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X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken und fördert Desinformation…

Titelbild: Twitter/x, Beispielbild Pixabay

X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken und fördert Desinformation – diese Kritik hört man inzwischen sehr häufig, doch sie bleibt einseitig und blendet die Entwicklung der Plattform stark aus. Vor dem Eigentümerwechsel 2022 war Twitter keineswegs ein Ort offener, ausgewogener Debatten, sondern ein vermientlich zensiertes Medium, in dem vor allem kritische Stimmen zu Corona-Maßnahmen, Migration, Geschlechterthemen, Wahlen oder Regierungspolitik systematisch gedrosselt, gelabelt oder gelöscht wurden.



Viele Inhalte, die damals als „Desinformation“ gebrandmarkt wurden – etwa der Hunter-Biden-Laptop, die Lab-Leak-Theorie oder Zweifel an der Dauerwirksamkeit von Lockdowns und Masken – stellten sich später als richtig oder zumindest ernsthaft diskussionswürdig heraus. Die alte Führung arbeitete eng mit Regierungen und Behörden zusammen, wie die Twitter Files später detailliert belegten.Seitdem hat sich die Plattform grundlegend verändert.
Es gibt deutlich weniger zentrale Zensur, wodurch kontroverse Meinungen von links wie von rechts sichtbarer werden.
Für viele Nutzer, die zuvor in einer relativ homogenen Blase gelebt haben, fühlt sich diese neue Offenheit wie Chaos an. In Wirklichkeit ist es aber genau der Austausch, den politische Debatten eigentlich brauchen: unterschiedliche Perspektiven stoßen aufeinander, werden sichtbar und können öffentlich hinterfragt werden.
Das Tool Community Notes hat sich dabei als eines der wirksamsten Mittel gegen Fehlinformationen erwiesen, das je auf einer großen Plattform existierte – oft schneller und glaubwürdiger als ideologisch geprägte Faktenchecker.Natürlich gibt es auf X weiterhin Trolle, Übertreibungen, Bots und bewusste Falschmeldungen. Das war allerdings auf keiner großen Plattform je anders. Der entscheidende Unterschied liegt in der Transparenz: Reichweiten, Moderationsentscheidungen und staatliche Löschersuchen werden offener kommuniziert.
Viele alarmierende Studien, die X als „Desinformations-Hotspot“ darstellen, stammen zudem von Organisationen mit klarer eigener Agenda und verwenden oft fragwürdige Methoden wie selektive Auswahl oder fehlende Vergleiche mit früheren Jahren.Wer sich bewusst aus X zurückzieht, erreicht vor allem Menschen, die ohnehin ähnlich denken – auf Bluesky, Threads oder in traditionellen Medien. Das mag angenehmer sein, ist aber kein echter Austausch mehr, sondern bloße Bestätigung des eigenen Weltbilds. X bleibt trotz aller Macken und Provokationen der Ort mit der höchsten Dichte an Echtzeit-Informationen, wo Journalisten, Politiker, Wissenschaftler und Bürger direkt miteinander konfrontiert werden. Viele, die laut „Ich bin raus!“ posten, kehren früher oder später doch zurück, weil die Alternative oft steriler, stärker kuratiert und informationsärmer ist.



Man muss X nicht lieben oder ständig nutzen. Aber die pauschale Erzählung, früher sei alles besser gewesen und heute herrsche nur noch chaotische Desinformation, hält einer genaueren Betrachtung nicht stand. Die Plattform ist nicht chaotischer geworden – sie ist einfach weniger einseitig kontrolliert als früher. Und genau das ist für eine lebendige Demokratie und echte Debattenkultur ein Gewinn, kein Verlust.

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