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Schlepper – Taxi über den Kanal

Quellen : Präfektur Pas de Calais, Gendarmerie National
Titelbild: KI generiert
Das Geschäft mit den 300 Euro – Wie Taxis zu Schleusern am Ärmelkanal wurden

In den Nächten an der nordfranzösischen Küste hat sich ein neues Bild etabliert. Wo früher Migranten zu Fuß durch Dünen und über Feldwege zur Küste liefen, halten heute dunkle Kleinbusse und Mietwagen. Die Fahrer, die aussteigen, tragen keine Uniform, sie haben ein Navi und einen Preis. Dreihundert Euro pro Kopf, so lautet nach Angaben der Ermittler die Pauschale, um Menschen aus dem Hinterland bis an den Strand zu bringen. Sechs Fahrer sind in den vergangenen Tagen festgenommen worden, sie sollen Teil dieser neuen Logistik sein.


Die französischen Behörden sprechen seit Ende 2023 von einem Wandel. Die klassischen kleinen Schlauchboote, die für zwanzig Personen gedacht waren, sind verschwunden. Stattdessen setzen die Netzwerke auf übergroße Boote, die bis zu hundertvierzig Menschen fassen. Sie werden als Taxi-Boote bezeichnet, weil sie nicht mehr voll besetzt vom Strand starten. Sie legen leer ab, fahren ein Stück die Küste entlang und sammeln dann Gruppen ein, die an verschiedenen Punkten von Zubringern ans Wasser geführt werden. Die Zubringer sind oft Taxifahrer, die die Kontrollen an Bahnhöfen umgehen wollen.




Der Ablauf ist in mehreren Gerichtsverfahren bereits beschrieben worden. Ein Fahrer aus dem Grenzgebiet zu Italien soll allein seit September fünfzig Fahrten durchgeführt haben, ein Netzwerk zwischen Spanien und Frankreich soll mit 200 Euro pro Migrant fast 100.000 Euro verdient haben. Die Staatsanwaltschaft in Lille vergleicht die Organisation mit einem Drogennetzwerk, mit klarer Hierarchie, mit Organisatoren, Einweisern und Fahrern.

Wie gefährlich dieses System ist, zeigte sich am Montagmorgen am Strand Blériot im Département Pas-de-Calais. Ein solches Taxi-Boot mit 105 Menschen an Bord geriet kurz nach dem Start in eine Notlage. Die Menschen an Bord wurden nach Angaben der Präfektur nicht vom Wasser, sondern von der Enge erdrückt. Drei von ihnen, darunter ein Kind im Alter von zehn Jahren, starben trotz sofortiger Hilfe. 102 Menschen wurden gerettet.

Der Präfekt des Pas-de-Calais machte nach dem Unglück die Schleuser verantwortlich und sagte, der Tod sei die Folge eines Geschäfts, das mit der Hoffnung auf eine Überfahrt Geld verdiene. Seit November vergangenen Jahres versucht Frankreich, die Boote noch auf See zu stoppen, bevor sie überfüllt sind. Mehrere Versuche hat es gegeben, nicht alle waren erfolgreich.


Für die sechs festgenommenen Taxifahrer bedeutet der Vorwurf nun ein Verfahren wegen Beihilfe zur illegalen Einreise in einer Bande. Sie gelten als kleine Rädchen in einer großen Industrie, aber ohne ihre Fahrten für 300 Euro würde das System der Taxi-Boote nicht funktionieren.

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