Todesstrafe USA

Hegseths Hinrichtungspornographie

Titelbild: Hegseth, Public Domain, US Department of Defense

Hegseths Schauprozess: Amerika streamt das Töten wieder

Pete Hegseth hat endlich das Format gefunden, das zu ihm passt. Nicht Strategie, nicht Abschreckung, sondern Content. Der US-Verteidigungsminister will die Hinrichtung von Nidal Hasan am 3. Dezember um 13 Uhr in Fort Hood live streamen lassen. Soldaten mit Gewehren, gleiche Uhrzeit wie beim Massaker 2009, gleicher Ort, und die Kamera läuft. „We’ll make sure that people are able to watch it, that it’s public“, sagt Hegseth an Bord eines Flugzeugträgers einem rechten Podcaster. „Don’t care. We’ll see him on December 3.“


Das Pentagon bestätigte es einen Tag später: Die Exekution des Fort-Hood-Attentäters soll per Livestream übertragen werden. Präsident Trump habe der Methode – Erschießungskommando – auf Hegseths Empfehlung zugestimmt. Es wäre die erste Hinrichtung durch das US-Militär seit 1961, die erste durch ein Erschießungskommando seit November 1945 und die erste öffentliche Hinrichtung in den USA seit den 1930er Jahren in Kentucky und Missouri. Weltweit gibt es öffentliche Hinrichtungen heute sonst nur noch in Iran, Afghanistan, Somalia und Nordkorea.

Der Fall Hasan selbst ist unstrittig monströs. Der Armeepsychiater erschoss 2009 auf dem Militärstützpunkt Fort Hood 13 Menschen und verletzte 32 weitere, weil sie nach Afghanistan verlegt werden sollten. Ein Militärgericht verurteilte ihn 2013 zum Tode. Er sitzt seitdem querschnittsgelähmt im Rollstuhl im Todestrakt von Fort Leavenworth. Dass dieser Staat das Recht hat, dieses Urteil zu vollstrecken, bestreitet kaum jemand in den USA.

Aber Hegseth will mehr als Vollstreckung. Er will ein Spektakel. Unter dem Namen „Operation Resolute Justice“ sollen alle vier Insassen des militärischen Todestrakts hingerichtet werden. Er liebe, so wörtlich, „die Mentalität, die wir im Zweiten Weltkrieg hatten: gewinnen“. Die Inszenierung ist dabei bewusst: gleicher Ort, gleiche Uhrzeit, Soldaten als Henker. Es geht nicht um Gerechtigkeit, es geht um Rachepornografie für die eigene Basis.

Das perfide daran: Die Ankündigung kommt genau in der Woche, in der eine Hinrichtung per Giftspritze in Tennessee scheiterte. Die verurteilte Mörderin Christa Pike überlebte zwei Injektionen und liegt seitdem bewusstlos im Krankenhaus. Das System der sauberen, klinischen Tötung versagt, also kehrt man zurück zum Erschießungskommando – und verkauft den Rückschritt als Härte.



Hegseth, ehemaliger Fox-News-Moderator, versteht sich nicht als Verwalter eines Rechtsstaats, sondern als Produzent. Eine Hinrichtung muss Klicks bringen, sie muss teilbar sein, sie muss zeigen, dass Amerika wieder tötet wie früher. Dass das Death Penalty Information Center festhalten muss: „We have no record of any execution being livestreamed“, stört ihn nicht. Dass internationale Verträge, das Bild der USA und das Prinzip, dass ein Rechtsstaat nicht wie die Täter agieren sollte, all das wird unter „serious consequences“ verbucht.

Die USA haben sich seit 1936 bewusst gegen öffentliche Hinrichtungen entschieden, gerade weil sie den Mob anheizen. Hegseth will den Mob zurück. Am 3. Dezember um ein Uhr soll er seinen Livestream bekommen.

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