Menschenrechte Todesstrafe

Christa Gail Pike – letzte Tage vor der ersten Frauen-Hinrichtung in Tennessee seit 200 Jahren

 

Titelbild: Pike, Tennessee Department of Corrections

Letzte Tage vor der ersten Frauen-Hinrichtung in Tennessee seit 200 Jahren

NASHVILLE – In Tennessee bereitet sich die Justiz auf eine historische Hinrichtung vor. Am 30. September soll Christa Pike, 50, hingerichtet werden. Sie sitzt seit drei Jahrzehnten als einzige Frau im Todestrakt des Bundesstaates.

Pike wurde im März 1996 zum Tode verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie im Januar 1995 ihre 19-jährige Job-Corps-Mitschülerin Colleen Slemmer in Knoxville in einen Wald gelockt und dort gemeinsam mit ihrem damals 17-jährigen Freund getötet hatte. Das Verbrechen galt als besonders grausam. Ihr Mittäter konnte wegen seiner Minderjährigkeit nicht zum Tode verurteilt werden und verbüßt eine lebenslange Haftstrafe.


Nach 30 Jahren im Todestrakt versucht ihre Verteidigung nun mit einem Gnadengesuch, die Vollstreckung zu stoppen. Am 2. September legten ihre Anwälte bei Gouverneur Bill Lee eine Petition vor. Sie umfasst mehr als 200 Seiten. Darin wird nicht um Freispruch gebeten, sondern um Umwandlung der Todesstrafe in lebenslange Haft ohne Bewährung.

Die Anwälte stützen sich dabei auf Pikes Kindheit. Sie schildern eine Biografie geprägt von sexuellem Missbrauch im Kleinkindalter, körperlicher Gewalt und instabilen Familienverhältnissen. Diese Umstände seien der Jury im ursprünglichen Prozess nicht in vollem Umfang bekannt gewesen. Zudem verweisen sie auf psychische Diagnosen und die lange Haftzeit. Pike habe fast drei Jahrzehnte überwiegend in Einzelhaft verbracht und sich in dieser Zeit verändert.



Begleitend dazu lief ein juristischer Streit um die Hinrichtungsmethode. Die Verteidigung argumentierte, Pikes gesundheitliche Vorerkrankungen, darunter eine Erkrankung des blutbildenden Systems und eine posttraumatische Belastungsstörung, könnten die Injektion komplizieren. In dem Zusammenhang beantragte sie, dass im Falle einer Vollstreckung ausschließlich weibliches Personal eingesetzt wird. Die zuständigen Gerichte in Tennessee wiesen diese Anträge in der vergangenen Woche zurück. Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates erklärte am 23. September, die Hinrichtung könne wie geplant durchgeführt werden.

Auch international wurde der Fall aufgegriffen. UN-Experten riefen Anfang September dazu auf, die Vollstreckung auszusetzen und auf die lange Isolationshaft hinzuweisen. Die Entscheidung liegt nun allein beim Gouverneur.

Sollte das Gnadengesuch abgelehnt werden, wäre es die erste Hinrichtung einer Frau in Tennessee seit dem Jahr 1819.

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