Damals

Die Versorgung der Soldaten im 1. Weltkrieg

 

Die Nahrung der Soldaten im Ersten Weltkrieg war geprägt von einer Mischung aus anfänglicher Planung für einen kurzen Konflikt und der harten Realität eines langen, materialintensiven Stellungskriegs, in dem Logistik, Blockaden und schlechte Ernten die Versorgung zunehmend erschwerten. Zu Beginn des Krieges 1914 erhielten die Soldaten in den meisten Armeen relativ reichhaltige Rationen, die auf den Erkenntnissen der Ernährungsphysiologie des späten 19. Jahrhunderts basierten und einen hohen Kalorienbedarf von oft über 4000 Kalorien pro Tag decken sollten, um die körperlichen Strapazen von Märschen, Schanzarbeiten und Kämpfen zu bewältigen.



Brot bildete in fast allen Armeen die Grundlage der Ernährung, ergänzt durch Fleisch, Gemüse und Getränke wie Kaffee oder Tee. Doch schon bald machte sich der Mangel bemerkbar, besonders bei den Mittelmächten durch die britische Seeblockade, die Importe von Getreide, Fett und Futtermitteln abschnitt, sowie durch schlechte Ernten und Transportprobleme an der Front.

Bei den deutschen Soldaten sah die offizielle Kriegsverpflegungsvorschrift anfangs eine tägliche Portion von etwa 750 Gramm Brot oder Zwieback vor, 375 Gramm frisches oder konserviertes Fleisch, 1500 Gramm Kartoffeln oder Ersatz durch Dörrgemüse, dazu kleinere Mengen Fett, Marmelade, Käse oder Wurst, Salz, Zucker und Kaffee oder Tee. Morgens und abends gab es oft einen dünnen, schwarzen Kaffee-Ersatz ohne Zucker, zu dem das Brot gleich mitverzehrt wurde. Mittags oder abends kam häufig eine Fleischsuppe oder ein Eintopf aus der Feldküche, der mit Kartoffeln, Hülsenfrüchten oder später vermehrt mit Ersatzprodukten gestreckt wurde.



In der Praxis erreichten diese Mengen jedoch selten die Vorgaben, besonders ab 1916. Das Brot wurde dunkler und schwerer, oft mit Zusätzen wie Mais oder anderen Surrogaten gebacken, und Fleischrationen sanken spürbar, sodass fleischfreie Tage eingeführt wurden. Im berüchtigten „Kohlrübenwinter“ 1916/17, der vor allem die Heimat traf, aber auch die Front beeinflusste, dienten Steckrüben als billiger, aber kalorienarmer Ersatz für Kartoffeln und Gemüse; sie landeten in Suppen, Aufläufen oder sogar als Brotzusatz und sorgten für eine eintönige, wenig sättigende Kost.

In den Schützengräben der Westfront oder im Gebirgskrieg an der Alpenfront kam das Essen oft erst spät in der Nacht an, kalt und in schlechter Qualität – eine dünne, fettige Suppe mit wenigen Fleischstücken, hartes Brot und manchmal ein graues, minderwertiges Fett, das spöttisch „Affenfett“ genannt wurde. Die sogenannte „Eiserne Ration“, eine Notreserve am Mann, bestand aus Dosenfleisch, Zwieback und etwas Kaffee für den Fall, dass der Nachschub ausblieb.



Ähnlich, aber oft etwas besser organisiert, war die Verpflegung bei den britischen Truppen. Hier lag der Schwerpunkt auf konservierten Lebensmitteln, da frische Ware im Stellungskrieg schwer zu transportieren war. Die tägliche Ration umfasste etwa ein Pfund Brot oder harte Armee-Biscuits, ein Pfund frisches oder gefrorenes Fleisch – oft ersetzt durch „Bully Beef“, also Corned Beef aus der Dose – sowie Bacon, Käse, Jam (meist Pflaumen- oder Apfelmarmelade), Zucker, Tee und getrocknete oder frische Gemüse in kleineren Mengen.

