Menschenjagd auf den Raucher – Wenn aus Gesundheitsschutz psychische Gewalt wird
Es ist keine Fürsorge mehr. Es ist Mobbing. Es ist eine offene, gesellschaftlich legitimierte Menschenjagd.
Wer heute als Raucher vor die Tür geht, geht nicht einfach nur rauchen. Er betritt eine Bühne der Verachtung. Blicke, die verurteilen. Kommentare, die verletzen sollen. Das demonstrative Husten, das Winken mit der Hand, das laute „Muss das denn sein?“. Es ist psychische Gewalt im Alltag, wiederholt, gezielt und mit dem Segen der Mehrheit.
Man hat den Raucher zum idealen Sündenbock erklärt. An ihm darf man auslassen, was man sich bei anderen nicht traut. Man darf ihn belehren, beschämen, ausgrenzen. Im Büro muss er in den Regen, vor dem Restaurant steht er wie ein Aussätziger am Aschenbecher, am Bahnhof wird er auf ein gelbes Quadrat qverbannt. Das ist keine Prävention. Das ist Entwürdigung.
Und diese Entwürdigung befremdet. Weil sie von einer Gesellschaft kommt, die sonst von Toleranz, Achtsamkeit und Respekt spricht. Dieselben Menschen, die Mobbing in Schulen verurteilen, betreiben es auf offener Straße gegen Raucher. Sie nennen es Gesundheitsschutz, meinen aber Überlegenheit.
Die Doppelmoral des Staates macht es erst möglich. Der Staat verdient jedes Jahr Milliarden an der Tabaksteuer. Eine goldene Nase. Er braucht den Raucher als Zahler. Gleichzeitig liefert er ihn als Freiwild aus. Er druckt Schockbilder auf die Schachtel, erhöht die Preise, verbietet das Rauchen überall und sagt dann: Selber schuld. Er kassiert und tritt gleichzeitig nach.
Was dabei vergessen wird: Rauchen ist für viele kein Lifestyle, sondern Sucht, Pause, Ritual, ein Stück Freiheit in einem durchgetakteten Alltag. Viele wollen aufhören und schaffen es nicht. Und statt Hilfe bekommen sie Hass.
Wir reden ständig über psychische Gesundheit. Aber die tägliche kleine Demütigung des Rauchers gilt nicht als Gewalt. Dabei ist sie genau das. Wenn ein Mensch jeden Tag erfährt: Du bist unerwünscht, du stinkst, du bist dumm, du schadest uns – dann ist das Mobbing. Dann frisst sich das in die Seele.
Es wird Zeit, das zu benennen. Wer Raucher hasst, hasst nicht das Rauchen. Er hasst Menschen. Und eine Gesellschaft, die eine Gruppe zum legitimen Ziel ihrer Aggression erklärt, hat ein Problem, das viel tiefer geht als Nikotin.
