Flora und Fauna

Interview mit „Lizzy die Mauereidechse“


Eine sonnige Mauerritze im 3. Stock eines alten Hauses in Europa.



Das „Apartment“ ist eine enge Spalte zwischen zwei warmen Ziegelsteinen. Lizzy liegt entspannt da, den Schwanz lässig über den Rand hängend – bis das Thema auf den Klimawandel kommt.
Interviewer (I): Guten Tag, Lizzy. Danke, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Wie lebt es sich als Mauereidechse im Jahr 2026?



Lizzy: Servus. Na ja, „leben“ ist relativ. Ich hab ein 1-Zimmer-Apartment in der Mauerritze. Südwestlage, perfekte Sonneneinstrahlung von 10 bis 16 Uhr. Miete zahle ich in Fliegen und gelegentlichen Mücken. Ist aber teurer geworden – die Spinnen wollen neuerdings auch Provision.
I: Wie sieht dein Alltag aus?



Lizzy: Morgens erstmal Thermoregulation. Ich leg mich flach auf den Stein, mach die Bauchseite warm, bis ich bei 32 Grad Körpertemperatur bin. Dann geht’s auf Insektenjagd. Mittags Siesta in der Ritze. Nachmittags nochmal sonnen, abends guck ich, ob der Kater vom Nachbarn wieder vorbeischleicht. Und nachts zitter ich, weil die Steine kalt werden. Typisches Eidechsen-Leben halt.
I: Du hast vorhin schon die ständige Angst vor Vögeln erwähnt…Lizzy: (zuckt zusammen und zieht den Schwanz blitzschnell in die Ritze) Psst! Nicht so laut! Die hören alles! Ich hab schon drei Schwänze in diesem Jahr verloren.



Einer wegen einem Spatz, einer wegen einer Amsel und der letzte wegen so einem verdammten Milan, der plötzlich aus dem Nichts kam. Jedes Mal wächst er nach, aber die Farbe passt nie richtig. Der letzte ist irgendwie grünlich geworden. Ich seh aus wie ein TikTok-Filter.
I: Wie gehst du mit dieser ständigen Bedrohung um?
Lizzy: Autotomie-Training. Ich übe jeden Tag, den Schwanz abzuschmeißen, ohne dass es wehtut. Ist wie ein Notfall-Auswurf. Aber ehrlich? Die Psychologie ist scheiße. Man lebt in permanenter Schwanz-Angst. Deshalb hab ich mir ein neues Motto zugelegt: „Carpe caudam – solange du ihn noch hast.“
I: Lass uns über Umweltprobleme sprechen. Wie wirkt sich der Klimawandel auf euch Eidechsen aus?



Lizzy: (wird plötzlich ganz still, ihre Kehle pulsiert nervös)
Also… das ist der Teil, bei dem ich nachts nicht mehr richtig schlafen kann. Früher war der Sommer schön lang und warm – genau wie wir Eidechsen es lieben. Jetzt? Entweder brennt die Mauer wie die Hölle, oder es regnet drei Wochen durch und ich muss in der Ritze schwimmen. Die Insekten sind auch fast weg. Früher hatte ich abends ein Büfett aus 50 Mücken. Heute muss ich mich mit drei traurigen Fliegen begnügen, die schon halb tot sind.
Aber das Schlimmste ist die Angst. Die richtige, tiefe Klimawandelangst.

Ich lieg da auf meinem Stein und denk plötzlich: Was, wenn die Temperaturen weiter so steigen? Dann wird’s irgendwann zu heiß für uns. Unsere Eier überleben nicht mehr bei über 35 Grad im Boden. Die Jungen schlüpfen gar nicht erst. Und wenn’s zu trocken wird, gibt’s keine Insekten mehr. Dann verhungern wir langsam auf unserer eigenen warmen Mauer.
Ich hab schon Albträume davon: Ich klettere die Mauer hoch und plötzlich ist alles nur noch heißer Beton ohne Ritzen, ohne Verstecke, ohne Sonne, die noch richtig schön ist. Nur noch grelles Licht und Vögel, die nicht mehr wegfliegen, weil sie auch nichts mehr zu fressen finden. Dann sitz ich da und kann nicht mal mehr meinen Schwanz abwerfen – weil es eh nichts mehr bringt.
Manchmal schau ich runter zu den Menschen und denk: Die reden so viel über den Klimawandel. Die haben Konferenzen, Apps und Greta. Aber ich? Ich hab nur diese eine kleine Ritze. Wenn die Welt kippt, hab ich keine zweite Wohnung und keinen Plan B. Dann bin ich einfach… weg.



I: Und die Weltpolitik? Beeinflusst die euch auch?
Lizzy: Klar. Die EU hat irgendwelche „Green Deal“-Sachen beschlossen. Super, dachten wir. Mehr Naturschutz. Stattdessen bauen die überall Solarpaneele direkt auf unsere Sonnenplätze. Jetzt lieg ich da und krieg nur noch Schatten von irgendwelchen chinesischen Panels. Danke, Brüssel.Und dann der Krieg in der Ukraine – die haben da irgendwo Getreidefelder bombardiert. Weniger Getreide heißt weniger Mäuse, heißt weniger Schlangen. Eigentlich gut für uns. Aber gleichzeitig kommen jetzt mehr hungrige Vögel aus dem Osten rüber, weil die Insekten dort auch weniger geworden sind. Also mehr Raubvögel über meiner Ritze. Geopolitik ist scheiße für kleine Echsen.
I: Gibt es denn auch positive Entwicklungen?
Lizzy: Die Eidechsen-Apps! Nein, Spaß. Aber ernsthaft: Manche Menschen lassen „Eidechsen-Hotels“ in ihren Gärten stehen. Kleine Steinhaufen mit Ritzen. Richtig luxuriös. Ich hab einen Cousin, der hat jetzt ein 5-Sterne-Apartment mit Moos-Polsterung und integriertem Regenwurm-Lieferservice. Neidisch bin ich schon.
Ansonsten: Die Jugend von heute. Die kleinen Eidechsen machen TikToks, wo sie ihren Schwanz-Verlust als „Content“ feiern. „Schwanz-Drop Challenge“. Ich bin zu alt für den Scheiß.



I: Zum Abschluss: Was wünschst du dir für die Zukunft?
Lizzy: Mehr ungestörte Sonnenstunden, weniger Vögel mit Appetit, und dass die Menschen endlich aufhören, die Welt in Brand zu setzen. Und vielleicht mal ein Vogel-freies Schutzgebiet. Nur für uns. Mit Insektenspendern und einem großen „Keine Katzen“-Schild.
Ach ja… und wenn du das nächste Mal vorbeikommst, bring Mücken mit. Die guten, nicht die Bio-Hippie-Mücken. Und vielleicht ein bisschen Hoffnung. Die brauch ich gerade ziemlich dringend.
I: Vielen Dank für das offene Gespräch, Lizzy.Lizzy: (schaut nervös nach oben) Jetzt hau ab, da kreist schon wieder was Dunkles am Himmel. Ich muss in die Ritze. Ciao!

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