Titelbild: Statue of Liberty, Pixabay, Beispielbild
Die USA im moralischen Sturzflug
Donald Trump präsentiert sich dieser Tage wie ein Staatschef, der jede politische und moralische Hemmschwelle verloren hat.
Während die Welt über die geplante Live-Übertragung einer Hinrichtung entsetzt ist, zeigt er öffentlich Verständnis für die Verantwortlichen. Am 3. Dezember soll der Attentäter von Fort Hood, Nidal Hasan, der 2009 13 Menschen erschoss, auf dem Stützpunkt durch ein Erschießungskommando hingerichtet werden – laut Pentagon die erste Militärhinrichtung seit über 60 Jahren, per Livestream. Unklar ist, ob Trump’s Firmengeflecht daran verdient, die Hinrichtung live zu übertragen.
Trump erklärt dazu: Er habe die Hinrichtung genehmigt, war an der Livestream-Entscheidung aber nicht beteiligt, verstehe sie aber. Er wolle, dass sie als Exempel diene. Ein Vorgang, der in demokratischen Gesellschaften als absoluter Zivilisationsbruch gilt.
Sonst bedient er sicherlich sein Presseorgan Truth Social.
Kaum ist die Empörung darüber verhallt, telefoniert er mit Wladimir Putin über Diesel-Lieferungen, als sei nichts geschehen. Die Normalität, mit der er solche Gespräche führt, wirkt wie eine bewusste Missachtung der geopolitischen Realität: Russland führt weiterhin einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, und doch spricht Trump über Energiegeschäfte, als handele es sich um Routine zwischen befreundeten Staaten. Es existieren Sanktionen, die Trump und seine Entourage nicht stören.
Gleichzeitig fordert er eine neue Regierung in Kiew und gibt Wolodymyr Selenskyj die Schuld an einem Krieg, den der Kreml begonnen hat. Dass Putin den Überfall zu verantworten hat, erwähnt Trump nicht. Stattdessen konstruiert er ein Narrativ, das die Verantwortung des Aggressors verwischt.
Lügen um jeden Preis.
Dabei vergisst Trump zu erwähnen, dass auch der Krieg mit dem Iran seine Verantwortung betrifft. Der seit Ende Februar 2026 andauernde Krieg – ausgelöst durch die US-israelische Operation – hat die Straße von Hormus blockiert, durch die ein Fünftel des Weltöls fließt, und ist der zentrale Treiber der explodierenden Ölpreise. Dass dieser Preisschock eine direkte Folge seiner eigenen Kriegsentscheidung ist, blendet Trump in seiner Erzählung aus.
Trumps Rhetorik wirkt zunehmend wie die eines kranken Mannes, der sich von demokratischen Normen verabschiedet hat. Die Mischung aus Verharmlosung von Gewalt, demonstrativer Nähe zu autoritären Regimen und der Bereitschaft, historische Fakten umzuschreiben, lässt ihn wie einen Präsidenten erscheinen, der sich selbst über jede Form politischer Verantwortung stellt.
In den Vereinigten Staaten wächst der Unmut. Viele Menschen hoffen, dass die republikanische Partei für ihre Unterstützung dieses Kurses bei der Wahl am 3. November eine deutliche Antwort der Wähler erhält.
