Titelbild: Screenshot n-tv und youtube
Innerhalb weniger Tage wurden in Europa mehr als zwei Dutzend Passagierflüge durch Bombendrohungen gestört. Flugzeuge mussten umgeleitet werden, Kampfjets stiegen auf, Flughäfen wurden zeitweise in Alarmbereitschaft versetzt. Obwohl bislang in keinem der betroffenen Flugzeuge Sprengstoff gefunden wurde, sorgt die Häufung der Vorfälle für erhebliche Unruhe. Die entscheidende Frage bleibt: Wer steckt dahinter?
Die jüngsten Zwischenfälle betrafen Fluggesellschaften wie Aer Lingus, Ryanair, Wizz Air, Finnair, LOT und Aegean Airlines. Allein an einem Tag gingen Drohungen gegen zahlreiche Maschinen ein, die auf Strecken zwischen Irland, Italien, Bulgarien, Polen, Rumänien, Österreich und weiteren europäischen Ländern unterwegs waren. Mehrere Flugzeuge wurden von Militärjets begleitet oder zu außerplanmäßigen Landungen gezwungen. In sämtlichen Fällen verliefen die anschließenden Durchsuchungen ohne Fund eines Sprengsatzes.
Auffällig ist vor allem die geographische Breite der Vorfälle. Die Drohungen trafen Flugverbindungen quer durch Europa und verursachten erhebliche Störungen im Luftverkehr. Genau dies lässt einige Sicherheitsexperten vermuten, dass es weniger um konkrete Anschlagspläne als um die Erzeugung von Unsicherheit und hohen Kosten geht. Jede Bombendrohung löst einen aufwendigen Sicherheitsapparat aus: Flugzeuge müssen untersucht, Passagiere betreut und Einsatzkräfte mobilisiert werden. Bereits eine einzige E-Mail kann tausende Reisende betreffen und hohe Kosten verursachen.
Besonders interessant ist die Diskussion über sogenannte hybride Angriffe. Darunter versteht man Maßnahmen, die darauf abzielen, Staaten oder Gesellschaften gezielt zu destabilisieren, ohne einen offenen militärischen Konflikt auszulösen. Experten weisen darauf hin, dass der Luftverkehr wegen seiner hohen Vernetzung ein attraktives Ziel für solche Störaktionen sein könnte. Einige Beobachter verweisen darauf, dass viele der betroffenen Länder die Ukraine unterstützen und bereits in anderen Bereichen von Sabotage- oder Desinformationsvorwürfen betroffen waren. Dennoch betonen die Ermittler, dass bisher keinerlei belastbare Beweise für eine Beteiligung staatlicher Akteure vorliegen.
Eine andere Möglichkeit ist deutlich banaler: Die Drohungen könnten von Einzelpersonen oder kleinen Gruppen stammen, die gezielt Aufmerksamkeit suchen oder den Flugverkehr stören wollen. Die Geschichte der Luftfahrt zeigt, dass falsche Bombendrohungen immer wieder vorkommen. Neu ist jedoch die derzeitige Häufung und die internationale Dimension der aktuellen Serie.
Unabhängig davon, wer letztlich verantwortlich ist, zeigt die aktuelle Welle, wie verwundbar moderne Verkehrssysteme gegenüber anonymen Drohungen sind. Auch wenn sich die Warnungen bislang als Fehlalarme erwiesen haben, müssen Behörden jedes einzelne Ereignis ernst nehmen. Für Reisende bedeutet das Verspätungen und Umleitungen. Für Sicherheitsbehörden bedeutet es einen enormen Aufwand. Und für Europa ist es eine Erinnerung daran, dass Sicherheit im Luftverkehr heute nicht nur von physischen Gefahren, sondern zunehmend auch von digitalen und psychologischen Störaktionen herausgefordert wird.
Fazit: Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Täterschaft ungeklärt. Die wahrscheinlichste Aussage lautet daher nicht „Russland war es“ oder „eine Terrororganisation steckt dahinter“, sondern: Die Ermittlungen stehen noch am Anfang. Alles andere wäre Spekulation. Fest steht lediglich, dass die Drohserie europaweit erhebliche Auswirkungen hatte und genau dieses Chaos möglicherweise das eigentliche Ziel der Täter war.
