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Midterms – die Würdelosigkeit eines Donald John Trumps

Titelbild: Beispielbild Pixabay

Donald Trump hat die Würde immer dort verletzt, wo Würde eigentlich Schutz bieten sollte, vor Gericht, vor der Presse, vor Menschen, die keine Macht haben. Und am deutlichsten wurde das am 6. Januar 2021.

Es beginnt mit der Sprache. Ein Präsident spricht, und das Wort des Präsidenten hat Gewicht. Trump nutzte dieses Gewicht, um Menschen zu verkleinern. Gegner wurden nicht kritisiert, sondern entmenschlicht. „Linksradikale Hardlinerin“, „Trump-Hasserin“, „sogenannte Bischöfin“, so nannte er Mariann Edgar Budde nach dem Gebetsgottesdienst zu seiner eigenen Amtseinführung im Januar 2025, nur weil sie ihn um Barmherzigkeit für Ängstliche und Geflüchtete gebeten hatte. Er forderte eine Entschuldigung von ihr. Das ist die Umkehr der Würde: Nicht der Mächtige schützt die Schwachen, der Mächtige verlangt Unterwerfung.



Er verletzte die Würde des Amtes selbst. Das Weiße Haus wurde von einem Ort der Verfassung zu einer Bühne für persönliche Rache. Executive Orders in Rekordzahl, 228 bis heute, wurden nicht als Verwaltungshandeln verkauft, sondern als Show der Stärke. „Ich allein kann das lösen.“ Wer widersprach, wurde nicht als Opposition behandelt, sondern als Feind des Volkes.

Er verletzte die Würde der Menschen an der Grenze. Familien, die vor Krieg und Verfolgung flohen, wurden im Wahlkampf und in den ersten Tagen seiner zweiten Amtszeit zu einer Invasions-Erzählung gemacht. Notstand an der Grenze, Militär im Inland, Abschiebungen im Schnellverfahren. Die Bilder von gefesselten Menschen in Flugzeugen, von Kindern, die ihre Eltern suchen, sind das Gegenteil dessen, was die Bischöfin meinte, als sie um Mitgefühl bat.

Er verletzte die Würde der Wahrheit. Die Presse, deren Aufgabe es ist, Macht zu kontrollieren, nannte er jahrelang Lügenpresse, fake news, Feinde. Wer einmal als Lügner markiert ist, muss sich nicht mehr rechtfertigen. Das ist die älteste Methode, Würde zu nehmen: Man nimmt einem Menschen zuerst die Glaubwürdigkeit.

Und dann der 6. Januar. Das ist der Ort, an dem alle anderen Würdeverletzungen zusammenlaufen.

An diesem Tag sollte die Würde der Demokratie gefeiert werden, die friedliche Übergabe der Macht, das Auszählen der Stimmen, die Bestätigung, dass das Volk entschieden hat. Stattdessen rief Trump Tausende nach Washington, erzählte ihnen monatelang, die Wahl sei gestohlen, ihre Stimmen seien wertlos, das Land werde ihnen genommen. „Fight like hell“, sagte er, und dann ließ er sie zum Kapitol laufen.


Was danach geschah, war würdelos in jeder Sekunde. Polizisten, die den Eid geschworen hatten, die Verfassung zu schützen, wurden geschlagen, mit Fahnenstangen gestochen, in Türen eingeklemmt. Abgeordnete, die das Volk vertreten, mussten sich in den Gängen verstecken, mit Gasmasken, unter Tischen. Die Angreifer schmierten Kot an die Wände, setzten die Füße auf die Pulte, als wäre das Haus des Volkes eine Trophäe.

Trump sah stundenlang zu. Er verletzte in diesen Stunden die Würde der Menschen, die ihn gewählt hatten, weil er sie für seine eigene Erzählung opferte. Er verletzte die Würde der Menschen, die gegen ihn gestimmt hatten, weil er ihre Stimmen für ungültig erklärte. Und er verletzte die Würde der Verfassung, weil er das Ritual, das diese Verfassung schützt, in ein Spektakel der Erniedrigung verwandelte.

Er hat sich bis heute nicht in Würde dafür entschuldigt. Er hat den Tag stattdessen zu einem Tag der Patrioten umgedeutet und diejenigen, die verurteilt wurden, zu Helden erklärt. Das ist die letzte Stufe der Würdeverletzung: Wenn das Opfer der Gewalt hinterher auch noch um seine Erinnerung gebracht wird.

Der 6. Januar fehlt in keiner Geschichte über Trump und Würde, weil er der Beweis ist. Wer die Würde des anderen jeden Tag ein bisschen kleiner macht, endet irgendwann dort, wo ein Mob die Würde eines ganzen Landes zertrampelt.

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