Titelbild: Beispielbild Pixabay
Heute steht Baden-Württemberg vor einem der spannendsten Wahltage seiner jüngeren Geschichte, denn an diesem Sonntag wählen die Bürgerinnen und Bürger einen neuen Landtag. Es handelt sich um die Wahl zum 18. Landtag seit Bestehen des Bundeslandes, und sie markiert gleichzeitig das Ende einer langen Ära.
Winfried Kretschmann, der seit 2011 als erster und bislang einziger grüner Ministerpräsident in Deutschland amtierte, tritt nach über 15 Jahren nicht mehr an.
Damit geht eine Phase zu Ende, in der die Grünen in Baden-Württemberg bundesweit einmalig stark waren und das Land gemeinsam mit der CDU in einer stabilen grün-schwarzen Koalition regierten.
![]()
Die Wahl findet unter besonderen Bedingungen statt, denn erstmals gilt ein grundlegend reformiertes Wahlrecht. Neben der bekannten Erststimme für den Direktkandidaten im jeweiligen Wahlkreis gibt es nun auch eine Zweitstimme für die Landeslisten der Parteien, ähnlich wie bei Bundestagswahlen. Gleichzeitig dürfen Jugendliche ab 16 Jahren wählen, was die Zahl der Erstwählerinnen und Erstwähler deutlich in die Höhe treibt – insgesamt sind rund 7,7 Millionen Menschen wahlberechtigt, so viele wie nie zuvor. Gewählt wird in 70 Wahlkreisen, und der Landtag wird mindestens 120 Sitze umfassen, wobei Überhang- und Ausgleichsmandate die tatsächliche Zahl wieder erhöhen können.
Der Wahlkampf war geprägt von einem extrem knappen Rennen an der Spitze zwischen den beiden großen Lagern.
Die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Manuel Hagel und die Grünen unter Cem Özdemir liefern sich seit Monaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wobei Umfragen mal die eine, mal die andere Partei leicht vorne sahen – oft nur um ein bis drei Prozentpunkte getrennt.
Beide Seiten kämpfen darum, stärkste Kraft zu werden und damit die besten Karten für die Regierungsbildung in der Hand zu halten. Die Grünen setzen dabei stark auf Kontinuität in den Bereichen Klimaschutz, Bildung und innovative Wirtschaftspolitik, während die CDU stärker auf wirtschaftliche Stabilität, innere Sicherheit und eine moderate Anpassung der bisherigen Politik setzt.
Die amtierende grün-schwarze Koalition hat in den letzten Jahren viel bewegt, etwa beim Ausbau erneuerbarer Energien und der Digitalisierung, doch Themen wie hohe Energiepreise, bürokratische Hürden für den Mittelstand und die angespannte Lage im Bildungssystem haben beiden Parteien auch Kritik eingebracht.
Auf den weiteren Plätzen liegt die AfD mit Werten um die 18 bis 20 Prozent klar drittstärkste Kraft, wobei alle etablierten Parteien eine Zusammenarbeit mit ihr ausschließen.
SPD und FDP kämpfen derzeit um den Wiedereinzug oder zumindest um stabile Ergebnisse im einstelligen Bereich, während Die Linke und kleinere Gruppierungen ebenfalls antreten. Insgesamt sind 21 Parteien mit Landeslisten zugelassen, was den Stimmzettel entsprechend lang und vielfältig macht. Viele Wählerinnen und Wähler nutzen Tools wie den Wahl-O-Mat, um ihre Positionen mit den Parteiprogrammen abzugleichen.
![]()
Der heutige Wahltag beginnt um 8 Uhr mit der Öffnung der Wahllokale und endet um 18 Uhr. Danach werden zunächst Prognosen erwartet, gefolgt von Hochrechnungen im Laufe des Abends. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird voraussichtlich in der Nacht oder am frühen Montag vorliegen.
Danach beginnen die Verhandlungen über eine neue Regierung – ob es bei Grün-Schwarz bleibt, ob eine andere Mehrheit möglich wird oder ob gar ein Regierungswechsel ansteht, hängt vom exakten Ausgang ab. Fest steht, Baden-Württemberg entscheidet heute über seine politische Richtung für die kommenden fünf Jahre, und das Land blickt gespannt auf die Ergebnisse aus den 1.101 Städten und Gemeinden.
