Titelbild: Lager von Frauen bei Kroonstad, ki, kasaan media, 2036
Im Zweiten Burenkrieg (1899–1902), auch als Südafrikanischer Krieg bekannt, geriet die afrikaanssprachige Bevölkerung – vor allem die Frauen, Kinder und älteren Menschen der Buren – in eine der tragischsten Phasen ihrer Geschichte, als die britische Armee unter Lord Roberts und später Lord Kitchener eine systematische Politik der verbrannten Erde umsetzte.
Diese Strategie zielte darauf ab, den Guerillakrieg der burischen Kommandos zu brechen, indem man ihnen jegliche Versorgungsbasis entzog. Farmen wurden in großem Stil niedergebrannt, Viehbestände vernichtet oder beschlagnahmt, Brunnen vergiftet und die gesamte ländliche Infrastruktur zerstört – Schätzungen gehen von bis zu 30.000 zerstörten oder schwer beschädigten Farmhäusern aus. Die burischen Familien, die auf diese Weise obdachlos und ohne Nahrungsmittelvorräte zurückblieben, strömten in die wenigen noch existierenden Ortschaften oder wurden direkt von britischen Truppen aufgegriffen und in eigens errichtete Konzentrationslager gebracht.
Eines der größten und am stärksten betroffenen Lager entstand in Kroonstad im Oranje-Freistaat.
Die Stadt war zwischen März und Mai 1900 kurzzeitig sogar die provisorische Hauptstadt des Oranje-Freistaats gewesen, bevor die Briten sie einnahmen.
Ab September 1900 begann man dort mit der Internierung, und das Lager wuchs rasch auf mehrere Tausend Insassen an – bis Ende März 1901 zählte es bereits über 2.500 Menschen, später weit mehr. Die Mehrheit der Internierten waren Frauen und Kinder, da die Männer entweder noch auf Kommando kämpften oder bereits in Gefangenenlagern außerhalb Südafrikas (z. B. auf St. Helena, Ceylon oder Bermuda) interniert waren.
Kroonstad lag strategisch an der Eisenbahnlinie, was den Abtransport und die Versorgung erleichtern sollte, doch genau diese Nähe führte auch zu katastrophalen hygienischen Verhältnissen.
Die Lager wurden in aller Eile errichtet, oft nur mit Zelten oder provisorischen Unterkünften aus Segeltuch und Wellblech. In Kroonstad fehlten von Anfang an ausreichend Unterkünfte, sanitäre Anlagen, sauberes Trinkwasser und angemessene Nahrungsmittelrationen. Das Wasser wurde aus dem Valsch River gepumpt und nur unzureichend gefiltert, was Typhus, Dysenterie und Durchfallerkrankungen explosionsartig ausbreitete.
Die Rationen – meist Maismehl, etwas Fleisch und gelegentlich Milch für Kinder – reichten kaum aus, um Unterernährung zu verhindern, besonders da viele Familien bereits geschwächt und krank ankamen. Kinder litten besonders stark, weil Muttermilch ausfiel und Kuhmilch oft verdünnt oder verdorben war. Epidemien breiteten sich rasend schnell aus; Typhus und Masern forderten in Kroonstad Tausende Opfer.
Die Sterblichkeit erreichte in Kroonstad und ähnlichen Lagern im Hochsommer 1901/02 dramatische Höhen. Insgesamt starben im Lager Kroonstad über 1.700 bis 2.000 Menschen – genaue Zahlen schwanken je nach Quelle zwischen etwa 1.704 dokumentierten Todesfällen und Schätzungen von über 2.000 –, wobei der überwiegende Teil Kinder unter 15 Jahren waren. Die Todesrate lag zeitweise bei Hunderten pro 1.000 Einwohner und Jahr, weit höher als in den meisten europäischen Städten jener Zeit. Ärzte und Pflegepersonal waren anfangs völlig überfordert; erst mit zunehmendem öffentlichen Druck – vor allem durch die Berichte der britischen Aktivistin Emily Hobhouse, die die Lager besuchte und die katastrophalen Zustände anprangerte – sowie durch die Arbeit der Ladies‘ Commission und die Übernahme der Lagerverwaltung durch zivile Behörden unter Alfred Milner ab November 1901 verbesserten sich die Bedingungen allmählich. Bis dahin aber hatte das Massensterben bereits tiefe Wunden in die afrikaanssprachige Gemeinschaft geschlagen.
Insgesamt verloren im gesamten Lagersystem der Briten etwa 27.000 bis 28.000 Buren (meist Frauen und Kinder) ihr Leben, dazu kamen mindestens 14.000 bis 20.000 schwarze Afrikaner in separaten „black camps“. In Kroonstad spiegelt sich dieses Leid besonders drastisch wider: Der heutige Konzentrationslager-Friedhof in der Stadt birgt Tausende Gräber, oft nur mit einfachen Steinen markiert, und gilt als mahnendes Denkmal für die Opfer. Viele Afrikaner sahen und sehen in diesen Lagern bis heute einen Versuch, die burische Bevölkerung gezielt zu schwächen oder gar zu vernichten – auch wenn Historiker betonen, dass es sich nicht um einen planmäßigen Genozid handelte, sondern um die katastrophale Folge militärischer Notwendigkeit, Inkompetenz, mangelnder Vorbereitung und einer als „Kollateralschaden“ akzeptierten hohen Zivilopferzahl.
Das Trauma von Kroonstad und den anderen Lagern prägte die afrikaanssprachige Identität nachhaltig. Es nährte den Hass auf die Briten, befeuerte den burischen Nationalismus und trug später wesentlich zur Entstehung der Apartheid-Ideologie bei, die sich als Schutz der „eigenen“ Kultur verstand. Bis in die Gegenwart erinnern Gedenkstätten und Friedhöfe in Kroonstad an jene Monate, in denen Tausende Kinder, Frauen und Alte qualvoll starben – ein dunkles Kapitel, das die afrikaanssprachige Bevölkerung fast um eine ganze Generation gebracht hat.
