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Gesundheit

Alzheimer ist immer noch nicht ausreichend erforscht

Leipzig, Deutschland

Von Andrea HENTSCHEL

Jahr für Jahr erhalten in Deutschland hunderttausende Menschen die Diagnose Demenz oder Alzheimer. Zum Weltalzheimertag am Mittwoch steht die Krankheit, die der Nervenarzt Alois Alzheimer 1906 erstmals beschrieb, im Zentrum der Aufmerksamkeit. Fragen und Antworten:

WAS IST ALZHEIMER?

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Die Erkrankung des Gehirns führt zum Verlust von geistigen Funktionen wie Denken, Sprache, Urteilsfähigkeit und Orientierung sowie zum Absterben oder einer starken Schädigung von Gehirnzellen vor allem in der Hirnrinde. Auch die Fähigkeit zum sozialen Austausch geht verloren. Vergesslichkeit ist nicht immer ein Hinweis auf eine Demenzerkrankung. So hat jeder Siebte mit Gedächtnisstörungen eine andere körperliche Erkrankung, welche die Merkfähigkeit stört, zum Beispiel eine unzureichend behandelte Schilddrüsenerkrankung, Gefäßerkrankungen oder Medikamentenmissbrauch.

WIE VIELE BETROFFENE GIBT ES?

In Deutschland gelten der Deutschen Alzheimergesellschaft zufolge heute etwa 1,8 Millionen Menschen als demenzkrank. Ungefähr zwei Drittel davon haben Alzheimer. Im Jahr 2021 erkrankten etwa 440.000 Menschen im Alter über 65 Jahren neu an einer Demenz. Wegen der älter werdenden Bevölkerung wächst die Zahl der Betroffenen. So hat sich die Zahl der Klinikbehandlungen und Todesfälle wegen Alzheimer in Deutschland binnen 20 Jahren mehr als verdoppelt.

WIE SEHEN DIE SYMPTOME AUS?

Alzheimer beginnt mit Vergesslichkeit und mangelndem Antrieb. Im weiteren Verlauf werden die gewohnten Handlungen immer schwieriger. Der Patient vergisst häufiger Worte, wird orientierungslos und kann sich nicht mehr erinnern. Einfache Handgriffe wie das Öffnen und Schließen von Knöpfen werden unmöglich. Schließlich verliert der Patient seine Selbstständigkeit und erkennt seine Angehörigen nicht mehr. Die Störungen des Denk- und Urteilsvermögens lassen ein normales Alltagslebens immer schwieriger werden. Viele Betroffene werden misstrauisch, aggressiv oder depressiv.

WAS LÖST DIE KRANKHEIT AUS?

Die genauen Ursachen sind noch nicht endgültig geklärt. Das Gehirn von Alzheimerkranken weist typische Eiweißablagerungen auf. Fehlgeleitete Stoffwechselvorgänge schädigen die Nervenzellen. Die für das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit wichtigen Botenstoffe im Gehirn können dann nicht mehr gebildet werden. In 90 Prozent der Fälle wirken genetische Faktoren, Alterungsprozesse und Vorerkrankungen des Gehirns und Umwelteinflüsse zusammen. In sehr wenigen Fällen gibt es eine rein erbliche Veranlagung.

WER IST BETROFFEN?

Zwar kann die Krankheit auch schon vor dem 50. Lebensjahr auftreten, das Alter ist aber unbestritten der größte Risikofaktor für Alzheimer. Etwa zwei Drittel der Betroffenen sind älter als 80 Jahre, fast 70 Prozent sind zudem Frauen.

GIBT ES AUSSICHT AUF HEILUNG?

Nein. Mit sogenannten Biomarkern kann zwar heute Alzheimer im Frühstadium einer leichten Gedächtnisstörung diagnostiziert werden, bevor eine Demenz vorliegt. Doch meist wird die Krankheit erst erkannt, wenn die geschädigten Hirnzellen unwiederbringlich verloren sind. Durch eine rechtzeitige Therapie mit Medikamenten kann der Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit immerhin vorübergehend etwas hinausgezögert werden. Auch Verhaltens- und Musiktherapien oder Gedächtnistraining können die Lebensqualität verbessern.

WELCHE RISIKOFAKTOREN GIBT ES?

Derzeit sind etwa ein Dutzend Risikofaktoren für Demenzerkrankungen bekannt, darunter Gehörlosigkeit, Tabakkonsum, Depressionen und soziale Isolation. Studien zufolge könnte etwa ein Drittel der Erkrankungsfälle vermieden werden, wenn Risikofaktoren wie Adipositas im mittleren Lebensalter und körperliche Inaktivität verringert würden.

WAS MACHT DIE FORSCHUNG?

Die Suche nach einem passenden Wirkstoff ist deshalb so schwierig, weil die Entstehung der Alzheimerkrankheit noch nicht abschließend verstanden ist. In den vergangenen Jahren fielen einige zunächst vielversprechende Medikamente in Patiententests durch. Ohnehin ist die teure Forschung für viele Pharmaunternehmen schlichtweg nicht attraktiv.

KANN ETWAS ZUR VORBEUGUNG GETAN WERDEN?

Experten empfehlen geistige, körperliche und soziale Aktivitäten zur Verringerung des Erkrankungsrisikos. Empfohlen werden auch eine ausgewogene sowie fett- und cholesterinarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes.

WAS SIND DIE PROGNOSEN FÜR DIE ZUKUNFT?

Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Demenzkranken in Deutschland nach Schätzungen auf bis zu 2,8 Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt.

hex/cfm

© Agence France-Presse

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