Bücher Kurzgeschichten

PAK- der Freizeitpark

Titelbild: PAK – der Freizeitpark, KI, kasaan media, 2026

PAK – Der Freizeitpark

Fiktionale Satire. Alle Figuren, Orte und Handlungen sind erfunden. Die Überspitzung dient der Anklage, nicht der Verherrlichung.



Es begann mit einem Buch, das er nie verstanden hat. Juche. Tausend Seiten, der Mensch als Herr über alles. Er war zu dumm und zu schlecht erzogen, um die Schriftzeichen zu begreifen, also hat er es zerfleddert, vollgeweint, mit Appenzeller-Käse und französischem Cognac vollgeschmiert und hält es seitdem falsch herum. Aber das störte ihn nicht. Er beschloss: Wenn ich das Buch nicht verstehe, baue ich es nach. Als Freizeitpark. Für einen einzigen Besucher: Gott. Er selbst.

Er schlenderte durch seinen Park, die schönste Boshaftigkeit, die er sich ausdenken konnte. Ein Handbuch der Grausamkeit in bunt. Ein böser Serienmörder, entrückt, nirgendwo mehr, nicht in Pjöngjang, sondern in seinem eigenen, kranken Äther.

Der Viehwaggon

Pak ist kein Soldat. Er war nie einer. Er ist eine Puppe aus diesem Park, nur dass man vergessen hat, ihm die Fäden abzuschneiden.

Man hat ihn aus seinem Dorf geholt, weil die Quote nicht stimmte. Zwei Söhne pro Familie für die Front. Seine Mutter hatte nur ihn. Also hat man ihn zweimal gezählt. Einmal als Sohn, einmal als Schuld.

Sie haben ihn in einen Viehwaggon gekarrt. Kein Licht. Kein Fenster. Nur Luftschlitze, durch die der Schnee reinwehte. 80 Jungen, alle wie Pak. 17, 18, 19. Reisig in den Händen, damit es nach Gepäck aussah. Auf dem Boden stand in Kreide: Juche – Der Mensch ist Herr über alles. Jemand hatte darunter gekotzt. Niemand hat es weggewischt. Der Waggon fuhr drei Tage. Es gab kein Essen. Es gab eine Rede aus einem kaputten Lautsprecher über den Käse, den der Führer so liebe. Pak glaubte es. Hunger macht leichtgläubig. Das ist der erste Teil des Parks. Die Anreise.


Die Schiffsschaukel und das Orchester

Sein Rundgang begann bei der Schiffsschaukel. Er hatte sie als goldene Atombombe aus Holz gestaltet. Er schaukelte, lachte, weinte, vor ging der Frieden, zurück das Licht aus. Er liebte die Angst unten, es war der einzige Orgasmus, den er kannte.

Um 15 Uhr erreichte er das Orchester. Ein Bauer wurde reingezerrt, zwei Kühe im Schlepptau. „Singt für den Führer!“, befahl er. Während das Orchester Beethoven spielte und der Bauer unter dem Druck der Kühe flehte, ein müdes Muuh aus ihnen herauszupressen, lachte Kim. Er weinte kurz, weil die Kühe ihn ignorierten, dann befahl er die Strafe für den Bauern. Logisch. Zynisch. Juche.

Das Labyrinth

Dann kam sein Lieblingsstück. Das Labyrinth. Kein Vergnügen. Ein Versuch.

Er ließ es aus nacktem Beton bauen, hoch, nass, ohne Dach. Drinnen laufen seit Tagen Gestalten. Frierend. Durstig. Sie haben keinen Namen mehr, nur Nummern, die man ihnen mit Edding auf die Stirn geschrieben hat. Sie irren. Seit Tagen. Sie finden keinen Ausgang, weil es keinen gibt. Nur Gänge, die sich gleichen.