Ein typisches Gericht war der „Maconochie“-Eintopf, eine Dose mit Rindfleischstücken, Gemüse und Soße, die über einem kleinen Kocher oder im Graben erwärmt wurde. Die berüchtigten Army Biscuits waren extrem hart und mussten in Tee oder Wasser eingeweicht werden, um essbar zu sein.
Tee spielte eine große Rolle für die Moral; er wurde in großen Mengen ausgegeben und half, die eintönige Kost erträglicher zu machen. Rumrationen am Abend dienten ebenfalls der Stärkung und Beruhigung nach den Strapazen. Im Vergleich zu den Deutschen konnten die Briten dank besserer Seeverbindungen länger auf relativ stabile Lieferungen setzen, obwohl auch hier ab 1916 Kürzungen kamen und frisches Fleisch seltener wurde.

Die französischen Soldaten, die „Poilus“, erhielten oft frisch gebackenes Brot, das in mobilen Feldbacköfen hergestellt wurde – ein Vorteil gegenüber den harten Biscuits der Briten. Ihre Rationen enthielten reichlich Brot, Suppen mit Gemüse oder Bohnen, etwas Fleisch oder Speck und Wein als tägliche Portion, der als Teil der Verpflegung galt und die Stimmung hob.



In ruhigen Abschnitten konnten sie manchmal lokale Produkte wie Käse oder Gemüse hinzukaufen oder von der Bevölkerung erhalten. Dennoch litten auch sie unter Engpässen, besonders bei Fleisch und Fett, und mussten auf Konserven zurückgreifen.

Bei den österreichisch-ungarischen Truppen ähnelte die Verpflegung der Deutschen. Brot, Fleischsuppe, Dörrgemüse und Kaffee-Ersatz, doch im Hochgebirgskrieg der Dolomiten oder Karpaten verschärften sich die Probleme dramatisch. Transporte kamen oft erst nach Mitternacht an, das Essen war kalt, die Fleischportionen winzig und das Gemüse – etwa Sauerkraut – von schlechter Qualität. Unterernährung breitete sich aus, und Berichte sprechen von halben Konserven, Maisklumpen als Brotersatz und Gerüchten über fragwürdige Zutaten im Surrogat-Kaffee.

Die Amerikaner, die ab 1917 eintrafen, galten als am besten versorgt. Ihre Rationen waren reichhaltiger und umfassten neben Grundnahrungsmitteln wie Fleisch, Brot, Bohnen und Kartoffeln auch Luxus wie Kondensmilch, Butter, Süßigkeiten und Zigaretten.
Frisches Fleisch und Gemüse waren dank moderner Kühl- und Konservierungstechniken öfter verfügbar, und die Kalorienzufuhr blieb stabiler als bei den europäischen Armeen.



Überall spielte die Zubereitung eine entscheidende Rolle. In ruhigen Stellungen oder hinter der Front kochten Feldküchen warme Mahlzeiten in großen Kesseln, die dann in „Dixies“ oder Kochgeschirren nach vorne getragen wurden. In vorderster Linie mussten die Soldaten oft mit tragbaren kleinen Öfen oder offenen Feuern auskommen, was riskant war wegen des Rauches, der den Feind aufmerksam machen konnte. Monotonie war ein großes Problem: Tag für Tag dasselbe – Dosenfleisch, Brot oder Biscuits, Marmelade und Tee – führte zu Appetitlosigkeit und Klagen.
Viele Soldaten ergänzten ihre Kost durch Pakete von zu Hause mit Schokolade, Wurst oder Gebäck, durch Tausch mit Kameraden oder, wo möglich, durch Requirierungen oder Kauf bei der Zivilbevölkerung. In manchen Abschnitten gab es sogar Kantinen oder improvisierte Gärten.

Trotz aller Bemühungen führte der Krieg zu weitverbreiteter Unterernährung, besonders bei den Mittelmächten. Schwäche, Krankheiten wie Skorbut oder Infektionen durch mangelnde Vitamine und eine geschwächte Immunabwehr waren die Folge.
Die Nahrung diente nicht nur der Sättigung, sondern auch der Moral. Eine warme Mahlzeit oder ein Schluck Rum konnte den Unterschied zwischen Durchhalten und Zusammenbruch bedeuten.

Am Ende des Krieges 1918 war die Verpflegung in vielen Einheiten nur noch ein Schatten der anfänglichen Rationen – ein Symbol für die Erschöpfung der Armeen und der Gesellschaften, die sie trugen. Die Soldaten des Ersten Weltkriegs marschierten buchstäblich auf ihrem Magen, doch dieser Magen war oft leer oder nur notdürftig gefüllt.


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