Flávio Bolsonaro, 2022, Carlos Moura/Agência Senado, Lizenz 4.0
Quellen: Reuters, BBC, CNN
Nur zwei Tage nach seiner Niederlage in der Stichwahl um das brasilianische Präsidentenamt hat Flávio Bolsonaro das Land verlassen und ist in die Vereinigten Staaten gereist. Der 45-jährige Senator und älteste Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro hatte am Sonntag, dem 25. Oktober 2026, gegen den Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva verloren – und zwar überraschend, denn er war nach dem ersten Wahlgang als Favorit in die Stichwahl gegangen. Lula setzte sich am Ende mit rund 51,8 Prozent der Stimmen durch.
Noch am Montag hatte das Oberste Bundesgericht (STF) unter Richter Alexandre de Moraes angeordnet, dass Bolsonaro seine Pässe – den normalen wie den diplomatischen – innerhalb von 24 Stunden abgeben müsse. Der Hintergrund sind laufende Ermittlungen wegen Geldwäsche und anderer Vorwürfe im Zusammenhang mit Online-Glücksspiel und der Finanzierung eines Films über seinen Vater. Bolsonaro bestreitet die Anschuldigungen und hatte in einem Video erklärt, er habe nie daran gedacht, Brasilien zu verlassen, und werde sich gegen die Maßnahme wehren. Die Frist verstrich jedoch ohne dass er die Dokumente übergab. Die Bundespolizei erklärte die Pässe daraufhin für ungültig.
Während brasilianische Medien und Behörden zunächst nicht wussten, wo sich der Senator aufhielt, bestätigten US-Quellen und Personen aus seinem Umfeld, dass er das Land verlassen hatte. Er reiste mit seiner Frau und den beiden Töchtern. Berichte sprachen zunächst von einem möglichen Weg über die argentinische Grenze bei Puerto Iguazú, die argentinischen Behörden dementierten jedoch eine offizielle Einreise. Mehrere Quellen – darunter Reuters, die BBC, CNN und brasilianische Medien – bestätigten später, dass Bolsonaro am Dienstag, dem 27. Oktober, in den USA angekommen sei, konkret in Florida. Dort soll er bereits seinen Bruder Eduardo Bolsonaro getroffen haben, der seit längerem in den Vereinigten Staaten lebt.
Das US-Außenministerium erklärte, es werde Flávio Bolsonaro und seiner Familie Visa ausstellen und die Einreise genehmigen. Die Trump-Administration hatte die Aufnahme bereits im Vorfeld zugesichert. In Kreisen der Familie und in brasilianischen Medien wurde spekuliert, dass er politisches Asyl beantragen könnte. Lula bezeichnete die Flucht als „beschämend“. Die brasilianische Bundespolizei teilte mit, Bolsonaro habe das Land nicht über einen regulären Grenzübergang verlassen.
Die Ereignisse erinnern stark an den Aufenthalt seines Vaters Jair Bolsonaro in Florida nach der Niederlage gegen Lula im Jahr 2022. Der frühere Präsident sitzt derzeit in Brasilien unter Hausarrest und verbüßt eine 27-jährige Haftstrafe wegen eines gescheiterten Putschversuchs. Flávio Bolsonaro selbst hatte die Niederlage zunächst nicht anerkannt und von Wahlunregelmäßigkeiten gesprochen. Seine Partei, die Liberale Partei (PL), akzeptierte das Ergebnis mit Vorbehalten. Er verliert mit dem Ende seiner Senatorenzeit im Februar 2027 die Immunität und hatte zuvor angekündigt, die Opposition gegen Lula anführen zu wollen.
Die genaue Route seiner Ausreise und sein genauer Aufenthaltsort innerhalb Floridas sind bisher nicht öffentlich bekannt. Die Lage belastet die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Brasilien und den USA weiter. Während die US-Regierung die Aufnahme bestätigt hat, prüfen brasilianische Behörden die rechtlichen Folgen der Flucht.