Die Regel ist einfach. Wer fällt, wird bestraft. Wer stolpert, wird geschlagen. Wer liegen bleibt, wird übergossen mit Eiswasser, damit er wieder friert und weiterläuft. Aus Lautsprechern kommt seine Stimme, ganz sanft, ganz väterlich. Steht auf! Ihr seid doch Herren über alles.

Das ist sein besonderes Verhältnis zum Quälen. Er quält nicht, um zu töten. Töten wäre zu schnell. Er quält, um zuzusehen, wie sie sich selbst quälen. Wie sie weiterlaufen, obwohl es keinen Grund mehr gibt. Er sitzt oben auf dem Turm in der Mitte, mit einer Decke und seinem Cognac, und schaut hinab. Manchmal wirft er ein Stück Käse runter. Nur um zu sehen, wie sie sich darum prügeln. Dann weint er, weil sie so gierig sind.

Pak kennt das Labyrinth. Er ist schon zwei Mal im Kreis gelaufen. Seine Füße bluten. Er fällt. Jedes Mal kommt der Schlag. Er steht wieder auf.

Und am Ende des Labyrinths, das hat er sich ganz besonders ausgedacht, gibt es einen Preis. Wenn jemand den Weg findet, wirklich den ganzen Weg, dann wartet dort kein Ausgang. Nur ein Schild: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH. DU HAST GEWONNEN. DU DARFST DEN WEG JETZT WIEDER ZURÜCKLAUFEN.

Das ist der Gewinn. Man darf noch einmal leiden.


Das Karussell und die Moorhuhn-Halle

Danach, fast beschwingt von seiner eigenen Grausamkeit, kam er am „Demokratie“-Karussell vorbei. Bunt, mit Plastikblumen, die nie welkten. Die Leute saßen in Kabinen aus Glas. Er schaute durch, drückte auf seinem Pult „Ja“. Wenn sie zitternd den Knopf drückten, fiel Konfetti. Wenn nicht, fielen sie in den Keller.

Im Keller wurde es ernst. Auf zwei Bildschirmen programmierte er Hühner mit Trump-Frisuren. PENG. Er über-tötete sie, bombardierte virtuell Seoul, fuhr mit seinem goldenen Panzer durch den Süden, den er so hasste, weil dort Dinge funktionierten.

Dann wechselte er auf den dritten Bildschirm. Den echten. Die Drohnenaufnahme aus Kursk. Da war Pak. Wieder. Der kleine Soldat im Schlamm. Man hatte ihm eine Handgranate gegeben und gesagt: Wenn du gefangen wirst, stirb als Held. Pak hielt die Granate wie ein rohes Ei. Aber sein Magen knurrte so laut, dass es im Funk knackte. Ich kann nicht hungrig sterben, dachte Pak und kaute auf Graswurzeln.
Kim beobachtete ihn und rauchte zitternd eine Zigarette, nicht vor Trauer, sondern vor Geilheit. Dann klappte er den Laptop zu und checkte den Lazarus-Kryptobankraub. So bezahlt man den Park.

Der Glitch

Um 23:59 Uhr geschah der Glitch. Der Computer stürzte ab. Das Bild von Trump verschwand, und plötzlich war er es selbst. Kim als Moorhuhn. Mit Joker-Schminke, die im Schlamm verlief. Er schwamm in einer Welle aus Blut aus dem echten Graben, wo Pak noch immer lag.

Für eine Sekunde waren sie vertauscht. Kim war die Puppe im Viehwaggon. Kim lag im Labyrinth. Nackt, frierend, durstig. Er konnte nicht schießen. Er stieß nur ein müdes Muuh aus. Er rief nach dem Teufel, doch der hatte gerade Pause. Seine Schwester schaute weg.


Dann: Neustart. „YOU WIN“, blinkte es. Du darfst den Weg wieder zurücklaufen.

Er wischte sich die Tränen ab, lachte laut, und drückte auf Weiter. Unten im Labyrinth saß Pak, die Fäden zerschnitten, und wusste nicht, dass er schon gewonnen hatte.

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