Love und Dating Scam Spammer

Die Spamschleuder aus dem kleinen Dorf in Holland: Wie Bitmaster Online B.V. und Meteor Interactive B.V Tausende Deutsche mit Fake-Flirtportalen überschwemmen

Titelbild: Beispielbild Pixabay

Wer heute Hunderte von Nachrichten in seinem Postfach findet – von deutschlandflirten.de, flirtenebenan.com, findemeineflamme.com, provoziermich.com oder ähnlichen Seiten wie flirtemitmir.com, versautesverlangen.com und flirtsmitnachbarn.com –, der erlebt keinen Zufall, sondern ein professionell organisiertes System.



All diese Portale und noch viele mehr stammen aus einem winzigen Ort in den Niederlanden: Groot-Ammers, einem verschlafenen Dorf mit gerade einmal ein paar tausend Einwohnern. Dort, in der Lorentzweg 22-A, haben gleich zwei Firmen ihr Domizil – Bitmaster Online B.V. und Meteor Interactive B.V. –, die seit Jahren ein riesiges Netz aus Flirt- und Sex-Chat-Seiten betreiben.
Was auf den ersten Blick wie harmlose Kennenlern-Plattformen wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine der hartnäckigsten Spam- und Abo-Fallen-Maschinerien im deutschsprachigen Internet.Nutzer in Foren wie dem Anti-Spam-Forum des antispam-ev.de berichten seit mindestens 2020 von regelrechten Spam-Wellen.
„Seit dem 24.08. sackweise Spams für Bitmaster online B.V. – immer das gleiche Muster“, schrieb ein Betroffener schon 2021 und beschrieb, wie die Mails mit wechselnden Links und Platzhaltern kamen, immer wieder auf dieselben Portale verlinkten und die Empfänger mit „Jemand hat dir geschrieben“-Benachrichtigungen überschütteten.
Die Frustration ist greifbar: Viele fühlen sich belästigt, sprechen von virtuellen Büros und Strohmännern, hinter denen sich die Verantwortlichen verstecken.



Ähnlich klingt es auf gutefrage.net, wo Nutzer klarstellen: „Die Firma Bitmaster online B.V. aus Holland hat viele solcher Websites.
Alle mit fiktiven Profilen. Und versendet viel Spam.“
Die AGB der Seiten selbst geben das sogar teilweise zu – Interaktionen laufen mit bezahlten Moderatoren, echte Treffen sind ausgeschlossen, und jede Nachricht kostet schnell zwischen einem und anderthalb Euro oder mehr.
Unabhängige Testportale wie flirtseiten-testsieger.com oder datingplus24.com kommen zu einem eindeutigen Urteil: Abzocke.
Bei flirtenebenan.com etwa werden nach der Registrierung sofort Nachrichten von „Controllern“ geschickt, die Nutzer in lange Chats locken sollen, um Credits zu verbrauchen.



Pakete von sechs bis dreihundert Euro sind keine Seltenheit und wer einmal angefangen hat, kommt schwer wieder raus.
Die Profile sind fiktiv, die Fotos oft gestohlen, die Gespräche gesteuert – alles, um den Umsatz anzukurbeln. Bitmaster selbst wirbt auf der eigenen Firmenseite mit „Discrete Payments & Entertaining Platforms“ und gibt offen zu, über siebzehn solcher Plattformen zu betreiben.
In der Praxis sind es deutlich mehr, und das Netzwerk wird ständig erweitert.
Noch perfider wirkt das Parallel-Imperium der zweiten Firma am selben Standort: Meteor Interactive B.V. Investigativjournalisten haben das System detailliert aufgedeckt.



Die Seiten wie Women with Secrets, TemptingLocalNeighbors.com oder CrushNextDoor arbeiten mit demselben Prinzip – nur noch expliziter. Attraktive Frauenprofile, die in Wahrheit von bezahlten Chat-Operatoren in Nigeria geführt werden, die über eine Firma in Suriname rekrutiert und trainiert werden.
Die Moderatoren faken nicht nur die Persönlichkeit, sondern sogar den Standort per spezieller Karten-Tools auf wenige Kilometer um den Nutzer herum, damit das Ganze glaubwürdig wirkt.
Nutzer berichten von hohen Ausgaben – mal 65 Dollar, mal über 700 Dollar –, weil sie dachten, sie chatten mit realen Menschen, die vielleicht sogar zu einem Treffen bereit wären. Stattdessen kommen nur immer neue offene Fragen, um die Credits zu verbrauchen.
Meteor selbst verteidigt sich damit, dass die AGB ja alles offenlegen würden – doch die Täuschung durch die gefakten Standorte und die aggressiven Benachrichtigungen macht das für viele Betroffene zur Falle.
Die Verbraucherzentralen warnen seit Jahren vor genau diesem Modell.
Gerichtsurteile, etwa vom Landgericht Berlin oder Flensburg, haben bereits klargestellt, dass Dating-Portale, die Fake-Profile einsetzen und den Eindruck echter Kontakte erwecken, irreführend werben. Dennoch floriert das Geschäft aus dem niederländischen Dorf weiter.



Die Adressen wechseln manchmal leicht (mal Lorentzweg, mal ein Büro in Oostvoorne oder Amersfoort), die Telefonnummern bleiben niederländisch, und die Impressumsdaten sind formal korrekt – aber greifbar wird kaum jemand.
Stattdessen landen Tausende Deutsche in Spam-Filtern oder in endlosen Kündigungs- und Löschungs-Schleifen.
Das Ergebnis ist ein perfektes Spam-Ökosystem: Einmal registriert oder auch nur eine Mail geöffnet, und das Cross-Promotion-Netzwerk spuckt Nachrichten aus Dutzenden verwandter Portale aus. Hunderte Zuschriften am Tag sind für viele Betroffene kein Einzelfall, sondern Alltag.
Die kleinen Dörfer in Holland dienen dabei als ideale Basis – weit genug weg von deutschen Behörden, formal EU-konform und doch praktisch unangreifbar für den einzelnen Verbraucher.
Wer also heute wieder Dutzende solcher Mails löscht, weiß jetzt: Das ist kein Zufall, sondern das Produkt zweier Firmen, die aus einem unscheinbaren Ort heraus ein ganzes Imperium aus Fake-Flirts und teuren Illusionen betreiben. Und solange niemand konsequent dagegen vorgeht, wird die Spamschleuder weiterlaufen.



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