Man sitzt also ganz normal an seinem Rechner, und plötzlich landet eine Mail im Posteingang, die einem den Atem stocken lässt. Absender: European Anti-Fraud Office (OLAF), Brüssel. Betreff: „Notification for your compensation fund payment“. Im Text wird Ihnen mitgeteilt, dass die Europäische Union zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds beschlossen hat, insgesamt mindestens 150 Betrugsopfern jeweils 5,5 Millionen Euro auszuzahlen. Die Gelder stammen angeblich aus beschlagnahmten Vermögen und nicht abgeholten Konten. Und jetzt sind Sie an der Reihe – Sie stehen ganz oben auf der Liste der noch nicht ausgezahlten 36 Glücklichen.
114 Personen hätten bereits ihr Geld erhalten, die Hälfte davon aus europäischen Ländern. Ihre persönlichen Daten habe man „von einem der verhafteten Syndikate“ erhalten. Interpol sei hinter den restlichen Tätern her, deshalb dürften Sie diese Nachricht auf keinen Fall weitergeben. Stattdessen sollen Sie umgehend den „zuständigen Anwalt“ Gregory Thomas kontaktieren, ihm Ihren vollen Namen, Ihre Adresse, Ihre Telefonnummer und Ihren Beruf mitteilen, damit die Auszahlung Ihrer 5,5 Millionen Euro reibungslos und zeitnah erfolgen kann.
Die Mail endet mit der Unterschrift von Herrn Ville Heimo Antero Itälä, Director-General des OLAF.
Klingt zu schön, um wahr zu sein? Das liegt daran, dass es schlichtweg gelogen ist.
Diese Nachricht ist ein klassischer, dreister Betrug. Das echte European Anti-Fraud Office (OLAF) zahlt niemals Geld an Privatpersonen aus – schon gar nicht Millionenbeträge als „Scammed Victim Compensation“. OLAF untersucht Betrug zum Nachteil der EU, es ist keine Entschädigungsbehörde. Die Behörde kontaktiert Bürgerinnen und Bürger grundsätzlich nicht per E-Mail, um ihnen plötzlich riesige Summen anzukündigen und sie aufzufordern, persönliche Daten an einen privaten „Anwalt“ mit Outlook-Adresse zu schicken.
Der angebliche Director-General Ville Itälä hat sein Amt bereits im Sommer 2025 beendet. Die verwendeten E-Mail-Adressen (olaf247servicedept@outlook.com und gregthomas.official@outlook.com) sind keine offiziellen EU-Adressen, sondern private Outlook-Konten – ein deutliches Warnsignal. Behörden der Europäischen Union kommunizieren ausschließlich über @ec.europa.eu-Adressen.
Der Trick ist alt und trotzdem immer noch wirksam: Man erzeugt mit offiziell klingenden Namen und Institutionen Vertrauen, erwähnt Interpol und Verschwiegenheit, um Druck aufzubauen, und fordert dann persönliche Daten sowie später „Bearbeitungsgebühren“, „Steuern“ oder „Überweisungskosten“. Wer darauf eingeht, verliert nicht nur Zeit, sondern meist auch Geld.
Wer solche Mails erhält, sollte sie sofort löschen und keinesfalls antworten oder Daten weitergeben. Wenn Sie möchten, können Sie die Nachricht an die echte OLAF weiterleiten (olaf@ec.europa.eu), damit sie solche Fälle sammeln können. Vor allem aber: Nutzen Sie für wichtige Angelegenheiten keine alten, kaum noch gepflegten E-Mail-Adressen mehr. Je länger eine Adresse existiert und je weniger sie genutzt wird, desto attraktiver wird sie für Massen-Scams.
Lassen Sie sich nicht von großen Zahlen und offiziell klingenden Absendern blenden. Die echten europäischen Behörden versprechen Ihnen keine Millionen per E-Mail. Und sie bitten Sie schon gar nicht, Ihre Daten an einen Herrn Gregory Thomas mit britischer Handynummer zu schicken.
Bleiben Sie wachsam. Löschen Sie. Und schützen Sie sich, indem Sie solche Postfächer konsequent aufräumen oder stilllegen.
Weil niemand – wirklich niemand – 5,5 Millionen Euro von der EU geschenkt bekommt, nur weil er eine alte Yahoo oder AOL -Adresse hat.
Hier die Original-Mail:
European Anti-Fraud Office (OLAF)
1049 Brussels
Belgium
Notification for your compensation fund payment
Dear Recipient,
SCAMMED VICTIM COMPENSATION. REF/PAYMENTS CODE: EPSO/DA/394/24 €5,500,000.00
We are pleased to inform you that the European Union, in conjunction with the International Monetary Fund, has instructed us to use the funds recovered from confiscated properties and unclaimed funds to pay at least 150 scam victims €5,500,000.00 each.
In light of the above, about 36 beneficiaries are yet to be paid, and you are next on the list. Based on the number of applicants, 114 beneficiaries have already been paid, with half of them being from European nations. We got your information from one of the syndicates who were arrested. It is imperative that you do not disclose this message to unauthorized individuals, as Interpol is actively pursuing other criminals who are evading capture.
Kindly contact our attorney for the verification, and authentication of your payment file to ensure the smooth and timely release of your €5,500,000.00 compensation fund.
To this end, I urge you to contact our attorney with your personal information as listed below.
Full Names:
Contact address:
Direct Telephone:
Profession:
Attorney information,
Name: Gregory Thomas
Email: gregthomas.official@outlook.com
Phone Number: +44 791 669 5651
Thank you for your understanding and cooperation.
Yours Faithfully,
Mr. Ville Heimo Antero Itälä,
Director-General,
Email: olaf247servicedept@outlook.com
@European Anti-Fraud Office OLAF 2026.
