Mega-Leak bei der AfD – 421.179 Mails im Netz – Was bisher bekannt ist
Berlin – Es ist einer der größten Daten-Vorfälle, der eine deutsche Partei je getroffen hat. Wie BILD zuerst berichtete, sind nach einem Hackerangriff offenbar hunderttausende E-Mails der AfD im Internet gelandet und werden dort in Teilen öffentlich gemacht.
Dem Bericht zufolge sprechen die unbekannten Veröffentlicher von insgesamt 421.179 E-Mails mit einem Datenvolumen von 281 Gigabyte. Die AfD hat den Hackerangriff gegenüber BILD inzwischen bestätigt, macht aber keine Angaben zum Ausmaß. Wörtlich heißt es laut BILD von einem AfD-Sprecher: „Im September 2026 kam es zu einem Hackerangriff auf einen Hosting-Dienstleister unserer Partei, bei dem offenbar Teile einiger Postfächer – die zumeist seit Jahren ungenutzt waren – illegal kopiert wurden.“
Der Angriff sei schnell gestoppt worden, alle betroffenen Nutzer seien informiert worden. Aktuelle Postfächer der Bundes-AfD seien nicht betroffen. Die jetzt erfolgte Online-Veröffentlichung werde nun geprüft.
Was genau veröffentlicht wurde, ist noch unklar und hochgradig sensibel. Nach den Recherchen von BILD wurden auf einer Website KI-Zusammenfassungen mehrerer E-Mails veröffentlicht. Zu den Absendern sollen demnach auch AfD-Politiker wie Alice Weidel (47), Alexander Gauland (85) und Leif-Erik Holm (56) gehören.
BILD selbst konnte nach eigenen Angaben nur einen ersten, sehr eingeschränkten Blick auf die Daten werfen. In den einsehbaren Dateien befanden sich demnach hochsensible Dokumente: So soll ein Foto des Personalausweises des stellvertretenden AfD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Markus Frohnmaier, enthalten sein. Darüber hinaus Fotos weiterer Ausweise, Rechnungen, Kontoauszüge, Urkunden sowie Mitgliedsanträge und Mitgliedslisten von AfD-Kreisverbänden in NRW.
Die entscheidende Frage der Echtheit ist noch offen. BILD schreibt selbst: Es ist noch unklar, ob die veröffentlichten Dokumente echt sind und ob sie bei dem Hackerangriff erbeutet wurden. Auch andere Medien, die sich auf BILD berufen, betonen, dass die Authentizität der rund 421.000 Mails noch nicht verifiziert ist.
Besonders brisant ist die Art der Veröffentlichung: Die Täter stellen offenbar nicht nur Rohdaten ins Netz, sondern bieten KI-generierte Zusammenfassungen der Mails an. Damit sollen auch große Datenmengen schnell durchsuchbar und verständlich gemacht werden – ein Vorgehen, das in den letzten Jahren bei großen Leaks immer häufiger beobachtet wird. Die Betreiber der Website reagierten laut BILD bislang nicht auf eine Anfrage der Zeitung. Eine Anfrage von BILD an die Betreiber der Internetseite blieb bislang unbeantwortet.
Die AfD spricht von einem Angriff auf zehn Postfächer, darunter ein Account auf den Namen des früheren Parteichefs Alexander Gauland sowie ein Konto, das früher als Kontakt für die Bundesgeschäftsstelle diente. Ob es sich dabei tatsächlich um die Quelle der nun veröffentlichten 281 Gigabyte handelt, wird nun von der Partei und den Behörden geprüft.
Für die Partei ist der Vorfall in mehrfacher Hinsicht gefährlich: Zum einen wegen möglicher interner Kommunikation, zum anderen wegen des massiven Datenschutz-Verstoßes – in den Mails sollen sich Personalausweise, private Rechnungen und Mitgliederlisten befinden. Die Veröffentlichung solcher Daten ist nach deutschem Recht strafbar, unabhängig vom politischen Hintergrund der Betroffenen.
BILD nennt die Website, auf der die KI-Zusammenfassungen liegen, bewusst nicht namentlich und verlinkt sie nicht – ein übliches Vorgehen, um keine Weiterverbreitung von Ausweisdokumenten und privaten Daten zu fördern.
Stand jetzt, 20. Oktober 2026, bleibt der Fall damit in der Schwebe: Ein bestätigter Hackerangriff im September, eine behauptete Veröffentlichung von über 400.000 Mails, KI-Zusammenfassungen auf einer anonymen Seite und eine noch ausstehende Prüfung der Echtheit.
