Der Springbock – Südafrikas Seele auf vier Beinen
Auf dem Bild sind es Kalahari-Springböcke, Antidorcas marsupialis. Der Name sagt schon alles: Afrikaans spring = springen, bok = Antilope. Und das tut er wie kein anderes Tier.
Das Tier selbst
75 cm hoch, 30-50 Kilo leicht, ockerbraun mit weißem Bauch und dem dunklen Seitenstreifen. Wenn Gefahr droht, macht er das _Pronken_ – alle vier Beine steif, Rücken durchgedrückt, 3 Meter hoch in die Luft, 6 Meter weit. Dabei klappt er die weiße Tasche auf dem Rücken auf -rsupialis heißt Taschenträger – ein grelles Warnsignal für die ganze Herde. Er kann über 90 km/h schnell werden, braucht kaum Wasser, lebt vom Tau auf Blättern. Ein Wüstentier, perfekt angepasst an Freistaat, Karoo, Kalahari.
Heute ca. 1,4 Millionen Tiere – fast wäre er weg gewesen. Im 19. Jahrhundert haben die Trekboer ihn in Massenabschüssen ausgerottet, weil er Felder zertrampelte. Erst aus Botswana und Namibia wieder eingeführt.
Das Wappentier
Seit 1906 das Nationaltier Südafrikas. Auf dem alten Wappen, auf der Air Force, auf dem Krügerrand – 1967 hat Coert Steynberg den springenden Bock zusammen mit Paul Krüger auf die berühmteste Goldmünze der Welt gebracht. Seitdem kennt ihn jeder.
Unter der Apartheid war er das Symbol der weißen Herrschaft. Rugby-Nationalmannschaft = Springboks, Cricket = Springboks, alles Springboks.
Der ANC wollte ihn nach 1994 abschaffen und durch die Königsprotea ersetzen.
Nelson Mandela hat ihn gerettet. 1995, Rugby-WM-Finale in Johannesburg – Madiba im Springbok-Trikot, das weiße Symbol als Zeichen der Versöhnung.
Die Geschichte aus dem Film Invictus. Seitdem leben beide. Protea links auf der Brust, Springbock rechts. Die Rugby-Jungs heißen immer noch Springboks.
Der fliegende Springbock der SAA
Und damit zu deinem Stichwort SAA. Von 1934 bis 1997 flog er über die Welt – The Flying Springbok.
Drei Versionen gab es: 1934-1948 eher naturalistisch, 1948-1971 stilisiert mit Flügeln, ab 1971 der berühmte goldene, geflügelte Springbock mit Speed-Linie. Auf jedem Leitwerk, auf jedem Menü, auf jeder Uniform.
1997 war Schluss. Nach dem Ende der Apartheid musste die staatliche „Apartheid-Airline“ ihr Image wechseln. Orange-weiß-blau raus, die neue Regenbogennation rein. Der Springbock wurde durch die neue Flagge mit der stilisierten Sonne ersetzt, Suid-Afrikaanse Lugdiens verschwand und wurde zu South African.
Die Piloten haben ihn nicht vergessen. Bis heute ist das Funkrufzeichen von South African Airways im internationalen Flugfunk SPRINGBOK. Wenn man auf Flightradar schaust. SAA 123 ruft „Springbok 123“.
Das Foto zeigt also nicht nur eine Herde. Das ist das Tier, das ein Land getragen hat – durch Jagd, durch Apartheid, durch Versöhnung, einmal um die ganze Welt mit Flügeln.
Es ist auch das Wappentier unserer Zeitung, das wir mitnahmen. Für uns bedeutet es seit 1984 grenzenlose Freiheit und Geborgenheit zugleich.
