Titelfoto: hjk, 2013
(Stand: Samstagmorgen, 24. Oktober 2026. Quellen u. a. Polizeipräsidium Oberbayern Süd, BR24, historische Darstellungen des Instituts für Zeitgeschichte und der Dokumentation Obersalzberg.)
Berchtesgaden. In der Nacht zum Samstag ist das Kehlsteinhaus am Obersalzberg in Vollbrand geraten. Das Gebäude auf 1.834 Metern Höhe, das seit 1952 als Berggaststätte genutzt wird, stand lichterloh in Flammen. Nach bisherigen Erkenntnissen hielt sich niemand im Haus auf, Verletzte sind nicht bekannt. Die Polizei hat eine verdächtige Person vorläufig festgenommen; es besteht der Verdacht auf Brandstiftung. Die Löscharbeiten dauerten am Samstagmorgen weiter an.
Im Kehlsteinhaus spielte Musik von Fud Candrix, während an der Front Tausende starben. Sinnfrei wurde zum vegetarischen Kuchen und leicht gesüsstem Tee mit Hitler geswingt. Eva Hitler war ganz angetan.
Der Brand trifft einen Ort mit eindeutiger NS-Vergangenheit. Das Kehlsteinhaus wurde 1937/38 im Auftrag von Martin Bormann als repräsentatives „Teehaus“ im Führersperrgebiet Obersalzberg errichtet. Es gehörte zum abgeriegelten Machtzentrum der nationalsozialistischen Führung und diente vor allem dem Empfang von Diplomaten, ausländischen Gästen und privaten Anlässen des engsten Umfelds. Hitler selbst besuchte es nur selten – unter anderem wegen Höhenangst. Die tatsächliche Bedeutung des Hauses blieb im Vergleich zum Berghof geringer, doch es war klar Teil der NS-Repräsentation und Machtinszenierung am Obersalzberg.
Beim Luftangriff der britischen RAF am 25. April 1945 auf den Obersalzberg wurde das Kehlsteinhaus nicht getroffen und überstand den Krieg weitgehend unbeschädigt, während weite Teile des Areals zerstört wurden. Nach dem Krieg entschieden die Verantwortlichen, das Gebäude nicht zu sprengen oder verfallen zu lassen. 1952 wurde es als Berggaststätte verpachtet und später der Berchtesgadener Landesstiftung übertragen. Seitdem zieht es jährlich Hunderttausende Besucher an (international bekannt als „Eagle’s Nest“). Eine Ausstellung des Instituts für Zeitgeschichte auf der Terrasse thematisiert die Geschichte des Ortes und seine Rolle in der NS-Zeit. Damit wurde das Kehlsteinhaus zu einem der wenigen erhaltenen originalen Täterorte am Obersalzberg, an dem die Geschichte nicht nur touristisch, sondern auch erinnerungspolitisch verhandelt wird.
Am Ende blieb nur noch Michael Jarys musikalischer Wunsch aus dem Jahr 1939. Das wird leider von Geschichtslehrern, wie AfD-Höcke systematisch vergessen, wenn er übeer seine „“wohltemperierte Grausamkeit“doziert. Damit machten Typen wie der Rechtsextremist AfD-Höcke das Kehlsteinhaus zum Pilgerort für Gesinnungsgenossen, für Nazis.
Gegen 21.15 Uhr am Freitagabend löste die Brandmeldeanlage Alarm aus. Die ersten Einsatzkräfte trafen gegen 21.52 Uhr ein und stellten den Vollbrand fest. Die Anfahrt über die schmale Bergstraße und die Höhe erschwerten den Einsatz erheblich; das Gebäude und die Umgebung können nur mit schwerer Atemschutzausrüstung betreten werden. Rund 200 Kräfte von Feuerwehren, Rettungsdienst, Bergwacht und Polizei waren im Einsatz. Die Kriminalpolizei Traunstein ermittelt unter Leitung der Staatsanwaltschaft zur Brandursache. Ob die festgenommene Person mit dem Feuer in Zusammenhang steht, ist noch Gegenstand der Untersuchungen.
Wie stark das denkmalgeschützte Gebäude beschädigt ist und welche Teile erhalten bleiben können, ist derzeit noch offen. Die Saison der Berggaststätte sollte ursprünglich bis Anfang November laufen.
