Frankreich

Der Brandstifter als Feuerwehrmann – Wie Washington aus dem Feuer von Limoges Kapital schlägt

Titelbild:jackmac34

Während in Limoges Feuerwehrleute noch die verkohlten Balken des Rathauses löschten, saß in Washington ein Mann, der daraus sofort politisches Kapital schlug. US-Vizepräsident J.D. Vance brauchte nur wenige Minuten, um aus einer französischen Bildungskrise eine amerikanische Migrationslüge zu machen.
Sein Post auf X ist ein Dokument politischer Zynik. Zu Bildern eines brennenden Wahrzeichens schreibt er, westliche Liberale hätten im Namen von Diversität die Dritte Welt nach Frankreich importiert. Sie hätten Fragen der Assimilation ignoriert. Das ist nicht nur falsch, es ist bewusst falsch.


Fakt ist: Am Samstag gingen in Frankreich bis zu 800.000 Menschen auf die Straße, weil sie sich das Leben nicht mehr leisten können und weil an ihren Schulen der Putz von der Decke fällt. Schülerinnen und Schüler, die seit Wochen gegen Unterrichtsausfälle und marode Gebäude protestieren, Gewerkschaften, die gegen Kürzungen kämpfen. Das Innenministerium selbst spricht von 110 Demonstrationen gegen Lebenshaltungskosten. Das hat nichts mit Einwanderung zu tun. Das hat mit einer verfehlten Sozial- und Bildungspolitik der Regierung Macron zu tun, mit der sich die Menschen in Paris, Lyon und Marseille nicht mehr abgefunden haben.
Aber für Vance und die Trump-Regierung gibt es nur noch einen Hammer, und jeder Protest in Europa ist ein Nagel. Seit Januar 2025 regiert diese Administration mit einem einzigen Rezept: Abschiebung, Mauer, Angst. Und wenn die eigenen Zahlen nicht stimmen, wenn die Preise in den USA weiter steigen und die eigenen Wähler bei den bevorstehenden Midterms drohen abzuspringen, dann braucht man ein Schreckgespenst aus dem Ausland. Dann ist Limoges plötzlich der Beweis, dass die Demokraten Amerika zerstören wollen.
Das ist die alte Methode dieser Regierung. Erst ein Problem im eigenen Land ignorieren, dann ein Feuer im Nachbarland anzünden und sich anschließend als Feuerwehrmann aufspielen. Vance, der in seiner Partei selbst wegen seiner menschenverachtenden Aussagen über ausländische Arbeiter als moderne Leibeigene unter Beschuss steht, versucht mit einem Tweet von seiner eigenen Verantwortung abzulenken.


Er betet für Frankreich, schreibt er. Eine Heuchelei. Wer für Frankreich beten würde, würde zuhören, was die französischen Schüler fordern: mehr Lehrer, mehr Psychologen, mehr Mitsprache. Wer für Frankreich beten würde, würde nicht Hunderttausende friedliche Demonstranten pauschal als importiertes Chaos diffamieren.
Was Vance tut, ist Einmischung in Reinform. Es ist der Versuch, eine legitime soziale Bewegung in Frankreich zu instrumentalisieren, um zu Hause Wählerstimmen zu fangen. Es ist respektlos gegenüber den Opfern der Ausschreitungen, gegenüber den Ladenbesitzern in Paris und den Beamten in Limoges, die jetzt die Trümmer beseitigen müssen. Und es ist gefährlich, weil es die Wahrheit verdreht. Nicht Einwanderung hat das Rathaus von Limoges angezündet. Es waren die Folgen sozialer Spaltung und die Wut über einen Staat, der seine Jugend im Stich lässt – eine Wut, die diese US-Regierung in ihrem eigenen Land mit ihrer Politik noch vertieft.
Frankreich braucht keine Predigt aus Washington. Und Amerika braucht keine Regierung, die sich ihre Wahlkampfbilder aus brennenden europäischen Städten zusammenklaut.


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