Deutschland Flora und Fauna

Die Plage mit den Wildschweinen

Titelbild: Weide von Wildschweinen durch pflügt ,rm, 2026

Zu viele Wildschweine und sie werden immer dreister. Wer am Ortsrand wohnt, kennt das Bild. Umgewühlte Gärten am Morgen, zerstörte Wiesen, ganze Maisfelder wie umgepflügt, und nachts steht plötzlich eine Rotte mit Frischlingen auf der Landstraße. Die Bestände sind in vielen Revieren im Saarland, in Hessen und in Rheinland-Pfalz so hoch wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Milde Winter, energiereiche Maisfelder als idealer Futtertisch und kaum natürliche Feinde haben dafür gesorgt, dass sich die Tiere explosionsartig vermehren. Dabei sind sie längst nicht mehr nur nachtaktiv und scheu. Bachen verteidigen ihre Jungen auch am hellen Tag, am Spielplatzrand, am Friedhof, am Wanderweg. Die Schäden gehen in die Millionen, für Bauern, für Gemeinden und für Autofahrer.

Abschuss ist in dieser Lage keine Freizeitbeschäftigung, sondern notwendige Wildschadensverhütung. Und hier kommt ein einfacher Rat ins Spiel, der fast vergessen ist. Wer gutes Fleisch will, sollte den örtlichen Jäger ansprechen. Fast jedes Dorf hat einen Jagdpächter, eine Jagdgenossenschaft oder einen Ansprechpartner beim Forstamt. Die Nummer bekommt man über die Gemeindeverwaltung. Die meisten Jäger sind froh, wenn sie ihr Wildbret direkt abgeben können, statt es über den Großhandel vermarkten zu müssen.


Wildschwein vom Jäger ist dabei in jeder Hinsicht besser als das meiste Fleisch aus dem Supermarkt. Es ist günstig, weil der kurze Weg zählt. Frischling und Überläufer kosten oft nur sechs bis neun Euro pro Kilo in der Schwarte, zerwirkt und küchenfertig zwölf bis fünfzehn Euro. Es ist nahrhaft, weil es von Natur aus mager ist, viel Protein, Eisen und Zink liefert und ohne Mastfutter und ohne Antibiotika aufgewachsen ist. Und es ist lecker, wenn man es richtig zubereitet. Junge Tiere schmecken nicht streng, sondern mild und aromatisch, fast wie gutes Schweinefleisch, nur würziger. Die Keule eignet sich hervorragend als Braten, der Nacken als kräftiges Gulasch, der Rücken kurz gebraten bleibt zart und saftig.


Wer Interesse chat, fragt einfach: Ob etwas in der Kühlung ist oder ob bei der nächsten Drückjagd ein Stück abzugeben wäre. Dazu gibt es immer einen Wildursprungsschein und den Nachweis der Trichinenuntersuchung, die Pflicht ist und vom Jäger oder Veterinäramt durchgeführt wird. Damit ist man auf der sicheren Seite. Man hilft dem Jäger bei der Vermarktung, man sorgt dafür, dass ein Stück weniger Schaden auf dem Acker und Gefahr auf der Straße bedeutet, und man hat am Ende ein ehrliches, regionales Lebensmittel auf dem Teller.

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