Titelbild: All copyrightts by kasaan media, 2026
Heute habe ich wieder das alte Foto betrachtet, das ich damals auf dem Markt in Pietermaritzburg gekauft und nun mit viel Sorgfalt nachkoloriert habe. Es hängt nun als Titelfoto über meiner Tagebucheintragung, und jedes Mal, wenn mein Blick darauf fällt, fühlt es sich an, als würde der junge Bursche selbst im Raum stehen.
Er ist höchstens vierzehn oder fünfzehn Jahre alt – ein typischer, einer jener halbwüchsigen Jungen, die in den burischen Kommandos mitritten.
Mit seinem breitkrempigen Slouch-Hat, der dunklen Jacke mit hohem Kragen, dem breiten Mauser-Bandolier voller Patronen schräg über der Brust und dem langen Mauser-Gewehr in der Hand, das wahrscheinlich in Johannesburg besorgt wurde, wirkt er ernst und entschlossen, fast schon zu reif für sein junges Alter.
Ich bin überzeugt, dass genau dieser Junge bei oder in der Nähe von Harrismith gefallen ist, dort in den Hügeln und Weiten des Oranje-Vrijstaat, wo das Harrismith Commando während des Zweiten Vryheidsoorlogs so schwer zu leiden hatte.
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Der Krieg, der im Oktober 1899 begann, ging nach den ersten großen Schlachten in eine lange, zähe Guerilla-Phase über. Nachdem die Briten 1900 Pretoria und Bloemfontein besetzt hatten, zogen sich die Buren nicht zurück, sondern wechselten zur beweglichen Kriegsführung. Kleine, flexible Kommandos von zwanzig bis hundert Mann, meist zu Pferd, kannten jedes Kopje, jede Donga und jede Senke des Velds.
Sie schlugen aus dem Hinterhalt zu, überfielen Nachschubkolonnen, sprengten Eisenbahnlinien, griffen isolierte Blockhäuser an und verschwanden wieder, bevor die überlegene britische Armee reagieren konnte.
Diese Guerilla-Taktik, meisterhaft ausgeführt von Führern wie Christiaan de Wet und Koos de la Rey, hielt die Briten monatelang in Schach und machte den Krieg für sie teuer und zermürbend.
Auch die jungen Penkoppe wie unser Junge hier waren Teil dieser Formation – sie ritten als Späher, Melder oder Munitionsträger mit, hielten Wache und legten sich in manchen Nächten selbst hinter das Gewehr.
Mit vierzehn oder fünfzehn Jahren trugen sie bereits Verantwortung, die für Erwachsene schwer genug gewesen wäre.Die Briten antworteten mit brutaler Härte: Versengte Erde, niedergebrannte Farmen, zerstörtes Vieh und die berüchtigten Konzentrationslager, in denen Zehntausende burische Frauen und Kinder litten und starben.
Harrismith wurde zu einem Zentrum dieser Unterdrückung. In dieser grausamen Endphase des Krieges, der bis 1902 dauerte, fielen viele junge Burschen wie er in kleinen Scharmützeln oder Nachtangriffen.
Vielleicht war es genau dort, in der Umgebung von Harrismith, wo sein Leben endete.
Wenn ich das nachkolorierte Bild anschaue – das Grün des Velds, das Braun und Schwarz seiner Kleidung, der Glanz des Gewehrlaufs –, sehe ich nicht nur einen gefallenen Jungen. Ich sehe den Beginn einer tiefen Wunde, die später zur Grundlage der Apartheid wurde.
Der Zweite Oorlog hat das burische Volk in seinem Stolz und seiner Existenz zutiefst verletzt.
Die Demütigung der Niederlage, der Verlust der Unabhängigkeit, die Zerstörung der Farmen und die Leiden in den Lagern schufen ein Trauma, das nie ganz verheilte.
Aus diesem Gefühl der Bedrohung, der Angst, wieder unter fremde Herrschaft zu geraten, entstand später der Drang, die eigene Identität und die Vorherrschaft der weißen Afrikaner mit allen Mitteln zu sichern. Der Zweite Oorlog war für mich der eigentliche Samen, aus dem die Apartheid Jahrzehnte später wuchs – eine bittere Antwort auf eine bittere Erfahrung.
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Er war nur ein Junge von vielleicht vierzehn Jahren, mit einem zu großen Gewehr und einem zu ernsten Gesicht, doch er verkörpert für mich den unbeugsamen Geist jener Zeit. Sein Foto wurde wahrscheinlich kurz vor seinem Aufbruch in Johannesburg oder Pietermaritzburg aufgenommen, als letztes Andenken. Nun, Jahre später, habe ich es gerettet und ihm Farbe gegeben, damit er nicht in der Vergessenheit versinkt.
Morgen werde ich ihn wieder anschauen und mich fragen, welche seine letzten Gedanken waren, dort in den Drakensbergen oder auf der Ebene, während die Guerilla-Kommandos noch einmal zuschlugen. Heute schreibe ich nur nieder: Er war hier.
Er hat gelebt. Er ist bei Harrismith gefallen. Das Foto lag, so erzählte der Verkäufer, Jahre auf dem Dachboden einer Farm. Ein Arbeiter hatte es angeblich vor dem Zweiten Weltkrieg in einer Ledertasche aufgefunden. Das kann ich mir gut vorstellen.
Durch dieses Bild wird seine Geschichte nicht sterben – und mit ihr die Erinnerung daran, wie der Zweite Oorlog die Grundlage für alles legte, was später folgte.
In Afrikaans:
