Japan

Okinawa – Mordfall erschüttert Allianz

Titelbild: Präfektur Okinawa, 663highland, Lizenz 2.5 Wikipedia

kinawa: Mordfall erschüttert Allianz – und die Wunde ist alt

In der Präfekturhauptstadt Naha auf Okinawa ist eine 39-jährige Japanerin tot in einem Hotelzimmer aufgefunden worden. Die Polizei hat einen 20-jährigen Angehörigen der US-Marineinfanterie wegen mutmaßlichen Raubmords festgenommen. Der Fall hat Proteste ausgelöst und eine Debatte neu entfacht, die die Insel seit Jahrzehnten begleitet.


Nach Angaben der japanischen Polizei handelt es sich bei dem Verdächtigen um Lance Corporal Devin Jacob Ballard, stationiert auf der Air Station Futenma. Er soll am 4. Oktober die 39-jährige Anna Yagi in einem Hotel in Naha erwürgt und anschließend ihre Geldbörse und ihren Rucksack gestohlen haben. Überwachungsaufnahmen sollen zeigen, wie der Mann das Hotel mit den Habseligkeiten des Opfers verlässt. Ballard bestreitet die Vorwürfe.

Das US-Militär reagierte ungewöhnlich hart. Generalleutnant Benjamin Watson verhängte ein einmonatiges Ausgehverbot und ein Alkoholverbot für alle auf Okinawa stationierten Kräfte, der Dienstbetrieb wurde für 48 Stunden ausgesetzt, um die Truppen nachzuschulen. Japans Premierministerin Sanae Takaichi nannte die Tat „äußerst brutal und abscheulich“ und legte scharfen Protest ein.

Es war nicht das erste Mal. Das ist der Kern der Wut.


Für viele Okinawaner ist dieser Mord die Wiederholung eines Traumas. Die Liste ist lang und in der Präfektur kennt sie jedes Kind:

1995 – der Urschock- Drei US-Soldaten entführten und vergewaltigten ein 12-jähriges Schulmädchen. Der Fall löste die größten Anti-Basen-Demonstrationen in der Geschichte Okinawas aus, 85.000 Menschen gingen auf die Straße. Admiral Richard Macke, damals US-Oberbefehlshaber im Pazifik, musste zurücktreten, nachdem er zynisch sagte, die Täter hätten sich lieber eine Prostituierte mieten sollen.

2016 – der zweite Einschnitt – Der ehemalige Marine Kenneth Shinzato vergewaltigte und ermordete die 20-jährige Rina Shimabukuro aus Uruma. Er schlug sie mit einem Stock nieder, stach ihr in den Hals und stopfte die Leiche in einen Koffer. Ein japanisches Gericht verurteilte ihn zu lebenslanger Haft. Zehntausende trugen damals schwarz und protestierten unter dem Slogan „Unsere Wut hat die Grenze erreicht“.

2019 – der Fall in Chatan – Ein US-Marine tötete seine japanische Freundin in ihrer Wohnung und beging anschließend Selbstmord.

Nach Zahlen der Präfektur Okinawa gab es seit 1972 über 6409 Festnahmen von Angehörigen des US-Militärs wegen Straftaten – von Trunkenheit am Steuer bis zu Sexualdelikten und Tötungen. 1d15

Auf Okinawa sind rund 70 Prozent aller US-Basen in Japan konzentriert, etwa 18.000 bis 26.000 US-Soldaten leben dort. Die Insel, nur 100 Kilometer von Taiwan entfernt, gilt Washington und Tokio als unverzichtbar für die Abschreckung Chinas. Für die Einheimischen ist sie das, was man auf Okinawa eine „Cold-War-Insel“ nennt: Schutzmacht von außen, Belastung im Alltag, Lärm, Abstürze, Kriminalität.


Deshalb sind die Proteste nach dem Tod von Anna Yagi so heftig. Es geht nicht nur um einen mutmaßlichen Einzeltäter. Es geht um das Gefühl, dass sich seit 1995 trotz aller Disziplinarmaßnahmen und Beteuerungen nichts Grundsätzliches geändert hat.

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