 bis 1983. Ein früher Fall war möglicherweise die 18-jährige Celia Beth van Zanten, die 1971 verschwand und erfror, nachdem sie einem Entführer entkommen war. Die meisten Morde geschahen jedoch in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren. 1982 und 1983 wurden vereinzelt Leichen gefunden, darunter die von Sherry Morrow am Knik River, mit einer .223-Kaliber-Hülse in der Nähe, was später entscheidend werden sollte. Die Wende kam im Juni 1983, als die 17-jährige Cindy Paulson Hansen entkam. Er hatte sie in seinem Haus vergewaltigt und gefesselt, doch sie schaffte es, nackt und mit Handschellen an einem Handgelenk aus dem Keller zu fliehen und sich in ein nahegelegenes Motel zu retten, wo sie die Polizei alarmierte. Ihre detaillierte Beschreibung führte zu Hansen. Bei der Durchsuchung seines Hauses fanden Ermittler belastende Gegenstände: Schmuck und Kleidung der Opfer, eine Karte mit verdächtigen Markierungen und vor allem das Ruger Mini-14 Gewehr. Ballistische Tests bewiesen, dass die Patronenhülsen an mehreren Fundorten aus genau dieser Waffe stammten.

Hansen wurde am 27. Oktober 1983 verhaftet. Zunächst leugnete er alles, doch unter dem Druck der Beweise und in Verhandlungen mit der Staatsanwaltschaft brach er zusammen. Im Februar 1984 bekannte er sich in einem Deal schuldig an vier Morden – an Paula Goulding, Joanna Messina, Sherry Morrow und der unbekannten Eklutna Annie – sowie an der Entführung und Vergewaltigung von Cindy Paulson und weiteren Delikten wie Diebstahl und Versicherungsbetrug. Im Gegenzug wurden ihm keine weiteren Prozesse für die übrigen Morde gemacht, und er durfte seine Strafe in einer Bundesanstalt verbüßen statt in einem Hochsicherheitsgefängnis Alaskas. Richter Ralph Moody verurteilte ihn zu 461 Jahren Haft plus lebenslänglich ohne Bewährung. Hansen führte die Ermittler später per Flugzeug zu einigen der versteckten Gräber, wo zwölf Leichen geborgen werden konnten, während andere nie gefunden wurden. Die Gesamtzahl der Morde schätzten die Behörden auf mindestens 17, möglicherweise bis zu 21 oder sogar mehr, wobei er selbst von weiteren Vergewaltigungen sprach.


In den Jahren danach saß Hansen zunächst in verschiedenen Gefängnissen, unter anderem im Bundesgefängnis Lewisburg in Pennsylvania, bevor er nach Alaska zurückverlegt wurde.
Er blieb bis zu seinem Tod ein unauffälliger Häftling und äußerte sich nur selten zu seinen Taten. Die Öffentlichkeit in Alaska war schockiert über den scheinbar harmlosen Bäcker, der jahrelang unentdeckt ein Doppelleben als sadistischer Jäger von Menschen geführt hatte. Sein Fall offenbarte Versäumnisse im Justizsystem, da er trotz früherer Verurteilungen wegen Brandstiftung, Diebstahl und bewaffneter Überfälle immer wieder milde behandelt worden war. Bis heute gilt Robert Hansen als einer der grausamsten Serienmörder Alaskas, dessen Verbrechen die raue, weite Landschaft des Nordens zu einem Schauplatz des Schreckens machten.
Er starb 2014 im Alter von 75 Jahren eines natürlichen Todes in Haft, ohne je Reue zu zeigen, und hinterließ eine Spur des Entsetzens, die noch lange nach seinem Tod in Anchorage und darüber hinaus nachwirkte.



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