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Was hat Trump mit Insiderverdacht zu tun?

Titelbild: Pixabay Beispielbild

Unter Insiderverdacht: Wie 21.000 Trades Trumps Präsidentschaft zum Börsenfall machen

Es ist eine Zahl, die in Washington alles sprengt, was man bisher über Präsidenten und Geld wusste. Mehr als 21.000 Wertpapiergeschäfte in einem einzigen Jahr. So steht es in der knapp tausendseitigen Finanzoffenlegung, die Donald Trump beim Office of Government Ethics für 2025 einreichen musste.
Zwischen dem 1. Januar 2025 und dem Jahresende hat er laut jährlicher Erklärung 21.573 Käufe getätigt, im Schnitt mehr als 34 Trades pro Tag, jeden Tag inklusive Wochenende. Andere Auswertungen, unter anderem von Bloomberg, kommen auf über 21.000 Transaktionen mit einem Volumen zwischen 600 Millionen und 1,86 Milliarden Dollar. Im Schnitt waren das 85 Trades an jedem Börsentag, wobei zehn besonders aktive Tage allein ein Viertel aller Geschäfte ausmachten. In mehr als 200 Fällen wurde dabei in einem Konto eine Aktie gekauft, die am selben Tag in einem anderen Konto verkauft wurde.


Zum Vergleich, Joe Biden meldete in seiner gesamten Präsidentschaft 13 Trades, Trump selbst in seiner ersten Amtszeit weniger als 600. Jetzt sind es nach Bloomberg-Zählung bis Mitte 2026 fast 28.700 Trades in 17 Monaten, mehr als die 22.200 Trades aller 535 Kongressmitglieder zusammen. Allein im ersten Quartal 2026 kamen laut Offenlegung noch einmal 3.642 Transaktionen über 1.026 verschiedene Firmen hinzu, bewertet mit 220 bis 750 Millionen Dollar, im Juni über 1.000 weitere Transaktionen, im Juli erneut mehr als tausend. Vor 2025 lagen Trumps Einzelpositionen meist unter 50.000 Dollar, jetzt liegen viele im Bereich von einer bis 25 Millionen, allein Apple wuchs aus der 50.000-Dollar-Kategorie in den Millionenbereich, ähnlich wie Alphabet, Tesla oder Amazon, verteilt auf mittlerweile sieben bis acht separate Depots.

Die reine Masse wäre nur eine Kuriosität, wenn nicht das Timing Fragen aufwerfen würde. Die Offenlegungen selbst belegen keinen Insiderhandel, aber sie zeigen Muster, die Kritiker als strukturellen Interessenkonflikt werten.
Am 8. April 2025, unmittelbar nach der Verhängung globaler Zölle, wurden an einem einzigen Tag 327 Kauforders ausgeführt, darunter Aktien von Apple und Nvidia. Am nächsten Tag postete Trump „This is a great time to buy“ und setzte die Zölle vorübergehend aus, Apple stieg um 15 Prozent, Nvidia um fast 19 Prozent. Am 23. Juli 2025, als das Weiße Haus seinen AI Action Plan zur Deregulierung Künstlicher Intelligenz veröffentlichte, wurden 255 Käufe getätigt, vor allem in großen AI-Konzernen. Am 4. April, dem Tag des Kurseinbruchs nach der Liberation-Day-Ankündigung, sollen 446 Trades gelaufen sein. Senatorin Elizabeth Warren und Abgeordnete wie Robert Garcia verwiesen auf rund 30 auffällige Beispiele, darunter 29 Trades bei GEO Group und CoreCivic, privaten Gefängnisbetreibern, die direkt von der Migrationspolitik der Regierung profitieren.

Das Weiße Haus und die Trump Organization verweisen gebetsmühlenartig auf dieselbe Verteidigung: Das Portfolio werde unabhängig von externen Finanzinstituten verwaltet, mit automatisierten Modelldepots und Direct Indexing, Trump, seine Familie und die Organisation würden keine Trades auswählen, freigeben oder auch nur vorab davon erfahren. Der Präsident selbst sagte vor Reportern: „Purposely, I never speak to any of the people that run the money.“
Für Ethikjuristen wie Richard Painter, einst Chefethiker unter George W. Bush, ändert das wenig am Grundproblem. Präsidenten unterliegen nicht dem gleichen strafrechtlichen Interessenkonflikt-Paragrafen wie andere Regierungsmitarbeiter, sie haben sich historisch aber durch Blind Trusts oder breite Indexfonds abgeschirmt. Ein Präsident, der Zölle auf Halbleiter setzt und am selben Tag Halbleiteraktien in acht Depots bewegt, habe selbst bei Automatisierung ein direktes finanzielles Interesse an den Firmen, die seine Politik betreffe.



In Washington hat die Debatte längst den Kongress erreicht. Das Repräsentantenhaus verabschiedete im Juli mit 232 zu 198 Stimmen den Stop Insider Trading Act, der Abgeordneten, Ehepartnern und Kindern den Kauf von Einzelaktien verbieten würde, bestehende Positionen und breit gestreute Fonds ausgenommen. Demokraten wie Seth Magaziner und Alex Padilla fordern, das Verbot auf Präsident, Vizepräsident und Supreme Court auszuweiten, und verweisen dabei ausdrücklich auf die mehr als 21.000 Trump-Transaktionen. Ob es je zu einer Anklage wegen Insiderhandels kommt, ist offen, die Offenlegungen nennen nur Wertspannen und keinen Nachweis, dass nicht öffentliche Informationen genutzt wurden. Was sie aber belegen, ist ein Systemwechsel: Die Präsidentschaft als Handelsmaschine, bei der fast jede Regierungshandlung zeitgleich von Dutzenden Börsengeschäften begleitet wird und bei der die Grenze zwischen Politik und Portfolio nicht mehr durch einen Blind Trust, sondern nur noch durch eine Beteuerung getrennt ist.

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