Archäologie

Das Silur

Titelbild: Künstlerische Darstellung von Silur, KI,2026

Das Silur klingt nach einem Zeitalter, das man gerne auslässt, und genau deshalb lohnt es sich, hinzusehen.
Vor etwa 443 bis 419 Millionen Jahren erholt sich die Welt gerade von einem der großen Massensterben am Ende des Ordoviziums. Die Eiskappen schmelzen, der Meeresspiegel steigt wieder und das Wasser wird wärmer, aber an Land ist noch immer fast nichts los. Wer damals ausgestiegen wäre, hätte vor allem Steine gesehen, kahlen Fels, übergossen von einer Sonne, deren UV-Strahlung ohne Ozonschutz ungefiltert durchkommt. Die Luft selbst ist kaum atembar, der Sauerstoffgehalt liegt bei vielleicht vierzehn Prozent, jeder Schritt fühlt sich an wie auf einem Hochgebirge.


Das Leben spielt sich fast ausschließlich im Meer ab. Dort herrschen nun die Seeskorpione, die Eurypteriden. Es sind keine echten Skorpione, sondern Verwandte der heutigen Spinnen und Pfeilschwanzkrebse, mit Paddeln am Hinterleib und Scheren vorne, die in manchen Arten über zwei Meter lang werden. Sie sind die ersten großen Jäger, die das Flachwasser beherrschen, weil es noch keine Fische mit Kiefern gibt, die ihnen gefährlich werden könnten. Unter ihnen schwimmen kieferlose Panzerfische und unzählige Trilobiten, die sich gerade wieder vermehren.

Der eigentliche Umbruch passiert ganz unscheinbar am Rand der Tümpel. Dort kriechen winzige, gabelig verzweigte Pflänzchen wie Cooksonia aus dem Wasser. Sie sind kaum knöchelhoch, haben keine Blätter, keine Wurzeln, nur einen dünnen Stängel mit Sporenkapseln. Es ist das erste Grün an Land, zusammen mit Moosen und Flechten bildet es einen ersten, dünnen Teppich, der den Fels hält und den Boden schafft, auf dem später einmal alles wachsen wird. Zusammen mit diesen Pflanzen kommen die ersten Tausendfüßer-ähnlichen Tiere und winzige Spinnentiere an Land, Tiere, die nachts im Feuchten leben und tagsüber im Schatten der Steine überleben.


Für einen Touristen ist das Silur also kein Reiseziel, es gibt keinen Schatten, kein Holz, kein Zwitschern, nur Wind, Steine und im Wasser die Silhouette eines Seeskorpions. Für die Erdgeschichte ist es aber der Moment, in dem das Land zum ersten Mal nicht mehr nur Wüste ist, sondern vorbereitet wird. Ohne diese unscheinbaren Pionierpflanzen und ohne das Aufräumen der Meere durch die großen Räuber hätte es das Devon, das Zeitalter der Wälder und der ersten Landwirbeltiere, nie gegeben.

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