Flora und Fauna

Der absolute Missbrauch des Wortes Genozid


Titelbild: Screenshot lua.tierhilfe TikTok 


Das TikTok-Konto @lua.tierhilfe präsentiert sich als emotionaler Kanal für Tierhilfe, der sich stark auf die dramatische Lage von Straßentieren – vor allem Hunden und Katzen – in der Türkei konzentriert und dabei mit hochaufgeladener, oft schockierender Sprache arbeitet: Begriffe wie „Massaker“, „Massenmord“, „Millionen getöteter Straßenhunde“, „brutal getötet“ oder ähnlich martialische Formulierungen dominieren viele Videos, Bildposts und Texteinblendungen, die mit trauriger Musik, schnellen Schnitten von verletzten oder toten Tieren und eindringlichen Aufrufen zum Teilen und Spenden unterlegt sind.

 

Screenshot lua.tierhilfe/TikTok 

Der Begriff „Genozid“ wird zwar nicht in allen sichtbaren Inhalten zentral verwendet, passt aber nahtlos in die extrem dramatische Rhetorik des Kontos, die den Eindruck eines systematischen, fast völkermordartigen Vorgehens gegen die Tiere erwecken soll – eine Wortwahl, die in der emotionalen Tierschutz-Szene auf TikTok leider nicht selten ist, aber hier besonders intensiv eingesetzt wird, um maximale Betroffenheit und Interaktion zu erzeugen. Maximale Spendenbereitschaft erzeugen soll.

Die zugrunde liegende Problematik – dass in der Türkei tatsächlich Zehntausende Straßentiere jährlich durch Behörden, kommunale Maßnahmen oder im Kontext umstrittener Gesetze getötet werden – ist nicht komplett erfunden: Seriöse Tierschutzorganisationen wie VETO Tierschutz, internationale Medien und Petitionen berichten seit Jahren von grausamen Zuständen in überfüllten Tierheimen, Euthanasien unter fragwürdigen Bedingungen, lebendig begrabenen oder in Müllsäcken entsorgten Tieren und einem Mangel an Kastrationsprogrammen. Doch es sind zu verurteilende Einzelfälle.

Diese realen Missstände werden bei lua.tierhilfe jedoch maximal hyperbolisch und undifferenziert aufbereitet.

Statt faktenbasierter Berichterstattung mit Quellen, Zahlen oder Kooperationen mit lokalen Vereinen dominiert der Sensations- und Schockeffekt – repetitive Krisenmeldungen, Gedenk-Posts an „Opfer des Massakers“ und Appelle, die suggerieren, dass ohne sofortige Spenden ein unaufhaltsames Blutbad weitergeht.

Das Ziel ist klar viral und emotional. Mitleid triggern, Shares maximieren und den Geldfluss anstoßen.

Genau hier setzt die größte Kritik an. Diese wird mit aggressiven und boshaften Kommentaren erledigt. Mit absoluter Menschenverachtung wird hier gearbeitet. Es ist ein weiteres Beispiel für fehlgeleiteten Auslandstierschutz.

Der Wahrheitsgehalt der Darstellungen ist hochgradig fragwürdig, weil das Konto keinerlei Transparenz bietet.

Es fehlen verifizierbare Belege, wer Lua genau ist (Name, Wohnort, echte Identität), ob sie vor Ort in der Türkei aktiv ist, ob angeblich gerettete Tiere langfristig dokumentiert und nachverfolgbar sind, welche konkreten Projekte (Kastrationen, Transporte, Tierarztkosten) mit welchen Summen finanziert werden oder ob es Partnerschaften mit etablierten Organisationen gibt.

Stattdessen finden sich in Bio oder Videos meist nur allgemeine Spendenlinks, PayPal, vielleicht andere Plattformen, ohne Abrechnungen, Rechnungen, Vorher-Nachher-Bilder mit Updates oder Finanzberichte – klassische rote Flaggen bei TikTok-Tierhilfe-Konten, die oft echte Probleme, wie die Straßentier-Situation in der Türkei,  instrumentalisieren, um Spenden zu generieren, während der Großteil des Geldes in privaten Taschen verschwindet oder für gar nichts Konkretes verwendet wird.

Diese Taktik passt exakt in das Muster, vor dem Verbraucherschützer wie das Better Business Bureau seit Jahren warnen. Lua verwendet KI generierte Bilder, auf denen Hunde blutige Tränen weinen.

Emotionale Köder mit niedlichen oder leidenden Tieren, dramatisierten Geschichten und Dringlichkeitsappellen, die gezielt Tierliebhaber ausnutzen. Viele ähnliche Konten recyclen gestohlene Videos von echten Rescuern, verwenden AI-generierte Inhalte oder übertreiben reale Ereignisse massiv, um Glaubwürdigkeit vorzutäuschen – lua.tierhilfe wirkt in diese Richtung verdächtig, da die Inhalte hoch emotional, aber arm an nachprüfbaren Details sind und die extremen Begriffe (Massenmord, Massaker) eher der Viralität als der sachlichen Aufklärung dienen. Solche Übertreibungen können sogar kontraproduktiv sein. Sie diskreditieren die seriöse Tierschutzarbeit in der Türkei, die es durchaus gibt, z. B. durch lokale Vereine, die wirklich vor Ort helfen, untergraben das Vertrauen in die gesamte Szene und lenken Ressourcen von transparenten Organisationen ab.

@lua.tierhilfe ein Paradebeispiel für die problematische Seite von Social-Media-Tierhilfe.

Es nutzt eine echte humanitäre Krise, die Tötung von Straßentieren in der Türkei, um mit hyperdramatisierter, teils sensationsheischender Sprache, inklusive Begriffen, die an Völkermord erinnern, Emotionen zu triggern und Spenden zu kassieren – ohne dass man nachvollziehen kann, ob und wie viel wirklich bei den Tieren ankommt.

Wer ernsthaft helfen möchte, sollte solche impulsiv wirkenden TikTok-Profile meiden und stattdessen prüfbare, etablierte Organisationen mit regelmäßigen Berichten, Fotos mit Updates, Finanztransparenz und nachweisbaren Erfolgen unterstützen. Bei lua.tierhilfe überwiegen die Zweifel an Authentizität, Transparenz und tatsächlichem Nutzen bei weitem – es wirkt wie ein emotional manipulatives Spendenvehikel, das mehr Schaden anrichtet, als es Gutes bewirkt.

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