Flora und Fauna

Der gestrandete Wal

Titelbild: Beispielbild Pixabay
Quellen: NDR , Sea Shepherd
In der Lübecker Bucht der Ostsee, vor dem Ortsteil Niendorf bei Timmendorfer Strand unweit von Lübeck, hat sich seit der Nacht zum 23. März 2026 ein dramatisches Geschehen um einen gestrandeten Buckelwal abgespielt. Das etwa zehn Meter lange Jungtier, ein Großwal, wurde von Passanten entdeckt, nachdem Gäste eines nahegelegenen Hotels ungewöhnliche Geräusche gemeldet hatten. Der Wal lag auf einer Sandbank im nur etwa 1,40 bis zwei Meter flachen Wasser fest und konnte sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien. Helfer und Experten sind seitdem unermüdlich im Einsatz, um das Tier zu retten, doch die Situation gestaltet sich äußerst schwierig und die Hoffnung schwindet zunehmend.

Der Wal ist offenbar dasselbe Individuum, das bereits seit Anfang März in der Region gesichtet wurde. Zunächst tauchte er im Hafen von Wismar auf, wo er sich in alten Fischernetzen verheddert hatte. Später wurde er in der Flensburger Förde und erneut in der Lübecker Bucht beobachtet. Noch am Freitag vor dem Stranden hatten Mitarbeiter der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd Teile eines Stellnetzes von ihm entfernen können, doch Reste hingen weiterhin an ihm. Experten gehen davon aus, dass diese Verhedderungen und möglicherweise eine damit einhergehende Verletzung oder Erschöpfung den Wal geschwächt haben. Seine Haut zeigt deutliche Anzeichen einer Erkrankung. Sie ist aufgequollen, entzündet und mit Bewuchs bedeckt, was auf die niedrige Salinität der Ostsee zurückgeführt wird und das Tier zusätzlich belastet. Das Tier wirkt deutlich geschwächt, atmet nur langsam und gibt tiefe, brummende Laute von sich, während sein massiger Körper sich mühsam auf und ab bewegt.

Bereits in der ersten Nacht und am Montag versuchten Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Wasserschutzpolizei sowie Fachleute vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) und Sea Shepherd, dem Wal zu helfen. Mit Schlauchbooten, Drohnen und Wellen, die durch vorbeifahrende Boote erzeugt wurden, sollte er animiert werden, sich selbst zu befreien. In einer Nacht gelang es ihm kurzzeitig, sich etwas in Richtung der tieferen Fahrrinne zu bewegen, doch er kehrte wieder auf die Sandbank zurück. Ein direkter Abschleppversuch scheidet aus, da das mehrere Tonnen schwere Tier dabei schwer verletzt werden könnte. Am Dienstag wurde ein Saugbagger eingesetzt, um einen Kanal unter dem Wal zu graben und ihm so einen Weg ins tiefere Wasser zu bahnen. Der erste Versuch misslang jedoch, weil der Sand zu fest war und der Kanal nicht ausreichte. Der Wal schien bereits zu schwach, um die Gelegenheit zu nutzen.

Die Ostsee ist für Wale generell kein typisches Habitat, da sie vergleichsweise flach, brackig und nahrungsarm ist. Dennoch tauchen in den letzten Jahren immer häufiger einzelne Buckelwale, Finnwale oder andere Großwale in der Region auf, oft verirrte Jungtiere oder kranke Exemplare. Experten vermuten, dass Klimaveränderungen, veränderte Nahrungsbedingungen oder schlicht Orientierungsprobleme die Tiere in die flachen Buchten locken. In diesem Fall deutet vieles darauf hin, dass der Wal bereits vor dem Stranden gesundheitlich angeschlagen war – möglicherweise durch die Netzverletzungen, Erschöpfung oder eine Infektion. Ein einfaches Zurückschieben ins Meer würde das Problem nicht lösen, da geschwächte Wale sich oft sofort wieder festsetzen oder an ihren Verletzungen verenden.

Am Mittwoch lag der Wal weiterhin auf der Sandbank, und die Retter bereiteten einen neuen Versuch mit dem Saugbagger vor, in der Hoffnung, dass höheres Wasser oder zusätzliche Maßnahmen helfen könnten. Die Stimmung vor Ort ist von großer Sorge geprägt: Viele Schaulustige beobachten das Geschehen, doch die Einsatzkräfte warnen vor zu großer Annäherung, da der Wal unberechenbar reagieren und sich selbst oder Menschen gefährden könnte. Fachleute betonen, dass die Zeit drängt – je länger der Wal im flachen Wasser liegt, desto größer wird der Druck seines eigenen Körpergewichts auf die Organe, was zu inneren Verletzungen und letztlich zum Tod führen kann. Ob der Buckelwal diese dramatischen Tage überleben wird, bleibt ungewiss; die Rettungsaktionen laufen weiter, doch der Zustand des Tieres verschlechtert sich stündlich. Die gesamte Küstenregion und Tierfreunde weit darüber hinaus verfolgen das Schicksal des Wals mit Anteilnahme und hoffen auf ein glückliches Ende für diesen seltenen Besucher der Ostsee.

Themenverwandte Artikel

Paviane in Nürnberg exekutiert

the kasaan times

Kochen am Krisenherd (1) – Heute Bärlauch

the kasaan times

Das Geschäft mit den Affen in Südostasien

the kasaan times

Der Fuchsbandwurm breitet sich aus

the kasaan times

Milchorangen – Futter der Urtiere

the kasaan times

Löwenjunge im Kölner Zoo eingeschläfert

the kasaan times

Illegaler Tierhandel nimmt weltweit zu

the kasaan times

Ein außergewöhnliches Tier – der südafrikanische Gepard

the kasaan times

So göttlich der Name, so teuflisch der Baum – Warnung vor dem Götterbaum 

the kasaan times

Standrechtliche Erschießung von Paviane im Nürnberger Zoo?

the kasaan times

Blindschleichen – über die Schlangen, die keine Schlangen sind

the kasaan times

Der Schuhschnabel

the kasaan times

Hinterlasse einen Kommentar

*