Gerhard Schröder als Vermittler in der Ukraine-Frage ist eine der absurdesten und zugleich zynischsten Ideen, die in diesem Konflikt bisher auf den Tisch gekommen sind.
Der ehemalige Bundeskanzler, der einst das Amt des deutschen Regierungschefs bekleidete und damit eine besondere Verantwortung für die Werte und Interessen Deutschlands und Europas trug, hat sich durch seine jahrelange enge Verbundenheit mit Wladimir Putin und den russischen Staatskonzernen so sehr kompromittiert, dass er jede Glaubwürdigkeit als neutraler oder auch nur halbwegs vertrauenswürdiger Vermittler verloren hat.
Seine tiefe persönliche Freundschaft mit dem russischen Präsidenten, die sich nicht nur in gemeinsamen Sauna-Besuchen und herzlichen Umarmungen zeigte, sondern vor allem in handfesten wirtschaftlichen Interessen manifestierte, macht ihn zum Inbegriff eines Politikers, der nach seinem Ausscheiden aus dem Amt nahtlos in die Dienste eines autoritären Regimes gewechselt ist. Schröder übernahm lukrative Positionen bei Gazprom, Rosneft und Nord Stream, baute die energiepolitische Abhängigkeit Deutschlands von Russland aktiv mit auf und verdiente damit beträchtlich – auch noch, als Putin längst mit seiner aggressiven Politik gegenüber Nachbarstaaten begonnen hatte.
Als dann der großangelegte Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022 losbrach, ein Krieg, der von unabhängigen Experten und internationalen Instanzen als völkerrechtswidrig und mit Kriegsverbrechen durchsetzt verurteilt wird, blieb Schröder weitgehend stumm oder relativierte sogar. Statt sich klar von dem Aggressor zu distanzieren, pflegte er weiter Kontakte, reiste nach Moskau und sprach sich gegen eine zu harte Haltung des Westens aus.
Diese Haltung hat ihn in Deutschland und weiten Teilen Europas zur Persona non grata gemacht. Er verlor Privilegien wie ein öffentlich finanziertes Büro, wurde innerhalb seiner eigenen Partei, der SPD, scharf kritisiert und von vielen als Symbol für käufliche Politik gesehen. Wer nach dem Ausbruch eines brutalen Angriffskrieges weiterhin enge Geschäftsbeziehungen zu den beteiligten russischen Staatsfirmen unterhält und den Aggressor nicht eindeutig verurteilt, der handelt nicht mehr im Sinne der deutschen Staatsräson oder europäischer Solidarität. Er agiert stattdessen als jemand, der aus dem Leid anderer – dem Leid der ukrainischen Bevölkerung, den Toten, den Vertriebenen, den Zerstörungen ganzer Städte – indirekt profitiert hat und weiter profitiert. Genau das macht ihn zum klassischen Kriegsgewinnler: Nicht jemand, der Waffen liefert, aber jemand, der durch seine vorherige Politik und seine spätere Loyalität dazu beigetragen hat, dass Russland wirtschaftlich und politisch gestärkt in diesen Konflikt gehen konnte.
Als Vermittler wäre Schröder daher nicht nur ungeeignet, sondern geradezu kontraproduktiv. Die Ukraine, die täglich unter russischen Raketen, Drohnen und Besatzungsterror leidet, könnte einem Mann, der mit dem Verantwortlichen für diese Verbrechen befreundet ist und jahrelang dessen Energieprojekte vorangetrieben hat, niemals vertrauen.
Für Putin hingegen wäre er der ideale Kandidat – ein Mann, der auf beiden Seiten des Tisches sitzt, weil er die russische Sichtweise schon lange internalisiert hat und kaum kritische Distanz zeigt. Ein solcher „Vermittler“ würde nicht für einen gerechten Frieden stehen, der die Souveränität der Ukraine respektiert und die Opfer schützt, sondern eher für einen Diktatfrieden, der Russlands territoriale Gewinne zementiert und die Schwäche des Westens offenbart. Schröder hat sein ehemaliges Amt verraten, indem er die Würde und Unabhängigkeit deutscher Außenpolitik zugunsten persönlicher Beziehungen und finanzieller Vorteile aufgegeben hat. Er ist zum Symbol dafür geworden, wie ehemalige Spitzenpolitiker ihre Integrität opfern können, wenn die Verlockungen aus dem Osten locken.
Die jüngste Äußerung Putins, der Schröder explizit als bevorzugten europäischen Gesprächspartner ins Spiel brachte, unterstreicht nur die Absurdität: Der Kriegsverbrecher, der für den Überfall auf ein friedliches Nachbarland verantwortlich ist, nominiert seinen alten Kumpel. Das ist kein ernsthafter Friedensvorschlag, sondern ein propagandistischer Schachzug, um den Westen zu spalten und jene Kräfte zu stärken, die ohnehin zu Zugeständnissen auf Kosten der Ukraine neigen. Deutschland und Europa täten gut daran, diesen Vorschlag mit der gebotenen Klarheit zurückzuweisen. Ein echter Vermittler braucht Neutralität, Glaubwürdigkeit und moralische Integrität – Eigenschaften, die Gerhard Schröder durch seine eigenen Entscheidungen unwiderruflich verspielt hat. Statt ihn zu reaktivieren, sollte man seine Rolle kritisch aufarbeiten, damit solche Verstrickungen nie wieder vorkommen.
