Titelbild:Polizei Hamburg
Klebefäden an der Haustür – die neue Masche der Einbrecher: Was wirklich dahintersteckt
Wer nach Hause kommt und einen fast unsichtbaren Klebefaden, einen kleinen Plastikstreifen oder ein Stück Tesafilm zwischen Tür und Rahmen entdeckt, denkt erst an Zufall. Doch genau das ist die neue Methode, vor der Polizei und SWR3 aktuell warnen.
Das Prinzip ist simpel und perfide: Einbrecher kleben einen dünnen, transparenten Faden, ein Stück Frischhaltefolie oder einen kleinen Papierstreifen so an die Haustür, dass er beim Öffnen abfällt – unbemerkt für die Bewohner. Manchmal wird auch ein Stöckchen, ein Kieselstein oder ein Blatt vor die Tür gelegt.
Kommen die Täter nach ein, zwei Tagen zurück und der Faden hängt noch exakt so wie vorher, ist das für sie ein klares Signal: Hier war niemand zu Hause. Die Wohnung steht vermutlich leer. Vor allem in der dunklen Jahreszeit, rund um Herbstferien und jetzt ab Oktober, häufen sich solche Fälle.
Die Polizei nennt das „Anwesenheits-Test“. Er ist verwandt mit den bekannten Gaunerzinken, aber noch unauffälliger. Im Gegensatz zu Kreidezeichen an der Hauswand sind Klebefäden für Laien kaum als Warnsignal zu erkennen.
Mythos oder echte Gefahr?
Die Polizei bestätigt: Die Methode wird wirklich angewendet. Sie ist kein Internet-Märchen. Besonders betroffen sind Einfamilienhäuser, Wohnungen in Randlagen und Häuser, wo tagsüber niemand zu sehen ist. Die Beamten in Brandenburg, Essen, Winsen und aktuell auch im Südwesten haben in den letzten Wochen mehrfach davor gewarnt.
Trotzdem gilt, nicht jeder Faden ist ein Einbrecher. Auch Kinder, Putzkräfte oder der Wind können so etwas hinterlassen. Panik ist also fehl am Platz – Aufmerksamkeit schon.
Was tun, wenn du einen Klebefaden findest?
1. Nicht einfach abreißen und vergessen. Mach ein Foto – Nahaufnahme und Gesamtbild der Tür.
2. Polizei informieren. Ruf die örtliche Dienststelle oder 110 an, wenn du mehrere Markierungen in der Nachbarschaft siehst. Nimm nichts mit bloßen Händen ab, falls Spuren gesichert werden müssen.
3. Nachbarn warnen. Sprich im Hausflur darüber, gerade ältere Nachbarn sind oft Ziel.
4. Anwesenheit vortäuschen. Das ist der beste Schutz: Zeitschaltuhr für Licht, Rollläden nicht tagelang unten lassen, Briefkasten leeren lassen, keine Urlaubshinweise auf AB oder Social Media.
5. Tür und Fenster sichern. RC2-Beschläge, abschließbare Griffe, Bewegungsmelder mit Licht. Einbrecher brechen in 80% der Fälle ab, wenn es länger als 3 Minuten dauert.
Und ganz wichtig: Wenn du nach Hause kommst und die Tür steht offen oder der Faden ist weg und im Haus ist etwas durchwühlt – nicht reingehen, sofort raus und Polizei rufen.
Die Masche kostet die Täter nur ein Stück Klebeband. Für dich kann sie teuer werden. Wer die kleinen Zeichen kennt, macht sein Haus für Einbrecher uninteressant – sie suchen immer das leichteste Ziel.
