Todesstrafe

Richterin ordnet Beweissicherung im Fall Christa Pike an

Titelbild: Christa Pike, Tennessee Department of Corrections

Gericht in Tennessee ordnet Beweissicherung nach gescheiterter Hinrichtung von Christa Pike an – Pike zurück im Gefängnis

Nach dem gescheiterten Versuch, Christa Pike am 30. September hinzurichten, hat ein Gericht in Tennessee den Staat verpflichtet, sämtliche Beweise zu sichern. Am 7. Oktober erließ Richterin I’Ashea Myles vom Davidson County Chancery Court eine umfassend formulierte Anordnung. Sie folgte damit einem Antrag von Pikes Anwaltsteam, das den Verlust von Aufzeichnungen und physischen Beweismitteln aus der missglückten Hinrichtung verhindern will.


Richterin Myles erklärte ihr Gericht für zuständig und wies das Tennessee Department of Correction an, alle Medikamente, Spritzen, Infusionsschläuche und sonstigen medizinischen Geräte zu sichern. Gesichert werden müssen außerdem Fotos, Video- und Audioaufnahmen, Zeugenaussagen, E-Mails sowie jede Dokumentation über Komplikationen, Verzögerungen oder Geräteprobleme. Sollten Beweise bereits zerstört oder gelöscht worden sein, müsse das TDOC versuchen, sie wiederherzustellen.

Anwälte des Staates hatten argumentiert, eine solche Anordnung sei unnötig, weil das TDOC die Beweise aus der Hinrichtungskammer bereits gesammelt und protokolliert habe. Pikes Anwälte betonten, sie verlangten nicht die Herausgabe, sondern nur die Sicherung der Beweise. „Es ging bei der Anhörung um Transparenz“, sagte ihr Anwalt Luke Ihnen. Das Urteil sei „nur ein erster Schritt von vielen“ bei der Durchsetzung von Pikes verfassungsmäßigen Rechten. Eine mögliche Klage habe man nicht früher einreichen können, weil Pike bewusstlos gewesen sei und ihre Zustimmung nicht habe geben können.



Der Zustand von Pike bleibt nach Darstellung ihrer Anwälte kritisch. Am 6. Oktober teilten sie mit, sie habe das Bewusstsein wiedererlangt und spreche, die allgemeine Prognose sei aber ungewiss. Ihr Anwalt Randy Spivey sagte auf einer Pressekonferenz: „Christa ist eine Überlebende. Sie verdient Antworten darüber, was ihr angetan wurde, und die Menschen in Tennessee verdienen diese Antworten auch.“ Noch am Abend des 5. Oktober sei dem Team mitgeteilt worden, Pike sei hirntot und das Krankenhaus wolle am nächsten Tag die lebenserhaltenden Maßnahmen einstellen. „Zum Schock aller“ sei sie am nächsten Tag aufgewacht und habe begonnen zu sprechen.

Nach Angaben ihrer Anwälte kann Pike ihre Arme nicht bewegen und nicht schlucken. Sie leide an einer Lungenentzündung und einem Blutgerinnsel im Arm, ihre Arme seien verbrannt und mit Blasen bedeckt. Welche Funktionen sie, wenn überhaupt, in den Armen zurückerlangen werde, sei unklar. Zeitweise sei sie an ihr Krankenhausbett gefesselt gewesen. Trotz des langen Genesungswegs befindet sich Christa Pike inzwischen wieder im Gefängnis. Ihre Anwälte fordern Gouverneur Bill Lee weiterhin auf, sie zu begnadigen und ihre Strafe in lebenslange Haft ohne die Möglichkeit auf Bewährung umzuwandeln.

Der Ablauf der Hinrichtung am 30. September war von Verzögerungen geprägt. Eigentlich für 10:00 Uhr angesetzt, wurde sie zunächst durch einen vorläufigen Aufschub des U.S. Court of Appeals for the Sixth Circuit gestoppt, um einen neuen Schriftsatz zu prüfen. Gegen 18:00 Uhr hob der U.S. Supreme Court den Aufschub mit drei Gegenstimmen wieder auf. Medienzeugen berichteten, sie hätten etwa 45 Minuten in der Zeugenkammer gewartet, bevor sich die Vorhänge um 19:26 Uhr öffneten und Pike festgeschnallt auf einer Trage zeigten. Nach ihrer letzten Erklärung begann das Hinrichtungsteam mit der Injektion.



Die Zeugin Tori Gessner von WKRN zitierte Pike mit den Worten: „Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich platzen. Eine Stelle pocht wirklich stark.“ Um 19:46 Uhr schlossen sich die Vorhänge, öffneten sich drei Minuten später wieder, schlossen sich um 20:05 Uhr erneut und blieben bis 20:53 Uhr geschlossen, als die Zeugen aufgefordert wurden, den Raum zu verlassen. Während des gesamten Vorgangs hätten sie Pike atmen und schnarchen hören.

Wie im neuen Hinrichtungsprotokoll des Staates vorgesehen, verabreichte das Personal zwei Dosen Pentobarbital, ein kurzwirksames Barbiturat, das zum Tod hätte führen sollen. Zeugen zufolge atmete Pike jedoch weiter, schnarchte und hob gelegentlich Körperteile von der Trage. Vor dem Gefängnis wurden die Beobachtungen der Medienzeugen von eintreffenden Rettungswagen unterbrochen, die Pike in ein örtliches Krankenhaus brachten.

Kurz vor Mitternacht kündigte Gouverneur Bill Lee an, Hinrichtungen für den Rest des Jahres auszusetzen. Eine weitere Hinrichtung, die von Gary Wayne Sutton, war für später im Jahr 2026 vorgesehen. „Die Vollstreckung einer rechtmäßig verhängten Strafe gehört zu den ernsthaftesten Verantwortungen des Staates, und die Menschen in Tennessee erwarten, dass dies auf eine Weise geschieht, die nicht nur rechtlich und verfassungsmäßig, sondern auch effektiv ist“, sagte Lee und ordnete eine „umfassende, unabhängige Überprüfung“ der gescheiterten Hinrichtung an. Bereits eine frühere Unterbrechung und Untersuchung im Jahr 2022, ebenfalls von Lee initiiert, hatte zu dem neuen Ein-Medikamenten-Protokoll geführt, das nun bei Pike versagte.

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