Titelbild: LPD SteiermarkIn einem abgelegenen Waldstück in der Steiermark in Österreich wurde im Mai 2025 die Leiche eines unbekannten Mannes entdeckt, die bereits viele Jahre dort gelegen hatte und nun durch ein auffälliges Radtrikot eine vielversprechende Spur nach Deutschland weist.
Der Fundort liegt im Bretsteingraben nahe Oberzeiring im Bezirk Murtal, in der Nähe einer Wildtierfütterung. Der Tote, der offenbar als Radfahrer unterwegs gewesen war, trug ein graues Radtrikot sowie weitere Sportbekleidung wie eine schwarze lange Jogginghose, eine schwarze Regenjacke der Marke Adidas, ein dunkelblaues Langarm-Radtrikot und eine kurze schwarze Radlerhose. Neben ihm wurde ein schwarzes Fahrrad der Marke Cube gefunden, das in den Jahren 2003 bis 2007 in Deutschland vertrieben worden war.
Der Zustand der sterblichen Überreste deutete darauf hin, dass der Mann bereits zwischen 2014 und 2019 verstorben sein musste. Eine genaue Todesursache ließ sich aufgrund der fortgeschrittenen Verwesung nicht mehr feststellen, ein Fremdverschulden kann jedoch nicht ausgeschlossen werden.
Bemerkenswert ist die Vorgeschichte des Fundes: Ein Jäger hatte die Leiche offenbar bereits 2014 oder 2015 entdeckt, sie jedoch nicht der Polizei gemeldet, um die Wildtiere in seinem Revier nicht zu stören. Erst Jahre später, als der Grundbesitz übergeben werden sollte, zeigte er den Fund schließlich an. Dadurch geriet der Fall erst 2025 ins Rollen. Trotz umfangreicher Ermittlungen, DNA-Analysen und Abgleichen mit Vermisstenfällen in Österreich und international blieb die Identität des Mannes zunächst ein Rätsel. Anthropologische Gutachten schätzen ihn auf ein Alter zwischen 40 und 60 Jahren bei einer Körpergröße von etwa 1,60 bis 1,70 Metern.
Die entscheidende Wende brachte nun das graue Radtrikot, das die Ermittler des Landeskriminalamts Steiermark genauer untersuchten.
Es handelt sich um ein Modell, das in Italien hergestellt und im Raum Bremen von der „National Cycling Academy“ (NCA) an Absolventen von Spinning-Kursen in den Jahren 2008 und 2009 ausgegeben wurde. Da aus dieser Zeit keine detaillierten Aufzeichnungen mehr existieren, hoffen die Behörden nun dringend auf Hinweise aus Deutschland. Cheffahnder Andreas Dirnberger appellierte besonders an Personen aus dem Bremer Raum: Vielleicht erkennt jemand das Trikot wieder, erinnert sich an einen Kursteilnehmer oder vermisst seit vielen Jahren einen Angehörigen, Freund oder Bekannten. Jeder Hinweis könnte helfen, dem Toten endlich einen Namen zu geben.
Die Polizei hat Fotos des Trikots und des Fahrrads veröffentlicht und setzt auf die Öffentlichkeit, unter anderem in der Sendung „Fahndung Österreich“ auf ServusTV. Der Cold Case erhält dadurch neue Dynamik, und die Spur führt klar über die Grenze nach Norddeutschland. Ob der Unbekannte selbst aus Deutschland stammte oder dort lediglich Verbindungen hatte, wird derzeit intensiv geprüft. Der Fall zeigt einmal mehr, wie ein einzelnes Kleidungsstück in einem lange ungelösten Rätsel zum Schlüsselfaktor werden kann. Die Ermittlungen laufen weiter, mit der Hoffnung, dass bald Klarheit über das Schicksal des Radfahrers gewonnen werden kann.
Vorheriger Beitrag
Nächster Beitrag
Themenverwandte Artikel
- Kommentare
- Facebook Kommentare
